Crailsheim Experte aus Niedersachsen sorgt für weihnachtliche Klänge in der Kirche

Orgelbaumeister Willehard Schomberg kontrolliert die Pedalzüge. Foto: Snurawa
Orgelbaumeister Willehard Schomberg kontrolliert die Pedalzüge. Foto: Snurawa
Crailsheim / RALF SNURAWA 17.12.2013
Orgelbaumeister Willehard Schomberg aus Friesoythe hat derzeit in der neuapostolischen Kirche in Crailsheim viel zu tun: Es gilt, eine Orgel einzubauen, die erstmals am ersten Weihnachtstag erklingen soll.

Wie kommt ein Orgelbaumeister aus dem Oldenburger Münsterland nach Hohenlohe, könnte man sich fragen. Bei Willehard Schomberg ruft dies keine große Verwunderung aus. Vielleicht liegt das an seiner typisch norddeutschen, unaufgeregt nüchternen Art. Vielleicht liegt es auch daran, dass er viel unterwegs ist und für Orgeln in aller Welt baut.

Zwar hält er Ostfriesland immer noch für eine der reichsten Orgellandschaften der Welt, aber Schomberg baut auch schon mal einen viermanualigen Spieltisch für ein Orgelprojekt in Chicago oder fährt nach Rom oder Warschau, um Orgeln dorthin zu transferieren, oder dort Orgeln umzubauen, zu erweitern und zu intonieren.

In den Südwesten kam er über einen befreundeten Orgelbauer: Stefan von der Grün aus Dinkelsbühl. Der vermittelte ihn an die neuapostolische Gemeinde, deren Organisten sich unbedingt eine richtige Orgel wünschten. Sie sollte auf den Raum perfekt abgestimmt, aber nicht zu teuer sein.

Zwischen 100.000 und 200.000 Euro kostet eine Orgel für eine mittelgroße Kirche normalerweise. Um es günstiger gestalten zu können, hat sich Schomberg dafür ein "Mit Alt mach" Neu"-Projekt einfallen lassen. Das Gehäuse der Orgel in Crailsheim ist neu. Das sind auch einige weitere Teile. Aber der größte Teil ist gebraucht, sodass die Kosten etwa 60.000 Euro betragen werden. Dabei können die gebrauchten Teile im Grunde wie neu sein wie der Spieltisch mit den beiden Manualen. Der wurde 1975 gebaut. Die Gemeinde, die ihn bestellt hatte, nahm aber von ihrem Orgelbauprojekt Abstand. Und so lag er seit 38 Jahren nie benutzt bei einem Kollegen. Viele Teile konnte Schomberg etwa von befreundeten Orgelbauern aus Holland oder von Orgelsammlern beziehen. Danach baute er die Orgel in vier Monaten in seiner Werkstatt in Friesoythe zusammen und wieder auseinander, um sie nach Crailsheim zu transportieren. Vorher war natürlich die Pfeifen- und Registerzusammenstellung abgesprochen worden: etwa 670 Pfeifen auf elf Register verteilt. Das Gehäuse ist dem Kircheninneren angepasst worden.

Zwölf Tage wird der Aufbau mit im Schnitt drei Personen in Crailsheim dauern. Am Ende wird Kollege von der Grün das Instrument intonieren. Und am 25. Dezember, soll die Orgel dann erstmals im Gottesdienst erklingen. Vorerst findet sie danach nur für den liturgischen Gebrauch Verwendung. Willehard Schomberg hat mit dieser Orgel aus vorwiegend alten Teilen, aber eigens auf den Raum abgestimmt, die erste ihrer Art verwirklicht. Er hält diese Form des Orgelbaus für die Zukunft als die idealere, als etwa einfach eine gebrauchte Orgel zu transferieren. Denn oft harmonieren diese Instrumente dann klanglich nicht richtig mit dem Kirchenraum.

Info Mehr zum Orgelbaumeister aus Friesoythe gibt es auf www.willehardschomberg.de

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