Bus Fernbus fährt seit August einmal täglich nach Berlin und wird gut angenommen

DAGMAR OLTERSDORF 18.09.2013
Es läuft. Seit einem Monat ist „Mein Fernbus“ unterwegs von Aalen nach Berlin und Oberstdorf. Besonders gerne reisen die Fahrgäste offensichtlich in die deutsche Bundeshauptstadt Berlin.
Noch ist der Bus nicht da. Paula Gmähle und Matthias Willmann sitzen mit ihren Rucksäcken auf dem Aalener Landratsamt. Dort fährt „Mein Fernbus“ jeden Tag um 12 Uhr Richtung Berlin ab. Die beiden 26-jährigen Studenten sind extra mit dem Zug von Crailsheim nach Aalen gekommen, um mit dem Bus nach Berlin zu fahren. An diesem Tag allerdings lässt der auf sich warten. Für die beiden Crailsheimer kein Problem. Anschlusszüge müssen sie ja keine erreichen und informiert wurden sie über die Verspätung eine Viertelstunde vor der Abfahrzeit mit einer SMS. Super Service, finden beide.

„Wir haben im Internet nach Mitfahrgelegenheiten gesucht, ursprünglich eigentlich nach Bahntickets“, erzählt Matthias Willmann. Durch Zufall seien sie dann auf das Angebot von „Mein Fernbus“ gestoßen und hätten zugegriffen. „Ich finde gut, dass die Bahn auf diese Weise Konkurrenz bekommt“, sagt Paula Gmähle. 25 Euro für die einfache Fahrt hätten sie pro Person bei der Onlinebuchung bezahlt, die Bahntickets hätten mindestens das Doppelte gekostet. Regulär kostet die einfache Strecke nach Berlin mit dem Fernbus maximal 53 Euro, nach rund siebeneinhalb Stunden soll der Bus dort ankommen.

Für 25 Euro in die Hauptstadt

Auch die 25-jährige Anne Knoll, die ebenfalls nach Berlin fährt, hat ihre Fahrkarte für 25 Euro bekommen. Über den Preis meckert auch sie nicht: „Ich bin mit dem Zug aus Westhausen gekommen und musste das Gepäck vom Bahnhof hierher schleppen“, erklärt sie. „Besser wäre es, wenn der Fernbus gleich am Bahnhof losfahren würde.“

Das geht aber zumindest momentan noch nicht, wie ein Pressesprecher der Stadt Aalen erklärt: „Beim ZOB kann der Bus nicht halten und abfahren, weil alle Bushaltestellen schon anderen Busgesellschaften zugewiesen sind.“ Zusätzliche Haltestellen könne man momentan nicht einrichten: „Perspektivisch ist das theoretisch möglich, wenn der ZOB 2 kommt.“ Der sei geplant im Zuge des gesamten Ausbaus des Bahnhofareals. Bisher seien aber noch keine Beschwerden von Reisenden angekommen.

Menschen nutzen das Fernbusangebot

Genaue Zahlen, wie viele das seit dem Start von „Mein Fernbus“ am 8. August in Aalen bisher waren, hat das Unternehmen zwar noch nicht erhoben, insgesamt bewertet es die Auslastung aber als erfolgreich: „Nach knapp vier Wochen Linienbetrieb sind wir sehr zufrieden mit der Resonanz. Die Menschen in der Region begrüßen das neue Fernbusangebot und nutzen es immer mehr“, sagt Gregor Hintz, Pressesprecher des Unternehmens.

Besonders in Heidenheim und Aalen würden viele Fahrgäste zusteigen und Richtung Berlin fahren. „Wir gehen davon aus, dass es mit Beginn der Wintersportsaison dann auch einen weiteren Anstieg der Fahrgastzahlen in Richtung Allgäu geben wird und dass dann auch spürbar mehr Fahrgäste von Berlin und Nürnberg nach Kempten, Sonthofen bis nach Oberstdorf reisen werden“, sagt Hintz weiter.

Doch zunächst geht es vor allem nach Berlin. Mit den angekündigten 15 Minuten Verspätung taucht der Fernbus am Freitagnachmittag um 12.15 Uhr auf. Einer der beiden Fahrer, Ediz Kiremit, steigt aus und kontrolliert die Fahrscheine. Im Bus sitzen 25 Fahrgäste, eine Frau steigt aus und vertritt sich die Beine. „In Nürnberg steigen noch mal zwölf Fahrgäste ein, dann sind wir voll“, erklärt Kiremit. „So ist das fast jeden Tag.“ Man fahre von Oberstdorf mit Zwischenhalten in Fischen, Sonthofen, Kempten, Memmingen über Aalen und Heidenheim nach Nürnberg und dann weiter nach Berlin. Nur einmal halte der Bus zwischen Nürnberg und Berlin. „Die Strecke dauert ja fünf Stunden“, erklärt Kiremit dazu.
 



Quer durch Europa per Bus

Damit die lange Fahrt nicht abschreckt, wirbt das Unternehmen aber nicht nur mit zurückstellbaren Sitzen, sondern auch mit Bord-Toilette, W-Lan und einem Vorrat an Kaffee, kalten Getränken und Knabbersnacks. „Super-Angebot“, befindet die Aalenerin Veronica Gonzalez, die schon vor einiger Zeit mit „MeinFernbus“ nach Berlin gefahren ist. „Der Bus hatte nur fünf Minuten Verspätung“, sagt sie. Nicht nur günstig, sondern auch bequem sei die Reise gewesen. Und: „Die Sitze waren super, man hat sie sogar ein wenig in Liegeposition bringen können.“ Nach einer Weile seien die Reisenden zudem ins Gespräch gekommen: „Das war witzig. Wie auf einem Schulausflug.“

Mit dem Fernbus privater Busunternehmen kann man schon so manchen abgelegenen Winkel in Deutschland erreichen. Mindestens zehn Linien gibt es mittlerweile im Land, eine Übersicht bietet beispielsweise das Portal www.fernbusse.de.

So wird etwa Carolinensiel an der Nordsee angesteuert. Die Macher des Portals haben daneben auch verglichen, welches das günstigste Verkehrsmittel ist und dabei den Fernbus als Sieger noch vor den Mitfahrzentralen ermittelt. Am schnellsten kommt man demnach wohl immer noch mit der Bahn ans Ziel.

Schnell gefunden hat man seine Verbindungen über Internetportale, die sogar die internationalen Fernbuslinien im Blick haben, wie www.fahrtenfuchs.de oder www.busliniensuche.de. Dort kann man sein Ziel eingeben und sehen: Von Nürnberg aus geht es zum Beispiel auch mit dem Bus nach Prag oder Rom. dot