Der Familie Meiser war es immer wichtig, sich möglichst breit aufzustellen, um im Krisenfall gewappnet zu sein, doch dann kam Corona. Die Pandemie trifft sie, wenn man so will, gleich in sechsfacher Hinsicht: als Hotelbetrieb, als Wellnessbetrieb, als Tagungsbetrieb, als Restaurantbetrieb, als Tanz- und Konzertveranstalter, als Einzelhändler.

„Es ist zum Verrücktwerden“, sagt Seniorchef Friedrich „Fritz“ Meiser, der kürzlich seinen 73. Geburtstag feierte. „Das war wie ein Tsunami, der über uns ging“, sagt sein Sohn Armin Meiser, 48. „Über alle Geschäftsfelder“, fügt dessen Bruder Thomas, 51, hinzu. Beide haben seit 2001 die Geschäftsführung unter dem Dach einer GmbH inne.

Besuch im „Vital-Hotel Meiser“ in Neustädtlein an diesem Montagmorgen. Der Parkplatz ist leer, in der Lobby und im Restaurantbereich sitzt kein Mensch. „So leer ist es sonst nur um 3 Uhr nachts“, findet Calvin Meiser, einer der Söhne von Thomas Meiser. Das Hotel schläft jetzt auch tagsüber. Lediglich eine Angestellte ist mit Staubsaugen beschäftigt, draußen erledigen zwei Handwerker kleinere Reparaturarbeiten am Pool. Nimmt man das „Meiser Design Hotel“ in Dinkelsbühl dazu, das seit dieser Woche wieder geöffnet hat, mögen es insgesamt vielleicht 20 Businessgäste sein, die gerade da sind.

Calvin Meiser hat die Geschichte der Familie aufgeschrieben

Zum Gespräch geht es in den Saal „Der kleine Fritz“. Gekommen sind: Friedrich Meiser und seine Frau Erika, Thomas und Armin Meiser sowie Calvin Meiser. An der Wand hängen schwarz-weiße Familienfotos. Eigentlich wäre Calvin Meiser gar nicht hier. Der 22-Jährige studiert BWL mit Schwerpunkt Hotel- und Gastronomiemanagement, aber die Uni hat zu. Mit seinem Bruder Marlon, 21, der seine Ausbildung zum Hotelkaufmann als Bester in Baden-Württemberg abschloss und mittlerweile Unternehmertum studiert, will er später mal in das Unternehmen einsteigen. Die sechste Generation steht quasi schon auf der Matte.

Und so fing Calvin Meiser an, die Geschichte der Familie aufzuschreiben, „als Erinnerung für uns und auch für unsere Gäste“. Zwei Wochen war er damit beschäftigt, stöberte im Keller der Tanzmetropole nach alten Dokumenten. Es gehe ihm darum, dass die Gäste in einer schwierigen Zeit Positives hörten. Zu jedem Familienmitglied gibt es eine sehr persönliche Lebensgeschichte.

Dabei wird deutlich, dass die Meisers das Geschäft lebten und leben. Fast alle haben es sogar von der Pike auf gelernt, sei es als Metzger, als Musiker, als Banker, als Europasekretärin, als Koch oder als Restaurantfachfrau. Oder als Hotelkaufmann, der erfuhr, wie man Zimmer richtig putzt – 451 in acht Wochen, um genau zu sein.

Die Resonanz auf die Familiengeschichten im Internet ist riesig, aber natürlich geht es in den Kommentaren auch um Corona. „Wir haben relativ früh gemerkt, dass da was im Busche ist“, sagt Armin Meiser. Bereits Mitte Februar stornierten internationale Gäste Buchungen. „Dann ging es immer weiter.“ Mitte März bekamen sie die ganze Wucht zu spüren, es hagelte Stornierungen, manchmal auch erst am Abend vorher.

Crailsheim/Fichtenau

Abgesagt wurden auch 16 Hochzeiten, aber die sollen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Auch für die Hotelgäste hätten sie gleich nach einem neuen Termin geschaut, betont Armin Meiser. Aber die Sache sei die: „Ein Hotelzimmer, das jetzt frei ist, kannst du in der Zukunft nicht noch mal verkaufen.“ Was die Meisers allerdings stolz macht und die Wertschätzung zeigt: Es rufen Gäste an und fragen, wann sie endlich wieder kommen dürfen.

Wie geht es weiter? „Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir es aushalten können“, sagt Armin Meiser, „aber es kostet viel Geld.“ In der Gemeinde Fichtenau ist die Familie der größte Arbeitgeber. Allein in Neustädtlein arbeiten 180 Leute. Kündigungen hätten sie keine ausgesprochen, so Armin Meiser weiter, sie würden versuchen, das Ganze mit Kurzarbeit aufzufangen.

Als Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes weiß er, dass viele andere von Insolvenz bedroht sind. Und jetzt spricht wieder der Geschäftsführer: „Wir versuchen an allen Ecken und Enden Geschäft reinzuholen, aber das wird die Verluste niemals ausgleichen.“ Die Umsätze, die die Meisers sonst haben, sind auf einige wenige Prozent zusammengeschrumpft. Der Gutscheinverkauf, das Essen zum Abholen, die paar Businessgäste – helfen nicht wirklich weiter. „Umsätze dürfen wir nicht mehr machen, aber unsere Rechnungen müssen wir weiter bezahlen“, so sieht Calvin Meiser die Folgen des Corona-Lockdowns.

Herbstball im Hotel Meiser

Veranstaltung Herbstball im Hotel Meiser

Die Familie Meiser will gerüstet sein

„Wir waren die Ersten, die von Corona betroffen waren, und sind die Letzten, bei denen die Maßnahmen gelockert werden“, sagt Armin Meiser. Lockerung, das Stichwort. Wichtig sei, dass es schrittweise wieder losgehe. „Das ist für uns eine harte Zeit. Wir werden das irgendwie schaffen. Aber wir brauchen einen Horizont zur Öffnung, natürlich unter Auflagen.“ Hygiene seien sie in Hotel und Gastronomie ja gewohnt. Und dann ist da noch was: „Wir sind Organisationsprofis, sonst würde es nicht funktionieren.“

Neben dem Horizont, von dem sein Bruder redet, brauche es staatliche Unterstützung, stellt Thomas Meiser klar. Soll heißen: Soforthilfen und nicht nur zinsverbilligte Kredite. Die befristete Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen sei ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Die Meisers sehen in der Krise aber auch eine Chance. Im Normalfall kommen Kurzurlauber zu ihnen. Die Auslastung im Hotel lag vor Corona aufs ganze Jahr gerechnet bei 80 Prozent, davon können die meisten nur träumen. Wenn jetzt der Urlaub in Deutschland unter Umständen neuen Schwung erfährt und eine große Nachfrage da ist, will das Unternehmen vorbereitet sein.

Die Bereiche Marketing und Online seien gerade dabei, Übernachtungs- und Freizeitpakete zu schnüren, heißt es. Damit aus Kurzurlaubern Wochenurlauber werden. „Wenn es losgeht, dann sind wir gut gerüstet“, so sagt es Calvin Meiser. Am Montag nach dem zweistündigen Gespräch geht es für die Familie gleich weiter zu einer Marketing-Sitzung. Thema: neue Strategien.

Die Chronik der Familie Meiser:  Ära der Tanzveranstaltungen beginnt im Jahr 1905


1880: Die Urgroßeltern vom heutigen Seniorchef Friedrich Meiser, Friedrich und Katharina Hartnagel, kaufen ein Haus mit Landwirtschaft in Neustädtlein und bauen es zum „Gasthaus zur Rose“ um. Zudem entsteht in dem Haus eine Spezereihandlung.
1905: Friedrich Hartnagel junior stockt das Gebäude seiner Eltern mit einem kleinen Tanzsaal auf. Die Ära der Tanzveranstaltungen beginnt am 15. Oktober. In einer Anzeige im Fränkischen Grenzboten wirbt er für diesen Tag wie folgt: „gut besetzte Tanz-Musik, zugleich Eröffnung meiner neuerbauten Räumlichkeiten, wozu ich von Stadt und Land freundlich einlade“.
1910: Seine Schwester Mathilde Hartnagel heiratet Karl Meiser aus Jagstheim – seitdem trägt der Betrieb den Namen Meiser.
1941:
Die Eltern vom heutigen Seniorchef, Friedrich Meiser senior und Friederike, übernehmen.
1955 bis 1969: Die Gaststätte wird umgebaut und der Tanzsaal erweitert.
1974: Friedrich und Erika Meiser stehen dem Betrieb vor.
1980: Es wird weiter angebaut. Die Tanzmetropole entsteht.
2001:
Thomas und Armin Meiser treten in die Geschäftsführung ein.
2003:
Das „Vital-Hotel Meiser“ in Neustädtlein wird eröffnet.
2004: Das Hotel bekommt einen Wellnessbereich.
2008: Das „Meiser’s Café Restaurant Lounge“ in Dinkelsbühl kommt dazu.
2009:
Im „Vital-Hotel Meiser“ entsteht ein Tagungs- und Bankettsaal für Feierlichkeiten.
2010: Das „Meiser’s Café Restaurant Lounge“ wird um elf Hotelzimmer erweitert unter dem Namen  „Meiser’s Hotel am Weinmarkt“.
2010:
Die Tanzmetropole wird modernisiert.
2013: Das „Vital-Hotel Meiser“ wird erweitert und wächst auf 67 Zimmer, im Restaurantbereich ist Platz für 150 Personen. Ebenso wird der Wellnessbereich vergrößert. Zudem entstehen große Tagungsräume.
2018: Das Geschäft „Meiser’s Lieblingsstücke“ in Dinkelsbühl öffnet.
2019: Das „Meiser Design Hotel“ in Dinkelsbühl macht auf (150 Zimmer, elf Tagungsräume, Restaurantbereich für 350 Personen) – es ist mit 20 Millionen Euro die größte Investition in der Firmengeschichte. js