Waldemar Freiherr Walzel von Wiesentreu hatte große Pläne mit dem Schloss Wildenstein in der Gemeinde Fichtenau, als er es von der Familie Hofer von Lobenstein kaufte, die dort über Jahrhunderte ansässig war. Der Diplom-Ingenieur für Hoch- und Tiefbau, der beruflich die halbe Welt gesehen hatte, war auf der Suche nach einem Alterssitz, wollte „einfach zur Ruhe kommen“, wie er anno 2015 im Gespräch mit unserer Zeitung sagte.

In Wildenstein nannten sie ihn einfach „Herr Baron“. Er wollte das Renaissance-Schloss restaurieren und sanieren, natürlich in Absprache mit dem Landesdenkmalamt. Ihm schwebte ein Lift vor, eine Terrasse, der Einbau zweier exklusiver Wohnungen im Schloss und einer weiteren im Nebengebäude. Beide Teile sollten mit einem Säulengang verbunden werden. Dazu Hackschnitzelheizung, Café, Pavillon, Grabkapelle, öffentlich zugänglicher Wildpark.

Doch aus all diesen Ideen wurde nichts: Waldemar Freiherr Walzel von Wiesentreu starb am 31. Oktober 2016, er wurde 81 Jahre alt. Sein Grab liegt in Seefeld in Österreich. Dort wohnt ein Sohn von ihm, der in Wildenstein ab und zu nach dem Rechten sieht. Die Gemeinde Fichtenau richtete im Erdgeschoss des Schlosses einen repräsentativen Raum ein und bietet dort Trauungen an. „Wir würden das gerne weiter betreiben, weil das auch angenommen wird“, sagt Hauptamtsleiter Jochen Trollmann.

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Insgesamt 20 im Angebot

Diese öffentliche Nutzung hängt zukünftig vom neuen Eigentümer ab, denn seit Frühjahr dieses Jahres steht das Wildensteiner Schloss zum Verkauf. Darum kümmert sich Engel & Völkers aus Hamburg, ein weltweit führendes Dienstleistungsunternehmen in der Vermittlung von hochwertigen Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie Jachten und Flugzeugen im Premium-Segment, genau genommen ist es ein ­Lizenzpartner: die Schencks Land- und Forstimmobilien GmbH.

Deren Geschäftsführer Christoph Freiherr Schenck zu Schweinsberg hat derzeit rund 20 Schlösser und Herrenhäuser deutschlandweit im Angebot. Das Objekt in Wildenstein wird in der Anzeige eines großen Immobilienportals als „Renaissance Schloss in Heilbronn-Franken“ angepriesen.

Was zeichnet es aus? Die Antwort auf diese und andere Fragen kommt per E-Mail. „Das Schloss zeigt sich in seinem jetzigen Zustand in der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Renaissance-­Bausubstanz“, heißt es darin. Treppenerker und Treppengiebel wurden im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts hinzugefügt. Der Grundriss ist quadratisch, es gibt sechs Etagen, drei unter dem spitz zulaufenden Dach. In der Anzeige ist von vier Wohnetagen die Rede, von 15 Zimmern, die Wohnfläche wird mit 800 Quadratmetern angegeben.

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„Das Schloss wurde in den letzten 30 Jahren mehrfach ­saniert und befindet sich zum Großteil in einem guten Zustand“, lässt Schenck zu Schweinsberg ausrichten. Und: „Umgeben ist das großzügige Schlossensemble von einem circa 1,25 Hektar großen Park mit einem bis zu 100 Jahre alten Baumbestand.“ Viele alte ­Eichen, aber auch junge Edelbaumsorten wie Walnuss, österreichische Obstbäume und nordamerikanische Mammutbäume.

Der Kaufpreis liegt bei 1,25 Millionen Euro. Was mögliche Inte­ressenten angeht, hält sich der Geschäftsführer bedeckt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir aus Gründen der Diskretion ­gegenüber unseren Kunden keine weiteren Informationen weitergeben.“ Käufer kommen vorwiegend aus Deutschland, Russland, den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, Amerika und England, heißt es. Auch Scheichs aus dem arabischen Raum zeigen zunehmend Interesse, vereinzelt Chinesen.

Kommt nicht nur auf die Lage an

Wichtige Kaufkriterien sind neben dem Erhaltungszustand der geschichtliche Anspruch, der kulturelle Stellenwert und die Ausstattung – und natürlich die Lage. Grundsätzlich seien Schlösser oder Herrenhäuser in der Nähe einer Großstadt „marktgängiger als sehr ländlich gelegene Objekte“, so formulierte es Schenck zu Schweinsberg in einem Interview mit dem Manager Magazin.

In der Immobilienanzeige wird die Lage von Schloss Wildenstein wie folgt beworben: „Die Innenstädte von Würzburg und Ulm können über die Autobahn A 7 ­innerhalb von circa 45 Minuten mit dem Pkw angefahren werden. Die historischen Städte Dinkelsbühl und Crailsheim sind in ­circa 15 Minuten zu erreichen.“

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