Sulzdorf Fischhändler Baier tourt von Dorf zu Dorf

"Was darfs sein?": Fischhändler Volker Baier aus Niedersachsen kommt jeden Mittwoch nach Sulzdorf und verkauft frischen Fisch.
"Was darfs sein?": Fischhändler Volker Baier aus Niedersachsen kommt jeden Mittwoch nach Sulzdorf und verkauft frischen Fisch. © Foto: Margitta Schmidt
Sulzdorf / MARGITTA SCHMIDT 19.09.2013
Wöchentlich bringt Fischhändler Volker Baier seinen Fisch direkt von Bremerhaven bis fast vor die Hohenloher Haustüren. Nach der Sommerpause freuen sich seine Kunden jetzt wieder über das Angebot vor Ort.

Mittwoch ist Fischtag. Mehrere Kunden erwarten den Fischhändler aus dem hohen Norden bereits nahe der Sulzdorfer Kirche. Unter ihnen ist Heiderose Kolb. Fisch kommt in ihrer Familie regelmäßig auf den Teller. "Mir ist eine gute Qualität wichtig. Manchmal habe ich den Eindruck, dass bei Elektrogeräten mehr Wert darauf gelegt wird als bei Lebensmitteln." Gern kauft sie regionale Produkte. Sie schätzt das Angebot vor Ort und die damit verbundenen kurzen Wege. "Im Sommer fehlt mir das", meint die Stammkundin. Noch ist sie unsicher, was sie heute servieren möchte. Später entscheidet sie sich für geräucherte Makrelen.

Baier beantwortet alle Fragen ruhig und kompetent

Kaum hat Volker Baier die Theke geöffnet, schauen die Kunden schon interessiert, was er im Angebot hat. Neben Frischfisch wie Heilbutt, Schwertfisch und Lachs, haben die Fischfreunde die Wahl zwischen geräucherten Sprotten, Bücklingen und Makrelen. Aber auch Spezialitäten wie Riesengarnelen, Bratheringe in Aspik und fertige Salate lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen. "Moin, moin, was darfs denn sein?", begrüßt der Friese den ersten Kunden freundlich. Ein Marktschreier, wie man sie gelegentlich auf Jahrmärkten findet, ist der 53-Jährige nicht. Ruhig und kompetent beantwortet er alle Fragen.

Seit zehn Jahren bringt Baier frischen Fisch in den Süden. Seine Tour beginnt am Montagmorgen um 7 Uhr auf dem Fischmarkt in Bremerhaven, wo er die Waren bei verschiedenen Großhändlern erwirbt. "Beim Fisch gibt es Riesenunterschiede. Ein Fangschiff ist bis zu einer Woche auf See. Der letzte Fang ist immer der teuerste, ganz einfach deshalb, weil er am frischesten ist. Ich achte immer auf Topware und erste Qualität. Mit der Kundschaft kann man es sich schnell verderben, also gebe ich lieber etwas mehr aus." Aus Erfahrung weiß er, welche Mengen er benötigt. "Aber trotz guter Kalkulation kann es vorkommen, dass ich manchmal zu wenig dabei habe."

Fernsehsendungen und Presseberichte beeinflussen den Verkauf. Nach Kochsendungen kann die Nachfrage nach einer bestimmten Sorte steigen. Informationssendungen mit Negativtouch lassen sie auch mal sinken. An kühlen Tagen läuft der Verkauf besser als an heißen.

Im Norden wie im Süden ist der Seelachs eine der beliebtesten Sorten: "Der ist bekannt und günstig." In den letzten Jahren würde mehr Geld für gute oder weniger bekannte Ware ausgegeben, beobachtet Baier, der selbst Kabeljau und Rotbarsch bevorzugt.

Am Dienstagnachmittag macht sich der selbstständige Unternehmer aus dem niedersächsischen Dörfchen Stinstedt mit seinem gut sortierten Angebot auf den Weg. Erste Station am Mittwochmorgen ist der Dinkelsbühler Wochenmarkt. Von dort tourt er nach einem straffen Zeitplan quer durchs Ländle. Matzenbach, Stimpfach, Jagstzell, Rosenberg, Bühlertann, Obersontheim, Gründelhardt, Vellberg, Sulzdorf, Großaltdorf und Ilshofen werden angefahren. Nach jeweils 15 bis 30 Minuten gehts bereits weiter. Am nächsten Tag wird er über Marktbreit, Iphofen und Geiselwind die Rückreise antreten.

"Keine Kilometer scheuen, wenn man arbeiten will"

Die Frage nach dem Warum ist einfach erklärt: "Mobile Fischhändler haben bei uns im Norden eine lange Tradition. Irgendwann gab es zu viele, also zogen manche immer weiter Richtung Süden." Baier, der gelernter Zimmermann ist, übernahm die Tour von seinem Vorgänger: "Ich hatte die Möglichkeit, ihn zu begleiten und es gefiel mir. Man darf keine Kilometer scheuen, wenn man arbeiten und Geld verdienen will." Solange er verdienen kann, will er fahren. Unterm Strich bliebe allerdings durch steigende Sprit- und Materialkosten immer weniger übrig.

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