Ökopunkte Freiwilliger Verzicht auf Zuschuss

Das Wehr an der Herrenmühle bekommt eine raue Rampe.   Archivfoto: Daniela Knipper
Das Wehr an der Herrenmühle bekommt eine raue Rampe. Archivfoto: Daniela Knipper © Foto: Daniela Knipper
Crailsheim / Christine Hofmann 26.11.2016

Der Sachverhalt ist schwer zu verstehen: Die Stadt Crailsheim verzichtet auf einen Zuschuss in Höhe von rund 240 000 Euro, um ihr Ökopunktekonto aufzufüllen. Die raue Rampe am Jagstwehr Herrenmühle soll trotzdem gebaut werden – allein mit städtischen Geldern: 280 000 Euro anstatt (mit Zuschuss) 42 000 Euro kostet das. „Das ist für uns eine Rechnung, die Sinn macht“, erklärte Baubürgermeister Herbert Holl in der Gemeinderatssitzung. „Aus finanzieller Sicht gewinnen wir.“

Denn ein dickes Ökopunktekonto ist heute fast genauso wichtig wie ein gut gefülltes Stadtsäckel. Mit dem Bau der rauen Rampe können vergleichsweise leicht solche Ökopunkte verdient werden. Wird die Rampe mit Zuschuss gebaut, bekommt die Stadt dafür 168 000 Ökopunkte. Baut sie sie ohne Zuschuss, gibt es 1,12 Millionen Ökopunkte – ein Plus von 952 000 Punkten. Um dieses Plus zu bekommen, müssten beispielsweise Feldhecken auf dem Acker von 19 Kilometer Länge und fünf Meter Breite angelegt werden. Die Ökopunkte werden als Ausgleich für die Erschließung von Bauland benötigt.

„Beim Lesen der Sitzungsvorlage habe ich gedacht: Das ist moderner Ablasshandel“, äußerte der Vorsitzende der AWV-Fraktion Norbert Berg seinen Unmut über diese Praxis. Auch Stadtrat Peter Gansky (BLC) konnte nur verwundert den Kopf schütteln: „Das ist Scheinheiligkeit. Die Sinnhaftigkeit einer Rampe reicht ja nur bis zum nächsten Wehr.“ Es sei jedoch erhellend einmal zu sehen, wie teuer neue Gewerbegebiete und Wohngebiete tatsächlich seien.

Am Ende stimmten die meisten Stadträte für den Verzicht der Fördergelder – bei neun Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Christine Hofmann

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