Es ist schön, wenn man wieder live und in echt beieinander ist“, sagte der Wildensteiner Pfarrer Tobias Dürr, als er die Gottesdienstbesucher und den Posaunenchor begrüßte. „Vor zehn Wochen haben wir zum letzten Mal gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Jetzt sind wir wieder beisammen – auch wenn noch vieles anders ist als sonst.“

Das war schon den etwa 55 Gläubigen anzusehen, die sich mit weitem Abstand voneinander auf die Wiese vor der Schule gestellt oder auf mitgebrachte Stühle gesetzt hatten. Und dies war auch dem Posaunenchor unter der Leitung von Gabi Gehring anzumerken, denn die Gruppe trat als Rumpfchor auf. „Es sind nur 15 Bläser im Freien erlaubt“, sagte Tobias Dürr.
Hier sieht man, dass ein Pfarrer heutzutage vor allem eines kennen muss: die vielen Regeln, die es rund um einen Gottesdienst in Corona-Zeiten zu befolgen gilt. Deshalb hatte Tobias Dürr auch ein Handdesinfektionsgerät dabei, das er vor der Kanzel aufbaute. Mit diesem Gerät und allem anderen, was Kirche braucht, feierte er gestern Vormittag Gottesdienst. Erst in Wäldershub und danach in Großenhub. Und das war etwas ganz Besonderes, denn Tobias Dürr hatte sich für einen „Drive-in-Gottesdienst“ entschieden – wobei freilich nicht die Gläubigen zum Gottesdienst fuhren, sondern umgekehrt.
Die Kirche fuhr nämlich ins Dorf – per Schlepper und speziell ausgerüstetem Anhänger. „So kommt der Gottesdienst zu den Menschen vor Ort“, sagte der Seelsorger – mit weit weniger Beschränkungen als in der Kirche, denn Mundschutz ist im Freien nicht nötig, wenngleich gemeinsames Singen nicht gestattet ist.

Kreuz und Altar – alles dabei

Doch sonst war alles mit dabei: „Findige Frauen und Männern der Gemeinde“, berichtete Tobias Dürr, hatten die fahrbare Kirche ausgestattet: Es gab Orgelpfeifen und eine Kirchenuhr, auch Kreuz, Ambo und Altar, an denen die bekannten Paramente von der Wildensteiner Martinskirche hingen. Der Altar war mit weißem Tuch und den schönsten dunkelroten Pfingstrosen geschmückt.

Es fehlte also nichts, zumal sogar eine Glocke zur Stelle war, die die Gläubigen zum Gottesdienst rief und zum Vaterunser bimmelte: Diese Aufgabe kam der Schulglocke von Wäldershub zu, vor dem Schulhaus hatte die Traktorkirche Station gemacht. 
Und beim stillen Gebet war Gottes Schöpfung sogar deutlich hörbar mit von der Partie: Ein Hahn krähte herzhaft, die Spatzen tschilpten munter und am Schluss tuckerte der Traktor weiter nach Wäldershub – die Pfingstrosen vom Altar wurden vorsorglich gerettet. Doch die Wäldershuber standen noch lange in Gruppen schwätzend auf der Wiese. Und lange schallt’s auf der Wiese noch: Kreativität in der Krise, sie lebe hoch!

Mobiles Gotteshaus ist weiter unterwegs 


Die Traktorkirche ist auch am kommenden Wochenende unterwegs – und zwar um 9.30 Uhr in Wildenstein und um 10.30 Uhr in Lautenbach. Die Treffpunkte werden noch im HT bekannt gegeben. In der Wildensteiner Kirche gibt es zwar noch keine Gottesdienste. Das Gotteshaus ist aber tagsüber geöffnet. Zur Erbauung sind biblische Erzählfiguren zu sehen. uts