Das kleine, aber feine Museum soll nicht nur informativer Treffpunkt für die Untergröninger sein, sondern auch ein Anziehungspunkt für Besucher aus der ganzen Region. So sieht es auch Edith Wannags, die mit ihrem Mann Jürgen für die Museumsaufsicht verantwortlich ist. Deswegen sollen zukünftig vermehrt themenbezogene Sonderausstellungen angeboten werden, sagt sie bei einem Rundgang durch die hellen Räume im Obergeschoss des Schlosses.

Dank der großzügigen Raumgestaltung wirkt im ganzen Museum nichts überladen. Knappe, aber fundierte Texte informieren die Besucher über die Ausstellungsstücke oder die Projekte. Die Mitarbeiter können zusätzliche Informationen geben oder nette kleine Geschichten über die Ausstellungstücke und deren Herkunft erzählen.

In den beiden Zimmern mit Bildern und Informationen über den legendären Laufener Künstler Willo Rall sind dank Spenden neue Bilder hinzugekommen. Im nächsten Jahr werden im Rahmen einer Sonderausstellung Zirkusbilder des Malers sowie ein Skizzenbuch von ihm zu sehen sein.

Dieser Tage seien sogar Radfahrer aus dem Rheinland dagewesen und hätten besonders die alten Fotografien des Untergröninger Fotografen Georg Steiner aus den Jahren 1895 bis 1925 bestaunt, erzählt Edith Wannags. Kurz vor Schließung des Museums seien sie vor der Tür gestanden. Bei so viel Interesse an Fotografien von für die Gäste eigentlich unbekannten Personen und Gebäuden habe man gerne länger geöffnet, schmunzelt sie.

Obwohl viele Exponate den Museumsleuten bekannt sind, gibt es immer wieder Überraschungen, die auch zur Erweiterung des Fundus führen. Auf einer Fotografie von Georg Steine etwa habe eine Frau aus Laufen einen Vorfahren erkannt, der dort mit einem Kontrabass abgebildet ist. Spontan habe sie das noch vorhandene Musikinstrument dem Museum geschenkt, das heute neben dem historischen Bild im Museum zu bewundern ist.

Dem traditionellen Holzhandwerk soll in den nächsten Ausstellungsperioden noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Derzeit wird vor allem die Handwerkskunst der Wannen-, Schindel- und Schachtelmacher mit vielen Originalobjekten präsentiert. Diese Arbeiten sind in der Zeit um 1856 aus der Not heraus entstanden. Damals stand das verarmte Untergröningen unter Staatsaufsicht. Das Motto einer entsprechenden Hilfsaktion lautete: "Holzverarbeitung gegen den Hungertod", wie Edith Wannags zu berichten weiß.

Besonders stolz sind die Museumsleute auf eine so genannte Wiede, ein kranzförmig geflochtenes Holzstämmchen, das rund 170 Jahre alt ist und in Algishofen aufgefunden wurde. Wieden wurden in einem besonderen Verfahren hergestellt und dienten zum Verbinden der Holzstämme, die damals kocherabwärts geflößt worden sind. Auch die Armen aus der Kolonie haben diese Wieden im Schloss hergestellt, um auf diese Weise ihr tägliches Brot zu verdienen.

Ein weiterer Schwerpunkt im Museum ist die Flößerei im Kochertal. Auf einer alten Karte sind die acht Holzrutschen - auch Wölzen genannt - eingezeichnet die um Untergröningen herum angelegt worden waren.

Das Untergeschoss mit dem Eingangsbereich beheimatet seit der Gründung des Museums im Jahr 2008 die Mittelsteinzeitausstellung mit bemerkenswerten Funden von Klaus Posselt (wir haben mehrfach berichtet) sowie im Nebenraum eine Informationswand mit interessanten Heimatgeschichten aus Untergröningen. Dort ist derzeit auch eine Sonderausstellung mit authentisch nachgebauten Kutschen und Wagen aller Art zu bewundern. Die Exponate stammen von Hans Fröhlich aus Bargau.

Info Das Heimatmuseum im Untergröninger Schloss ist noch bis zum 27. September jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.