Kühe von Hand melken, für mich war das als Schulkind ganz normal. Wenn ich von der Schule nach Hause gekommen bin, habe ich meine Hausaufgaben erledigt, Akkordeon geübt und danach mit in der Landwirtschaft gearbeitet. Mein Name ist Friedrich Meiser, die meisten nennen mich Fritz und ich bin 73 Jahre alt.

Da ich das älteste Familienmitglied bin, erzähle ich Ihnen neben meiner Geschichte auch etwas über die Familie Meiser vor meiner Zeit. 1832 baute Johann Falk ein einstöckiges Haus mit Landwirtschaft in Neustädtlein. 1880 kauften meine Urgroßeltern Friedrich senior und Katharina Hartnagel dieses und bauten es zum „Gasthaus zur Rose“ um. Im gleichen Zuge entstand in dem Haus eine Spezereihandlung, wo Bauern vom Schuhbändel bis zum Hering im Fass einkaufen konnten. Friedrich Hartnagel junior lebte zeitweise in Amerika, brachte Inspirationen mit nach Hause und stockte so nach seiner Rückkehr 1905 das Gebäude seiner Eltern mit einem kleinen Tanzsaal auf.

Die Ära der Tanzveranstaltungen mit gut besetzter Musik begann am Sonntag, den 15. Oktober 1905. Wenige Jahre später heiratete meine Großmutter Mathilde Hartnagel, die Schwester von Friedrich junior, den aus Jagstheim stammenden Karl Meiser. Ab diesem Zeitpunkt sollte der Betrieb den Namen Meiser in sich tragen, welchen meine Eltern Friederike und Friedrich 1941 übernahmen. Zwischen 1955 und 1960 wurde die Gaststätte umgebaut und der Tanzsaal erweitert.

Mit der Pferdekutsche in die Schule gefahren

Und nun zu meiner persönlichen Geschichte. Zur Schule bin ich zunächst in unserem Nachbarort Bernhardsweiler gegangen. Mein Bruder Karl und ich sind Sommer wie Winter zu Fuß dorthin gelaufen. In diesem Ort war auch die Kirche. Ich erinnere mich an eine Situation als uns der Pfarrer fragte, ob es uns nicht im Winter ohne feste Jacke frieren würde. „Nein, uns friert's nicht“, haben Karl und ich geantwortet. Das war so nicht ganz richtig, denn unsere Mutter war so sparsam an sich selbst und ihrer Familie, dass wir nicht einmal eine dicke Winterjacke besaßen. Das war eben kurz nach dem Krieg so. Meine Mutter war aber immer liebevoll zu uns und ich hätte mir keine bessere vorstellen können.

Ab der fünften Klasse habe ich zusätzlich den „Aufbauzug“ in Wildenstein besucht, eine Art Realschule. Dort lernte ich auch Englisch, was damals für Kinder vom Land nicht üblich war. Ich war meinen Eltern dankbar, dass sie mir dies ermöglicht haben. Fortan bin ich oft mit meiner Pferdekutsche in die neue Schule gefahren. Mit 15 Jahren habe ich eine Metzgerlehre in Crailsheim gemacht. Währenddessen haben mein Bruder, ein Freund und ich das Meiser-Trio gegründet und zusammen in Tanzsälen und auf Hochzeiten Musik gemacht. Im Tanzsaal meiner Eltern haben wir alle Veranstaltungen gespielt.

Wir spielten auch immer wieder in Larrieden und Weidelbach, wodurch ich meine Ehefrau Erika kennenlernte. 1968 heirateten wir und im selben Jahr ist unser erster Sohn Thomas geboren. Ebenfalls 1968 haben meine Eltern Friederike und Friedrich begonnen, den Stall zu erweitern. Erika und ich konnten sie aber nach vielen Diskussionen überzeugen, dass wir den landwirtschaftlichen Bau abbrechen und den Tanzsaal dafür erweitern sollten. 1970 hatten meine Eltern eine Kegelbahn geplant, wieder konnten Erika und ich die Beiden überzeugen, unsere Idee umzusetzen und so entstand die „Tiroler Keller Bar“. Ein Jahr später ist unser zweiter Sohn Armin geboren.

Neue Geschäftsbereiche entstehen

Als junger Unternehmer kümmerte ich mich um die Tanzveranstaltungen, die Wirtschaft und baute bei jeder Erweiterung selbst mit. Außerdem führte ich als gelernter Metzger Hausschlachtungen durch. Wir haben immer unser Erspartes und unsere Arbeit in den Betrieb investiert und so entstand 1980 die Tanzmetropole für 800 Gäste mit mehreren Bars. In den nächsten Jahrzehnten standen von den Flippers bis hin zu Helene Fischer zahlreiche Stars und Bands auf der Bühne und es wurden einige Fernsehproduktionen gedreht.

Die Tanzmetropole war eine neue Dimension. Die Leute haben uns für verrückt gehalten, mitten auf dem Land und damals noch ohne Autobahnanschluss so groß zu bauen. Doch wir hatten eine Vision und es sollte unser Lebenswerk werden. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir samstags um 20 Uhr fast immer Einlass-Stopp hatten und sich die Warteschlange mit Gästen über den gesamten Parkplatz zog. Anhand der Autokennzeichen konnte ich erkennen, dass die Tanzmetropole überregional bekannt war und so kamen unsere Besucher aus ganz Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. In den darauffolgenden Jahren gab es immer wieder Veränderungen und Erweiterungen, das Tanzgeschäft boomte.

Unsere Söhne Thomas und Armin traten später in die Geschäftsführung ein und unsere Schwiegertöchter Susan und Stefanie arbeiten als Prokuristinnen tatkräftig im Unternehmen. Es entstanden weitere Geschäftsbereiche wie die Meiser Hotels und Restaurants, die im Laufe der Serie in den nächsten Tagen näher beschrieben werden.

Ich freue mich sehr, dass unser Familienunternehmen in der 6. Generation durch unsere Enkel fortgeführt wird. Zurzeit haben wir mit Corona eine große Herausforderung, die wir auch meistern werden. Mit der Hotelwiedereröffnung nach dieser Zeit werde ich als erstes wieder mit dem Akkordeon bei unseren Gästen sein.