Eva Schorr war in erster Linie Komponistin. Die Musik war ihr Beruf, mehr als hundert Werke hat sie hinterlassen. Ihre Leidenschaft aber war die Kunst. Das zeigt die Sonderausstellung „Eva Schorr –Weite Horizonte“, die noch bis morgen im Stadtmuseum im Spital zu sehen ist.

Der Gang durch die Schau ist eine Zeitreise. Er beginnt mit frühen Arbeiten der gebürtigen Crailsheimerin, in der zunächst noch Straßen, Häuser und Bäume auszumachen sind. Schorr malte Crailsheimer Ansichten, bevor ihre Bilder mehr und mehr ab­strakt wurden. Ihre Experimente mit pastös aufgetragenen Ölfarben deuten bereits die Richtung an, die ihre Kunst nehmen wird: Die zweidimensionalen Bilder werden dreidimensional. Schorr trägt ihre Farben mit dem Spachtel auf und schafft auf den Landschaftsbildern neue Landschaften aus getrockneter Farbmasse.

Vom Ölzeitalter geht es weiter in die Aquarellphase, in der Schorr zusätzlich eine Tuschefeder einsetzt. Die surrealistisch anmutenden Bilder spielen mit dem Horizont. Landschaften tauchen auf und verschwinden. „Die Bilder werden mehr und mehr zum Vexierspiel verschiedener Ebenen, zum Verschiebebahnhof potemkinscher Kulissen“, beschreibt Dr. Mattias Schorr, der älteste der drei Schorr-Kinder diese kreative Phase. Manche Bilder bekommen Löcher und Risse und eröffnen so eine weitere Dimension.

In den letzten Jahren ihres Schaffens experimentiert Schorr mit Ölkreide, Acryl- und Naturfarben. So malt sie etwa auch mit Rote-Beete-Saft. Auf vielen Reisen, deren Eindrücke die Malerin in ihren Bildern verarbeitet, waren die Kinder Matthias, Simon und Nikola dabei. Entsprechend nah stehen sie den Werken.

Das Bild „Der Baum der Versuchung“ aus dem Jahr 2014 ist eines der späten Werke von Eva Schorr. Es ist eines der Bilder aus dem umfangreichen Oeuvre, das den Schorr-Kindern besonders am Herzen liegt. Auch deshalb, weil es sie daran erinnert, dass ihre Mutter mit ihrer ungewöhnlichen Doppelbegabung ihr Leben lang künstlerisch aktiv war. „Unsere Mutter hat bis eine Woche vor ihrem Tod im Januar 2016 gemalt“, erzählt Nikola Schorr. „Im Dezember 2015 war sie noch bei der Uraufführung eines ihrer Stücke dabei. Simon hat damals gespielt.“

Info Die Ausstellung ist nur noch heute von 14 bis 18 Uhr und morgen von 11 bis 18 Uhr im Stadtmuseum im Spital zu sehen.

Der Stadt Crailsheim stets verbunden


Eva Schorr, geborene Weiler, kam 1927 in Crailsheim zur Welt. Die Mutter gab ihr Klavierunterricht und der Vater, der Musik- und Kunstlehrer Adolf Weiler, förderte ihr bildnerisches Talent. Sie studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule Stuttgart, heiratete den Musikredakteur Dieter Schorr und arbeitete zeitlebens als freischaffende Komponistin und Malerin. Bis zu ihrem Tod im Januar 2016 blieb sie ihrer Heimatstadt verbunden. hof