Crailsheim / Birgit Trinkle Einstimmig hat der Gemeinderat mit dem geänderten Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss eine Erweiterung des Gewerbegebiets im Südosten der Stadt auf den Weg gebracht.

Auf Höhe der Firma Schubert soll das bestehende Gewerbegebiet Richtung Norden erweitert werden. Das hört sich einfacher an, als es ist: Für dieses Vorhaben muss die Dr.-Bareilles-Straße, also die Landesstraße Richtung Westgartshausen, um bis zu 100 Meter nach Norden verlagert und der bestehende Lärmschutzwall weitergeführt werden. Das geplante Gewerbegebiet Südost IV ist knapp 4,7 Hektar groß, davon werden rund 2,8 Hektar Bauland sein.

Das gesamte Projekt dient der Erweiterung eines Crailsheimer Unternehmens mit rund 1250 Mitarbeitern, dem die Fläche ausgeht. Um dieses Vorhaben möglich zu machen, muss nicht nur der Bebauungsplan, sondern auch der Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim geändert werden.

Das Büro Humpert & Kösel-Humpert verändert die Crailsheimer Innen­stadt. Verwaltung, Gemeinderat und Bürger haben noch Änderungswünsche.

Derzeit wird die geplante Gewerbefläche überwiegend als Ackerfläche genutzt. Außerdem gibt es Grünland, und im Westen wird eine städtische Grünanlage mit einem  Kinderspielplatz angeschnitten.

Bereits 2017 hatte sich der Gemeinderat mit dem Vorhaben befasst. In der Zwischenzeit hat sich aber der Abgrenzungsbereich und damit die gesamte Planung verkleinert und verändert. Zudem wurden Bedenken und Anregungen von Behörden und Trägern öffentlicher Belange eingearbeitet, sodass nun erneut ein Beschluss fällig war. Zugestimmt wurde auch dem städtebaulichen Vertrag zwischen dem Unternehmen, das erweitern will, und der Stadtverwaltung. Damit wird die Kostenübernahme geregelt.

Nach einem Unfall ist die Bahnstrecke zwischen Jagstzell und Crailsheim gesperrt. Zug-Reisende zwischen Aalen und Crailsheim müssen mit Verspätungen rechnen.

Stefan Markus vom Ressort Stadtentwicklung hat dem Bau- und Sozialausschuss unter anderem den geplanten 3,5 Meter hohen Lärmschutzwall vorgestellt und erklärt, es seien keine Auswirkungen auf den Kreuzberg zu erwarten. Für die Anlieger werde es durch den Lärmschutzwall vermutlich eine Verbesserung geben. Wie die Anlieger das sehen, wird sich im Rahmen der nun beschlossenen Auslegung zeigen.

Entwicklungsmöglichkeit

Jan Zucker von der CDU begrüßte die Planung, fragte aber mit Blick auf den Flächenverbrauch nach „intelligenten Lösungen“ in Bezug auf das Parken in der Höhe oder Tiefe. Ein vergleichbares Konzept sei ja fürs Gewerbegebiet Härtle zugesagt worden. Dennis Arendt (SPD) vergewisserte sich, dass die Kosten für das Vorhaben übernommen werden. Auf diese Weise, so sah auch er die Vorteile des Vorhabens, habe die betreffende Firma die Chance, sich zu entwickeln.

Erste Untersuchungen

Der Umweltbericht liegt mittlerweile vor. Für den Biotopverbund hat das Vorhaben demzufolge keine besondere Bedeutung. Von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung sind lediglich die Heckenstrukturen im Westen der Fläche auf rund 3000 Quadratmetern. Weniger wertvoll sind Fettweidenbereiche und Gehölze im Bereich kleinerer Grünflächen; alles andere, etwa  Ackerflächen sowie  Straßen- und Wegflächen, sind für den Naturschutz „von geringer bis sehr geringer Bedeutung“. Der entstehende Lärmschutzwall wird für einen Teil der Ausgleichsmaßnahmen genutzt.

Was  Tiere und Pflanzen angeht, sind laut Bericht ebenfalls keine größeren Konflikte abzusehen. Im Norden des ursprünglichen Gebiets wurde die vom Aussterben bedrohte Pflanze „Echter Venuskamm“ gefunden; die entsprechende Fläche ist nun aber nicht länger überplant. Im Laufe des Jahres werden zudem die Bäume entlang der Straße, die im überplanten Bereich weichen müssen, auf Nisthöhlen von Fledermäusen untersucht. Werden die Fachleute fündig, muss es vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen geben.

Ein alter Gipsabbruch

Eine Altlastenuntersuchung hat eine Verfüllung der ehemaligen Gipsabbrüche Seewiee im östlichen Teil der überplanten Fläche mit Hausmüll ermittelt. Bei tatsächlichen Bohrungen im Rahmen der geologischen Gutachten fand  sich aber, so das Büro Günther Weid-Lachs, kein Müll: Die „Altlasten“ unterschieden sich kaum vom anderen Bodenmaterial, da zur Verfüllung ähnliches Gestein und Material genutzt worden sei, also überwiegend Gipsbruchstücke.

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