Durch meine Arbeit kann ich nachhaltig zur Bearbeitung aktueller Themen unserer Gesellschaft beitragen“, sagt Christina Ilg-Müller. Seit Juli 2013 ist sie als Chancen- und Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamtes Schwäbisch Hall tätig und liebt diese Arbeit sehr. Ihren Lebensmittelpunkt bildet die Gemeinde Fichtenau, wo sie auch aufgewachsen ist.

„Ich mag die vertraute Dorfgemeinschaft“, sagt sie. Die 34-Jährige wohnt in Unterdeufstetten. Man kennt und hilft sich gegenseitig. „Soweit es mir zeitlich möglich ist, versuche ich daher mich dort zu engagieren und einzubringen.“
Studiert hat Ilg-Müller Soziale Arbeit an einer privaten „SRH Hochschule Heidelberg“, wo sie 2012 ihren Bachelor abgelegt hat. Danach war sie zunächst für den Allgemeinen Sozialen Dienst des Landratsamtes Schwäbisch Hall im Jugendamt tätig. 2013 wechselte sie in die Stabsstelle Landrat. 2018 absolvierte sie zudem ihren Master in Nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit per Fernstudium an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Rahmenbedingungen schaffen

Gleichstellung bedeutet für die Fichtenauerin weniger einen negativ assoziierten emotionalen Kampf für Frauenrechte und Emanzipation. Vielmehr strebt sie nach einem Verzicht auf Geschlechtertypisierungen und nach einer Berücksichtigung individueller Lebenssituationen. Nicht jede Frau wolle beispielsweise nach der Geburt eines Kindes drei Jahre auf ihren Beruf verzichten. „Wenn es aber so ist, dann ist es die Aufgabe des Arbeitgebers für die Lebenssituationen dieser Mitarbeiter geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die Beruf, Betreuung und Pflege vereinbaren lassen“, so Ilg-Müller.

Joko und Klaas gegen ProSieben 2020 15 Minuten Live-Sendezeit schockiert die Zuschauer

Unterföhring

Rechtliche Grundlage dafür bildet das am 17. Februar 2016 in Kraft getretene „Gesetz zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg“, auch bekannt als „Chancengleichheitsgesetz“. Es beruht auf dem dritten Grundgesetzartikel „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ und soll beiden Geschlechtern auf politischer und beruflicher Ebene gleiche Chancen ermöglichen.
Für den Arbeitsalltag von Ilg-Müller bedeutet das konkret, dass sie etwa die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern versucht oder Ansprechpartnerin für Mitarbeiter in Fragen zur Gleichberechtigung ist. Darüber hinaus berichtet sie regelmäßig in Präsentationen über die Entwicklung der Gleichstellung im Landratsamt und versucht durch Projekte oder Workshops für dieses Thema zu sensibilisieren.

Digitalisierung als Chance

„Für meine Arbeit braucht es Sachlichkeit, Weitblick und Kommunikationsfähigkeit“, erklärt sie. Etwaige Konflikte mit männlichen Kollegen kann sie verneinen: „Denn ich bin laut Gesetz verpflichtet und empfinde es auch als meine berufliche Aufgabe, die Chancen von Frauen und Männern zu fördern“, so Ilg-Müller. Die Herausforderung  sieht sie darin, alle Lebenslagen eines Arbeitnehmers im Detail zu begreifen und die richtigen Themen aufzugreifen.

Internationaler Frauentag 8. März Leitartikel zum Weltfrauentag: Jetzt wird es ernst

Ulm

Als Stichpunkt nennt sie die unterschiedlichen Bedürfnisse von Arbeitnehmern etwa bei der Kinderbetreuung. „In unserer ländlichen Region haben wir teilweise ein gutes Netzwerk, was die Betreuung von Kindern durch die Großeltern angeht“, sagt Ilg-Müller. Da dadurch unter Umständen längere Betreuungszeiten nicht in Anspruch genommen würden, würden Kindertageseinrichtungen früher schließen. „Was für das eine Elternteil ein Vorteil ist, kann dem anderen aber zum Verhängnis werden“, gibt die Gleichstellungsbeauftragte zu bedenken.
Die omnipräsente Corona-Pandemie macht auch vor Ilg-Müllers Arbeitsalltag nicht halt: Wie viele Menschen befindet sie sich derzeit im Homeoffice. „Auch wenn ich die Arbeit in einem Team vor Ort als bereichernd und inspirierend empfinde, bin ich eine Befürworterin der Digitalisierung und damit des Homeoffice“, erklärt sie. Denn die Digitalisierung des Arbeitsplatzes sei nicht nur eine Unterstützung in Krisensituationen. Vielmehr sieht Ilg-­Müller darin auch eine Chance für die berufliche Gleichstellung. „Man darf aber nicht blind sein für die Risiken der Digitalisierung.“ Dabei denkt sie an soziale Aspekte oder die Endlichkeit der Ressourcen.
Darüber hinaus hat die Corona-Krise inhaltliche Auswirkungen auf Ilg-Müllers Arbeit: „Mein Schwerpunkt liegt im Moment darauf, familienrelevante Themen aufzugreifen und diese als Präventionsmaßnahme für die Öffentlichkeit aufzubereiten.“ So werden nun etwa überall in den Landkreisen Hilfsangebote oder Notrufnummern für gewaltbetroffene Frauen und Kinder veröffentlicht.