Region Filmindustrie fordert eine teure Umrüstung: Das Ende kleinerer Kinos?

Dieser Projektor gehört der Vergangenheit an. Hans-Heinrich Dormann und seine Frau Silvia Zott haben die Klappe in Kirchberg bereits digitalisiert. Archivfoto
Dieser Projektor gehört der Vergangenheit an. Hans-Heinrich Dormann und seine Frau Silvia Zott haben die Klappe in Kirchberg bereits digitalisiert. Archivfoto
Region / LISA-MARIA MÜLLER 18.09.2013
Die Tage der analogen Filmrollen sind gezählt. Auch vor den Kinos macht die digitale Revolution nicht halt. Ab 2014 werden aktuelle Filme nicht mehr in dem herkömmlichen 35-Millimeter-Format angeboten.

Ob Blockbuster, Stummfilmklassiker oder 3D-Movie: Immer mehr Filme werden heute bereits digital produziert. An der Umstellung auf digitale Projektion kommt deshalb kein Kino mehr vorbei. Für die Zuschauer verläuft die Digitalisierung weitgehend unbemerkt. Erst ein Blick in die Projektionskabinen zeigt: Es rattert nicht mehr - wie in den letzten 100 Jahren - ein 35-Millimeter-Film durch einen Projektor, sondern ein High-Tech-Beamer wirft die auf einem Computer gespeicherten Bilder auf die Leinwand. Da diese Technik mit hohen Kosten verbunden ist, bedeutet das gerade für viele kleinere Kinos eine Existenzgefährdung.

"Pro Kinosaal kostet uns die Umrüstung 84 000 Euro", erklärt Max Lechner von den Regina-Lichtspielen in Feuchtwangen und dem Ring-Theater in Dinkelsbühl. Und weiter: "Wir müssen uns in den nächsten zwei Monaten entscheiden, ob wir diese Summe investieren wollen oder schließen müssen." Viele Kinos stehen vor dieser Frage. Mit dem Verkauf der Eintrittskarten allein, kann ein solcher Geldbetrag kaum erwirtschaftet werden. Um Kinos zu unterstützen, die die Umrüstung nicht aus eigener Kraft bewerkstelligen können, wurden von Bund, Ländern und der Filmförderungsanstalt mehrere Förderprogramme ins Leben gerufen.

"Ohne eine Förderung hätten wir uns das nicht leisten können", erklärt Hans-Heinrich Dormann, der zusammen mit seiner Frau Silvia Zott das Kino Klappe in Kirchberg betreibt. Bereits im Februar dieses Jahres hat sich das Ehepaar dazu entschlossen, ihren Kinosaal mit seinen 86 Sitzplätzen zu digitalisieren. "Das war notwendig, da wir ja wissen, dass es in absehbarer Zeit keine 35-mm-Filme mehr geben wird. Bund und Land haben Fördermittel ausgeschrieben. Aber natürlich gehen auch diese Gelder irgendwann zu Ende. Deshalb haben wir frühzeitig reagiert und unser Kino bereits umgerüstet", erklärt Dormann. 85 000 Euro hat die neue Technik gekostet.

Der Großteil der Kinofilme wird bereits heute nur noch digital produziert, das haben die Betreiber der Gaildorfer Sonnenlichtspiele schon vergangenes Jahr erkannt. "Wir haben bemerkt, dass es einfach immer schwerer war, an aktuelle 35-mm-Filme heranzukommen. Als kleineres Kino standen wir immer ganz hinten an. Deshalb haben wir unseren Kinosaal bereits im Dezember 2012 digitalisiert und auch gleich eine Verbesserung gespürt", erklärt Ralf Hünnefeld, Mitglied der Trägerschaft der Sonnenlichtspiele.

Nur wenn ein Kino bestimmte Kriterien erfüllt, kann es Zuschüsse von rund 40 Prozent erhalten. Nicht alle Filmtheater bringen die Voraussetzungen mit - diese Erfahrung machten auch die Betreiber des Gaildorfer Kinos: "Wir sind aus einem Förderprogramm rausgefallen, da wir kein rein kommerzielles Kino sind, denn die Sonnenlichtspiele werden von einem Verein betrieben, nicht von einer Privatperson." Aber dennoch reichten die restlichen Fördermittel sowie zahlreiche Spenden aus, um die Digitalisierung zu realisieren. Ohne die Gelder wäre auch dieses Kino vor dem Aus gestanden. "Wir hätten die Summe als Verein niemals aufbringen können. Aber zum Glück gab es viele Gaildorfer Unternehmen und Privatpersonen, die uns unterstützt haben, das kulturelle Angebot in der Stadt zu erhalten", so Hünnefeld.

Ob es für die Kinos in Feuchtwangen und Dinkelsbühl auch eine Zukunft geben wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Denn trotz der vielen Fördermöglichkeiten bleibt für Max Lechner eine entscheidungsträchtige Frage im Raum: "Im Moment haben wir Maschinen, die sind bis zu 70 Jahre alt, aber sie funktionieren. Die digitale Technik läuft ja quasi mit einem Computer und einem sehr guten Beamer. Und wir bekommen es ja täglich mit: Computer sind nach einem guten halben Jahr schon wieder veraltet und was ist dann?"

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