Crailsheim Fast vergessene Sorten neu schätzen

Crailsheim / Birgit Trinkle 01.10.2018
Aktionen  und Informationen zum Thema Streuobstwiesen machen auf dem Wochenmarkt Lust auf den Apfel.

Die Oma, Ruth Ebert aus Tiefenbach, spricht vom Rosenapfel und vom Zitronenapfel in ihrem Garten. Ihre Familie hat das immer übernommen, irgendwann aber doch mehr wissen wollen.

„Das sind garantiert nicht die richtigen Namen, und es wäre schade, wenn das Wissen darum verloren geht“, sagt Christine Trumpp und legt Omas Äpfel dem mit einem Stand vertretenen Förderkreis regionaler  Streuobstbau Hohenlohe-Franken (FÖS) vor. Einige Dutzend Crailsheimer nutzen das Angebot, Obstsorten bestimmen zu lassen. „Ist das ein Brettacher?“, wird da gefragt. Nein, ein Jakob Lebel. Oder ein Kardinal Bea. Nicht immer haben Gerhard Mann, Ulrich Hartlieb und Bruno Fischer eine Antwort. „Es gibt 1200 Apfelsorten, wir haben hier 50 zum Vergleich aufgebaut“, sagen die FÖS-Vertreter. Weitere Sorten sind in einer Wanderausstellung im Forum in den Arkaden zu sehen.

Lob der Streuobstwiese

Fast alle der zur Bestimmung abgegebenen seltenen Äpfel sind auf Streuobstwiesen gewachsen. Auf einer solchen Wiese finden auch gefährdete Tiere Nahrung und Unterschlupf, das ist ebenfalls ein Thema. Gefährdete Vogelarten können hier brüten; Kleinsäuger wie Fledermäuse und Siebenschläfer, Amphibien und vor allem Insekten sind einigermaßen sicher. In einer Kulturlandschaft, die in weiten Teilen bis zur Unkenntlichkeit verändert wurde, verbessern Streuobstwiesen das Kleinklima, dienen Wind-, Boden- und Wasserschutz und bereichern das Landschaftsbild, was für Naherholung und Tourismus immer wichtiger wird. Nicht zuletzt: Über die Jahrhunderte haben die widerstandsfähigsten Sorten überlebt, damit ist eine typische Streuobstwiese auch ein wichtiger Genpool für künftige Züchtungen.

Ein Problem, so der FÖS, sind zunehmend ungepflegte Streuobstbestände: Fachgerechter Schnitt kann das Leben eines Baums um Jahrzehnte verlängern, ohne diesen Schnitt vergreist er, seine Früchte verlieren an Qualität, die Ernte wird schwieriger.

Zukunftsmusik

Nicht nur der Vergangenheit widmete sich der Streuobsttag. Es gibt einige Visionen für den Apfelanbau im 21. Jahrhundert. Eine ganz aktuelle ist der Trend hin zu „Clubsorten“, bei denen von der Züchtung bis zum Verkauf alles in einer Hand liegt und der Markenname eine große Rolle spielt. Ebenfalls interessant dürften die CATS-Plantagen sein, Dichtpflanzungen von Äpfeln mit säulenartigem Wuchs, in denen je nach Pflanzabstand pro Hektar bis zu 10.000 Bäume gepflanzt werden können, die einen Ertrag von mehr als 150 Tonnen pro Hektar möglich machen, drei- bis fünfmal so viel wie im herkömmlichen Anbau.

Die Bedeutung der traditionellen Streuobstwiesen aber wird in jedem Fall zunehmen – ganz gleich, wie viel dort geerntet wird. Davon zeugten am Samstag der Tourismusverein Fränkische Moststraße und die Kreßberger; der Bezirksimkerverein war ebenso dabei wie die Stadt mit ihrem Stadtbienen-Projekt, das Jugendzentrum und der Landschaftserhaltungsverband, der über Fördermöglichkeiten informierte. Martin Zorzi vom Umweltzentrum führte durch den Zeunerschen Obstgarten.

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