Bildung Familien in Not zur Seite stehen

Sechs Frauen und ein Mann: Lehrerin Gisela Brandner (links) und Heidemarie Wudowenz (rechts), Leiterin der Fachschulen, nehmen die letzten Auszubildenden in die Mitte.  Foto: Schule
Sechs Frauen und ein Mann: Lehrerin Gisela Brandner (links) und Heidemarie Wudowenz (rechts), Leiterin der Fachschulen, nehmen die letzten Auszubildenden in die Mitte. Foto: Schule © Foto: Foto: EBZ
Hesselberg / PM 21.10.2016

Anfang Oktober haben sechs Frauen und ein Mann ihre Ausbildung zu staatlich anerkannten Familienpflegern an der evangelischen Fachschule für Familienpflege am Hesselberg begonnen. Mit diesem Kurs startet dort nach 43 Jahren zum letzten Mal eine solche Ausbildung.

Bereits 1950 hatte der Missionsdienst für Christus in Stockdorf bei München die Ausbildung in Bayern begonnen. In den Folgejahren haben sich zwei katholische Schulen gegründet. Auf Bestreben des Diakonischen Werkes Bayern wurde die Fachschule für Familienpflege am Hesselberg 1973 – neben der dort schon bestehenden Fachschule für Dorfhilfe – als zweiter evangelischer Schulstandort für Familienpflege in Bayern eingerichtet.

Ein Jahr später wurde der Familienpflegedienst am Hesselberg gegründet. Die Familienpflegerinnen waren damals bei der evangelischen Volkshochschule (dem jetzigen Bildungszentrum Hesselberg) angestellt und verschiedenen Einrichtungen, meist Diakonischen Werken in Bayern, zugeordnet. Obwohl inzwischen die meisten Familien­pflegerinnen direkt in den Einrichtungen angestellt sind, hat sich „der Hesselberg“ seit dieser Zeit neben der Ausbildung auch durch Angebote der Fort- und Weiterbildung und deutschlandweite Gremienarbeit für diese Arbeit eingesetzt. So ist er heute nicht nur für die Mitarbeiterinnen und Einsatzzentralen, sondern auch für Familien als Anlaufstelle für Familienpflege in Bayern bekannt.

Bei Krankheit, Kur, Überlastung

Familienpflegerinnen im klassischen Arbeitsfeld gehen in Familien, in denen beispielsweise durch Krankheit, Kur, Überlastung die haushaltsführende und erziehende Person ausfällt. Die Versorgung und Betreuung der Kinder, aber auch von alten und kranken Personen sowie die Aufrecht­erhaltung der Alltagsstrukturen und des Haushalts in den „Einsatzfamilien“ sind ihre vorrangigen Aufgaben.

„Familienpflege ist ein originäres Arbeitsfeld der Diakonie und Kirche, das sowohl angesichts steigender gesellschaftlicher Anforderungen als auch individueller Belastungen der Familien eine wichtige gesellschaftliche Funktion übernimmt. Familienpflege entspricht dem Auftrag von Diakonie und Kirche und vermittelt deren Werte“, so ist im Positionspapier „Familienpflege in Bayern“ der Diakonie zu lesen. Die Leistungen werden in der Regel von den gesetzlichen Sozialkassen oder durch die Jugendhilfe genehmigt. Auch in Familien, die bei einer Veränderung ihrer Alltagsstrukturen unterstützt werden sollen, kommen Familienpflegerinnen in den Einsatz.

Bleiben München oder Stuttgart

Die Schülerzahlen der Fachschule für Familienpflege schwanken seit der Schulgründung. Nun verstärken geringe Zahlen an Schulabgängern und hoher Mitarbeiterbedarf die Problematik. Eine Schule mit ständigen Minderzahlen ist für den Trägerverein nicht mehr länger finanzierbar. Die Bemühungen, Schulstandort und damit Schulträger zu wechseln, waren nicht erfolgreich. Somit schließt die letzte evangelische Ausbildungsstätte für Familienpflege in Bayern nach diesem Ausbildungskurs.

Interessierte an diesem Arbeitsfeld können die Ausbildung zum/zur Familienpfleger/in an der Stiftung „Katholisches Familien- und Altenpflegewerk“ in München als nunmehr einzigem Schulstandort in Bayern oder bei der evangelischen Berufsfachschule für Familienpflege in Korntal bei Stuttgart besuchen.

Die Schüler des neuen Jahrgangs werden ihre komplette Ausbildung am Hesselberg durchlaufen. Nach einem erfolgreichen Abschluss 2018 sind sie in der Lage, Familien in Not zur Seite zu stehen. pm

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