Auch wenn Alfred Fetzer, Feuerwehrverbandsvorsitzender, am Sonntagvormittag in Matzenbach betont, dass das ehrenamtliche System der Nächstenhilfe im Landkreis Hall noch größtenteils funktioniere, macht er sich doch Sorgen, dass sich dies dort bald ändern könnte. „Auch bei uns verliert die Idee an Wert“, hat er bemerkt. Dem zu entgegnen – dabei fühlten sich die Feuerwehren meist alleingelassen. Er fordert die Politik in Land und Bund auf, daran etwas zu ändern.

Allzu sehr versteiften sich die Parteien derzeit auf die Themen Klimaschutz und Altenpflege. Die seien zwar wichtig, doch das Ehrenamt auch, um soziale Stabilität zu erhalten. Ein Beispiel für die Anerkennung der Leistungen in diesem Bereich sei die Ehrenamtskarte in Bayern.

Auch brauche es genügend Geld für eine aktuelle persönliche Schutzausrüstung und technische Ausrüstung der Feuerwehr. Er freue sich zwar darüber, dass vom Land zugesagt wurde, mehr Geld aus der Feuerschutzsteuer als Zuschüsse den Kommunen für die Mannschaften zur Verfügung zu stellen, trotzdem würden Gelder aus dem Topf weiter für andere Zwecke genutzt. Gleichzeitig gebe es einen Investitionsstau bei Fahrzeugbeschaffungen und dem Bau von Magazinen. Dieser müsse im nächsten Landeshaushalt abgebaut werden.

An der Resonanz auf die Einladung zu dieser Delegiertenversammlung sei für ihn deutlich sichtbar, wie groß das Interesse am Ehrenamt Feuerwehr sei. Außer dem AfD-Landtagsabgeordneten Udo Stein war jedoch kein Landes- oder Bundespolitiker der Einladung gefolgt. Dabei sei es nun aber Zeit, dass Politiker Rahmenbedingungen schafften, um das Ehrenamt attraktiv zu halten und zu machen – egal ob bei Hilfs- oder anderen Organisationen oder Vereinen. „Ich habe manchmal den Eindruck, es wird mehr Geld in die Beseitigung von Problemen gesteckt als in deren Prävention“, erklärt er.

Hinzu komme noch, dass Helfer zunehmend beleidigt und angegriffen würden. „Dagegen erwarte ich ein deutliches Signal der Politik“, fordert Fetzer. Gesetze sollten Polizei und Richtern eine schnelle Handhabe dagegen geben. „Es muss jetzt gehandelt werden. Solche Täter gehören nicht nur in Haft, sondern in die Psychiatrie. Eine Geldstrafe reicht da nicht“, so seine Meinung.

Dass die Feuerwehren viel tun, um die Mitgliedszahlen möglichst stabil zu halten, das zeigt er auf. Unter anderem wolle man Frauen mehr für den Dienst interessieren und Migranten integrieren. Erfolgreich ist im Landkreis, wie auch Kreisjugendwart Thomas Haas aufzeigt, die Nachwuchsarbeit. Wurde 2015 die Marke von 700 Mitgliedern in den Kinder- und Jugendabteilungen geknackt, wurde 2018 erstmals die 800er-Marke überschritten – mit einem Wachstum von zwei Prozent gegenüber 2017.

Der Anteil der Mädchen liege bei 23 Prozent. „Dafür ent­scheidend sind Kindergruppen“, so Haas. Das Angebot für Sechs- bis Zwölfjährige sei besonders für Mädels interessant. „Am Ziel dieser Entwicklung sind wir aber noch nicht“, gibt er zu. Zwei Drittel der Feuerwehren im Landkreis böten noch keine Kindergruppen an – obgleich sie später davon profitierten, wenn sich schon früh mehr weibliche Mitglieder für ihre Arbeit interessierten.

Dass es im Landkreis noch zwei Musikzüge gibt, darüber freut sich Kreismusikstabführer Frieder App. „Und das, obwohl es pro Jahr zwei bis drei weniger im Land gibt“, sagt er. Über die Aktivitäten der 770 Alterskameraden im Landkreis berichtet deren Obmann Gerhard Braun. „Die Senioren wollen ihren aktiven Beitrag für die Familie Feuerwehr leisten“, erklärt er.

In Bezug auf den Investitionsstau sei es positiv, so erklärt der Erste Landesbeamte Michael Knaus, dass 2018 im Landkreis 20 von 27 kommunalen Anträgen auf Zuschüsse bei der Feuerwehr bewilligt werden konnten. „Den deutlichen Worten von Alfred Fetzer an die Politik habe ich nichts hinzuzufügen“, meint er. Der Landkreis habe schon die Zuschüsse an den Verband erhöht – jetzt solle die große Politik nachlegen.

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Im Jahr 2018 sind die Feuerwehren im Landkreis zu 1732 Einsätzen ausgerückt, 156 mehr als 2017. Unter anderem wurden dabei 284 Brände bekämpft und 558 Mal technische Hilfe geleistet wie bei Unfällen – 417 Mal rückten sie zu Fehlalarmen aus. Bei den Einsätzen wurden 131 Menschen gerettet, 21 tot geborgen. Am 31. Dezember 2018 gab es in den 30 kommunalen Feuerwehren 2977 Mitglieder. „Die Zahl ging leicht zurück“, so Verbandsvorsitzender Alfred Fetzer. Die Zahl der Mitglieder in den Kinder- und Jugendabteilungen stieg im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 813 Mädchen und Jungen. fär