Volksfest-Countdown Fotos verlängern die Freude

Crailsheim / Julia Vogelmann 13.09.2017
Volksfest-Countdown: Früher standen sie auf Tafeln aufgeklebt auf dem Gehweg, heute hängen sie im Schaufenster: Die Umzugsbilder von Foto-Schlossar haben Tradition.

Ein wenig muten sie an wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, die Fototafeln, auf denen Bilder des Volksfestumzuges ausgestellt werden. In Zeiten von Smartphone und Digitalfotografie, in denen sich die Bilderflut in die Datenbänke und Clouds ergießt, erscheinen Hochglanzabzüge, die bei Schlossar bestellt werden können, anachronistisch. Und dennoch. Die Foto­tafeln gehören zum Volksfest und sie verlängern seit jeher die Freude an der fünften Jahreszeit, weil sie noch einmal öffentlich zur Schau stellen, was die Stadt vier Tage lang erlebt hat.

Tatsächlich gibt es die Tafeln schon seit es regelmäßig einen Volksfestumzug gibt, bestätigt Thomas Schlossar, Inhaber des Fotogeschäfts. „Seit vier Generationen fotografieren wir den Festumzug“, erzählt er nicht ohne Stolz. Zuerst natürlich in Schwarz-Weiß und später in Farbe, hatten die Bilder seit jeher eines gemeinsam, nämlich die Perspektive. Geschossen vom Vordach des Ladens aus, boten sie schon immer einen ganz besonderen Überblick über das Geschehen, und Thomas Schlossar erinnert sich lachend an Zeiten zurück, als beim Umzug noch ein echtes Bürgermeisterinnen-Hinterteil in die Kamera gehalten wurde.

Rund 200 verwertbare Bilder, schätzt der Ladeninhaber, wurden schon in den Anfangszeiten jährlich gemacht und ausgestellt, eine enorme Zahl, rechnet man nicht nur die verbrauchten Filme, sondern auch die Zeit, die das Sichten, Entwickeln und Aufkleben auf die Tafeln in Anspruch nahmen. „Fotografie war früher sehr mühsam. Kameras waren nicht so verbreitet, und die Modelle schwer zu halten und alles war Handarbeit“, so Schlossar. Natürlich machten schon damals viele Crailsheimer in den Tagen und Wochen nach dem Volksfest halt vor dem Fotogeschäft, um sich die Bilder anzusehen und zu bestellen, was damals automatisch auch hieß zu warten, bis man seine ganz persönlichen Abzüge in Händen hielt.

Da sieht es heute ganz anders aus. Dank digitaler Technik wird beim Umzug am Samstag munter geknipst und schon während des Umzuges wandern die ersten am Computer erstellte Tafeln ins Schaufenster. „Die Leute fragen dann oft, ob das vom Vorjahr ist“, verrät Thomas Schlossar schmunzelnd. Tatsächlich hat die Digitalfotografie vieles vereinfacht und verändert, die Nachfrage nach guten Bildern ist allerdings nach wie vor geblieben. Vor allem Gruppen von auswärts, die keine eigenen Fotografen im Publikum haben oder auch Eltern von teilnehmenden Schülern und viele Gruppen fragen nach wie vor nach den Bildern auf der Tafel. Rund vier Wochen hängen die Bilder im Schaufenster aus, und auch wenn sie abgehängt sind, kommen viele in den Laden, um danach zu fragen, weshalb Schlossar immer noch ein wenig wartet, bevor er die Tafeln auflöst und die Bilder ins Stadtarchiv gibt. Wie es dazu kam, dass die Bilder dort schon seit Jahrzehnten gesammelt werden, weiß Thomas Schlossar nicht, doch er ist sich bewusst, dass es mittlerweile ein großes Archiv gibt.

Daran gedacht, die Fototafeln abzuschaffen, hat bei Foto-Schlossar noch niemand. Zwar sind die Bilder kein großes Geschäft, dennoch sind sie gute Werbung, und der Geschäftsinhaber möchte sie auch als Service für seine Kunden verstanden wissen. Wie sehr die Crailsheimer an der Foto-Tradition hängen, zeigt eine kleine Anekdote: Als der Fotograf vor Jahren beschloss, die immer gleichen Oldtimer beim Umzug nicht zu fotografieren, gab es prompten Protest. Seitdem wird am Samstag wieder der komplette Umzug fotografiert.

Übrigens: Mittlerweile werden die Bilder im Schaufenster ausgestellt, die Tafeln auf dem Gehweg sind damit tatsächlich schon Geschichte, doch rückblickend auf die vielen Jahrzehnte, wurde nicht ein einziges Mal eines der aufgeklebten Bilder gestohlen. Volksfest ist in Crailsheim eben doch Ehrensache.