Künzelsau Flügelschläge mit dem Pinsel

"Die Brezel" ist Titel dieser Eitempera-Arbeit von Hann Trier (1971).
"Die Brezel" ist Titel dieser Eitempera-Arbeit von Hann Trier (1971). © Foto: dig
Künzelsau / MICHAEL DIGNAL 01.12.2015
Hann Trier wurde 1915 geboren. Daher zeigt die Hirschwirtscheuer nun den kompletten Bestand der Sammlung Würth an Werken des Künstlers: rund 40 Gemälde und Aquarelle aus sechs Jahrzehnten.

Hann Trier gehörte zum deutschen Informel. Das ist eine Nachkriegs-Kunstrichtung, die auch abstrakter Expressionismus genannt wird. Ihr prominentester Vertreter ist der Amerikaner Jackson Pollock. Den Künstlern des Informel ging es weniger um gegenständliche als um spontane und emotionale Darstellungen.

War Trier (geboren am 1. August 1915) zuerst noch am Kubismus Picassos orientiert, so entwickelte er in den 1950er-Jahren seinen eigenen Stil: "Ich habe mit dem Pinsel geschlagen wie die Taube mit den Flügeln."

Halb abstrakte, doch konkreten Themen oder Objekten gewidmete Bilder sind Beispiele aus Triers Frühzeit - mit Titeln wie "Bauer am Pflug", "Pudel" oder "Guillotine".

Dann jedoch erweiterte er seine Technik, indem er begann, mit beiden Händen zugleich zu malen. "Aus der zweihändigen Malweise, den Schwüngen und Gegenschwüngen der linken und rechten Hand, entwickelte Trier sein persönliches Formprinzip", schreibt Gabriele Uelsberg, Vorsitzende der Kunststiftung Hann Trier, im Katalog zur Künzelsauer Ausstellung.

Schon in den Aquarellen, die wie Rippenbögen geformte Symmetrien aufweisen, ist dieses Prinzip unübersehbar. Doch ebenso in den gemalten Großformaten, etwa der "Windsbraut" (1974) oder "Les Demoiselles d'Avignon" (1969), einer fast monströsen Verbeugung vor Picassos bahnbrechendem Original.

Es ist eine nahezu dreidimensionale Dynamik, die ersichtlich wird. In "Die hängenden Gärten II" (1992) meint man, organische Strömungen zu entdecken. In "Virgo I" (1966) ist es, trotz der astronomischen Inspiration des Künstlers, eher eine fantastische Blumenwelt, die zum Ausdruck kommt. Und in "Fragmente II" (1994) ist es eine titanisch-archaische Landschaft mit Eis, Fels und dramatischer Aufgewühltheit, wo überdies Geister und Dämonen zu wohnen scheinen.

Info Die Ausstellung ist bis 1. Mai mittwochs bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen.