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Crailsheim
Crailsheim / SEBASTIAN UNBEHAUEN  Uhr
Adieu Tristesse, was für ein Fest! Draußen tanzten ein paar Schneeflocken - ganz zaghaft. Drinnen tanzten 250 Crailsheimer - mit der Vehemenz einer Lawine. Das alte Baywa-Gebäude taugt zur Top-Location.

Er trägt seinen Auftrag im Namen, der Crailsheimer Kulturverein Adieu Tristesse - und er tat am Samstag alles, um ihm gerecht zu werden. Zum ersten Mal hat das Team um Harald Haas das ehemalige Baywa-Lagerhaus am Güterbahnhof zum Club umfunktioniert. Zwei Wochen lang haben sie den lange verlassenen Bau auf Besuch vorbereitet, haben ihn durchgekärchert und ihm flugs einen neuen Anstrich verpasst - ohne einen Pinsel in die Hand zu nehmen.

Wo man am Samstagabend auch hinschaute, überall spiegelte sich die Liebe zum Detail der Veranstalter. Ein schicker Kronleuchter setzte einen Kontrapunkt zum Lagerhallen-Ambiente, ebenso gemütliche Sofa-Ecken inklusive Teppich und Stehlampen. Ein goldgerahmtes Christus-Bild wies den Weg vom Tresen in den Tanzsaal. Ein bisschen Fabrik, ein bisschen Wohnzimmer, ein bisschen Diskothek - kurz: wahrlich ein Ausgeh-Erlebnis statt bloßem 08/15-Zeitvertreib.

Daran freilich hatte nicht zuletzt die Nürtinger Band "Rasga Rasga" einen gehörigen Anteil. Mit ihrem Hochfrequenz-Balkan-Polka-Folklore-Pop-Mix trompeteten, fiedelten, sangen sie einen Großteil des Publikums in Ekstase, was im bodenständigen Hohenloher Land ja eher selten vorkommt.

Hausherr Ralph Linke war begeistert: "Das haben sie top gemacht. Ich erkenne das Gebäude selbst nicht wieder." Das ändert freilich nichts an den Plänen, das Lagerhaus über kurz oder lang abzureißen - aber: "Es kann schon sein, dass es vorher noch ein paar Veranstaltungen gibt."

Die Verantwortlichen von Adieu Tristesse werdens gerne hören, denn auch sie sind hochzufrieden mit der Baywa-Premiere. 250 Menschen sind gekommen, für Manuel Läßle ist das "grandios, phänomenal". Und Harald Haas findet es "super, dass ein Querschnitt Crailsheimer Leute gekommen ist". So nämlich hatten sie es sich erhofft. Und tatsächlich: Da tanzte nicht nur die Jugend, da schlürfte nicht nur gesetzteres Publikum an Bier und Wein - da machten beide beides.

"Gott sei Dank gibts so etwas hier", sagte Gast Holger Tertel. "Gott sei Dank gibt es Vereine wie Adieu Tristesse, die einfach mal was anderes machen und versuchen, in Crailsheim eine andere Kultur einzuführen. Ich hoffe, dass es in Zukunft so weitergeht."

Noch ein Slogan, noch ein Auftrag: Über der Bühne prangten die Worte "Denken", "Handeln", "Feiern", "Bleiben". Gedacht, gehandelt, gefeiert haben sie, bleiben dürfen sie vorübergehend wohl auch. Mehr konnten die Macher von Adieu Tristesse nicht erwarten von diesem ersten Baywa-Abend.