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Crailsheim
Crailsheim / Birgit Trinkle  Uhr
Die Stadt hat feuerwehrtechnische Angestellte gesucht. Die neuen Hauptamtlichen werden aber lediglich als Gerätewarte geführt. Das stellt den Ehrenamtlichen zufolge den Bedarfsplan in Frage.

Es geht nicht um Personalien, sondern um den Bedarfsplan der Feuerwehr. Deshalb ist ein bis dato nicht öffentlich diskutierter Vorgang durchaus ein Thema, über das gesprochen werden kann.

In einer Sitzung des Crailsheimer Gemeinderats gab es Ende Mai fraktionsübergreifend Anfragen zu Mitarbeitern der Feuerwehr. „Warum können Gerätewarte der Feuerwehr trotz einer entsprechenden Fortbildung nicht in den feuerwehrtechnischen Dienst übernommen werden?“, fragte etwa Gernot Mitsch (SPD). Gerhard Neidlein (CDU) bat die Verwaltung, das Thema möglichst bald auf die Tagesordnung zu nehmen, was Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer zusagte.

Auf eine Anfrage des Hohenloher Tagblatts hat Stadtsprecherin Michaela Butz folgende Stellungnahme abgegeben: „Nach Paragraf 35 Gemeindeordnung sind Personalangelegenheiten grundsätzlich nicht öffentlich zu behandeln“, da hier naturgemäß im Verlauf der Sitzung persönliche Umstände zur Sprache kommen könnten. „Deshalb hätten die Anträge der CDU-Fraktion (Stadtrat Neidlein) und der SPD-Fraktion (Stadtrat Mitsch) in nicht öffentlicher Gemeinderatssitzung erfolgen müssen.“ Folglich werde die Stadtverwaltung Crailsheim hierzu keine weiteren Angaben machen.

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Stadt hatte feuerwehrtechnische Angestellte gesucht

Auch der hauptamtliche Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck äußert sich nicht zum Vorgang. Seine ehrenamtlichen Stellvertreter aber, Herbert Wagenländer, Abteilung Tiefenbach, und Marcus Swonke, Abteilung Goldbach, erklären auf Anfrage des HT, warum dieses Thema für die Crailsheimer Feuerwehr wichtig ist. Zunächst habe die Stadt im Hohenloher Tagblatt und im Stadtblatt feuerwehrtechnische Angestellte gesucht. „Das sind richtige Feuerwehrleute“, sagt Wagenländer, sprich, Mitarbeiter, zu deren Pflichten auch der Feuerwehrdienst, also die Einsätze zählen. Er schildert kurz, welche Voraussetzungen erfüllt, welche Lehrgänge absolviert sein müssen. Bereits bei der Einstellungsprüfung mussten die Bewerber eine – immerhin 30 Meter hohe – Drehleiter besteigen oder sich als Atemschutzträger beweisen.

Für Gerätewarte gelten andere Voraussetzungen

Die daraufhin eingestellten neuen Hauptamtlichen der Wehr, allesamt erfahrene und passionierte ehrenamtliche Mitglieder der Feuerwehr aus zum Teil ganz anderen Berufen, wurden zunächst als Gerätewarte geführt, sollten dann aber, sobald alle notwendigen Qualifikationen erbracht waren, als feuerwehrtechnische Angestellte beschäftigt werden – wie ausgeschrieben, wie beim Einstellungsverfahren geprüft und auch noch per Glückwunschschreiben bestätigt. Allein, dieser Schritt lasse zum Teil seit fünf Jahren auf sich warten, sagen Wagenländer und Swonke.

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Thema ist viel mehr als eine Personalie

Sie machen deutlich, dass die damaligen Bewerbungen auf eine ganz andere Stelle erfolgten, dass die vier jetzigen Gerätewarte „vom Beschäftigungsverhältnis her weder zum Feuerwehrdienst noch zum Ausbildungsdienst verpflichtet“ werden können: „Ein hauptamtlicher Gerätewart wartet Geräte. Punkt. Der muss noch nicht einmal feuerwehrdiensttauglich sein.“

Spätestens an diesem Punkt, so Wagenländer, gehe es nicht mehr nur um eine Personalie, sondern um die Arbeit der Feuerwehr in Crailsheim. Zwischen 250 und 300 Einsätze seien in der Innenstadt jedes Jahr zu stemmen. Damit seien die Ehrenamtlichen, aber auch deren Arbeitgeber bis an die Belastungsgrenze gefordert. Um sicherzustellen, dass Hilfe geleistet werden kann, werden im Ehrenamt jeweils dreimal mehr Einsatzkräfte alarmiert als tatsächlich benötigt. Das heißt aber auch, dass durchaus zehn Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr alles stehen und liegen lassen und den Arbeitsplatz verlassen, weil eine einfache Türöffnung ansteht oder ein Mülleimer brennt. Oder eben, dass die Hilfsfrist des ersten Einsatzfahrzeugs nicht gewährleistet ist, weil zu wenige alarmiert wurden.

Die Last der kleinen Einsätze soll deshalb von Hauptamtlichen getragen werden: Das ist ein wesentlicher Bestandteil des Crailsheimer Feuerwehrbedarfsplans. Dieser wurde von Dr. Roland Demke 2016 erarbeitet und vom Gemeinderat beschlossen. Demke, leitender Branddirektor aus Würzburg, hatte der Crailsheimer Wehr bescheinigt, an der Belastungsgrenze zu agieren. „Da ich den Plan im Auftrag der Stadt Crailsheim gefertigt habe“, sagt Demke, wolle er „zur Umsetzung des Plans durch die Stadtverwaltung“ keine Aussagen treffen.

Einschätzung der Wehr

So bleibt die Einschätzung der Ehrenamtlichen selbst: „Würden die Crailsheimer Gerätewarte nicht länger Aufgabengebiete abdecken, die nicht Bestandteil ihres Beschäftigungsverhältnisses sind, wäre die notwendige Entlastung der Ehrenamtlichen und deren Arbeitgeber während der Arbeitszeiten nicht möglich“, bestätigen Wagenländer und Swonke wiederum auf Anfrage des HT.

Die Crailsheimer Wehr ist mit ihrer bewährten dezentralen Struktur – sprich aktiven Abteilungen in den Teilorten – und dem derzeit gesicherten Nachwuchs eigentlich in einer glücklichen Situation. Diese solle, so die Bitte aus den Reihen der Aktiven, „nicht durch eine fehlende, aber mögliche Entlastung des Ehrenamts“ gefährdet werden.

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Ein Blick in den Feuerwehrbedarfsplan der Stadt Crailsheim

Die Feuerwehr soll zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort eintreffen. „Bei etwa 450 Alarmierungen im Jahr, davon 250 in der Kernstadt, ist die Belastungsgrenze erreicht“, heißt es in der Feuerwehrbedarfsplanung der Stadt.
Einige der daraus resultierenden Empfehlungen:

– Reduzierung der hohen Zahl der Fehlalarme; als Strategien werden Beratung und Rechnungstellung genannt.
– Bestimmte Aufgaben wie die Absicherung von Hubschrauberlandungen sollten nicht mehr übernommen werden.
– Das Beseitigen von Ölspuren sei an Dienstleister zu vergeben.
– Kleineinsätze werktags tagsüber sollten von einem hauptamtlichen Kleineinsatztrupp übernommen werden.

Generell ein wichtiger Punkt der Planung ist die „Anerkennung des Ehrenamts durch Entlastung“ gleich in mehreren Punkten.