EATA Flüchtlinge für Lehrstelle fit gemacht

Schulleiterin Kerstin Westerfeld überreichte die Zeugnisse. Fünf Absolventen haben nun den Hauptschulabschluss.
Schulleiterin Kerstin Westerfeld überreichte die Zeugnisse. Fünf Absolventen haben nun den Hauptschulabschluss. © Foto: Fred Ohnewald
Ellwangen / Fred Ohnewald 04.08.2018
Der Kurs „Vorqualifizierung Arbeit/Beruf“ hat erste Absolventen hervorgebracht. Fünf junge, vorher kaum gebildete Flüchtlinge haben nun Hauptschulabschluss, drei sogar schon eine Lehrstelle.

Die Europäische Ausbildungs- und Transferakademie (EATA) für jugendliche Europäer und Flüchtlinge nimmt ihren Betrieb nicht mit vollem Campus auf. Das rund 15,7 Millionen Euro teure Projekt steht noch in den Startlöchern, der Umbau des ehemaligen „Z-Baus“ der Reinhardt-Kaserne für die EATA – mit 250 Wohnplätzen – dauert noch an.

Dafür hat die „Vorqualifizierung Arbeit/Beruf“, die das Kolpingwerk in der EATA speziell für wenig bis gar nicht vorgebildete, junge erwachsene Flüchtlinge anbietet, bereits erste Absolventen zu vermelden: Acht junge Leute haben die Schulung durchlaufen, zwei aus Eritrea, ein Gambier, ein junger Mann von der Elfenbeinküste und vier Afghanen. Und in der Tat haben fünf von ihnen jetzt einen Hauptschulabschluss errungen, drei von ihnen haben sogar schon einen Ausbildungsvertrag in der Tasche: Die regionalen Betriebe suchen händeringend nicht nur Facharbeiter, sondern auch Auszubildende. Ein Elektrobetrieb, ein Fensterbauer und ein Malerbetrieb haben sich für die drei entschieden. Die beiden anderen Hauptschulabsolventen bekommen wohl auch eine Lehrstelle. Die verbliebenen drei Schüler durchlaufen den Kolping-Kurs jetzt noch einmal – kein Problem. Wenn man bedenkt, dass zwei der acht Teilnehmer bei ihrer Ankunft in Deutschland weder lesen noch schreiben konnten, ist auch deren Lernfortschritt schon beachtlich.

Deutsch ist das A und O

Den acht Teilnehmern wurden am Freitagvormittag ihre Zeugnisse überreicht. Weil es die ersten Absolventen dieser speziellen Ausbildung sind, hatte sich auch Besuch angesagt, darunter der Ellwanger Bürgermeister Volker Grab und der Leiter der sozialen Dienste in Ellwangen, Ulrich Leinmüller.

Die Lehrer zeigten sich mindestens so stolz wie die Schüler, die als sogenannte „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ in Deutschland ankamen, in verschiedenen Aufnahmeeinrichtungen auf das Leben in Deutschland vorbereitet wurden und nun, volljährig, in Ellwangen im beruflichen Qualifizierungsjahr ihre ersten Schritte in Richtung Berufsleben tun. Deutschunterricht ist das Wichtigste, keine Frage.

Das betonte unter anderem auch TSV-Urgestein Hermann Weber, der schon seit vier Jahren in der LEA und darum herum Flüchtlinge betreut und an der Ausbildung der acht jungen Leute seinen Anteil hat. Dazu kommen Berufsorientierung und -vorbereitung, aber auch Staats- und Gemeinschaftskunde sowie Kenntnisse über das Leben in Deutschland allgemein. Auch Berufspraktika wurden abgeleistet. Webers Worten zufolge waren alle Firmenchefs von den acht sehr angetan.

Bevor es für die sieben jungen Männer und eine junge Frau nun weitergeht, wird nicht gebummelt. Sie bleiben auch in der Ferienzeit in der EATA, wo sie ja auch wohnen, und absolvieren einen Sommersprachkurs. Während drei von ihnen eine weitere „Runde“ im Qualifizierungsprogramm drehen, um fit für eine Berufsausbildung zu werden, ist bereits eine zweite Klasse mit etwa zehn Teilnehmern am Lernen.

Blaupause für die Zukunft

Für den eigentlichen EATA-Betrieb, der für rund 250 junge Menschen mit mehr Vorbildung vorgesehen ist, suchen die Partner des Kolping-Bildungswerks in EU-Ländern vor Ort nach geeigneten Kandidaten für die EATA: Dort ist die Jugendarbeitslosigkeit vielfach groß, während bei uns der Arbeitsmarkt leer gefegt ist.

Dorothea Ewers ist Regionalleiterin des Kolping-Bildungswerkes. Sie beglückwünschte die Absolventen und mahnte, möglichst viel Deutsch zu lernen und einen Schulabschluss anzustreben. „Ohne so ein Dokument geht in Deutschland fast nichts“, erklärte sie. Zugleich lobte sie: „Sie haben den ersten Schritt in die Integration gemacht.“

Bürgermeister Volker Grab sagte, die jungen Leute hätten in Deutschland eine Chance bekommen und hätten sie genutzt. Chancen zu ergreifen, sich zu engagieren und sich anzustrengen, auch wenn’s mal wehtut, sei das Wichtigste im Leben, gab er den acht jungen Menschen mit auf den Weg. Für den Fortgang der Ausbildungsarbeit nannte Grab die Absolventen „eine Blaupause für die Zukunft“.

Eine Schule mit Wohnangebot

Die EATA ist eine Schule mit Wohnangebot, in der junge Europäer ab 18 Jahren sowie junge Flüchtlinge unterrichtet werden. Träger ist eine gemeinnützige GmbH, an der Ostalbkreis und Stadt 51 Prozent sowie das Kolping-Bildungswerk 49 Prozent halten. Die Baukosten, 15,6 Millionen brutto, tragen die EU (6,6 Millionen Euro), die Stadt Ellwangen (6,4 Millionen) und das Land (2,6 Millionen).

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