Prädikat Ellwangen: "Unsere gute Stadt" seit 200 Jahren

Das Bild zeigt die Wahrzeichen der "guten Stadt" Ellwangen: im Vordergrund die evangelische Stadtkirche und die Basilika, im Hintergrund die Schönenbergkirche und das Schloss ob Ellwangen. Foto: Franz Rathgeb
Das Bild zeigt die Wahrzeichen der "guten Stadt" Ellwangen: im Vordergrund die evangelische Stadtkirche und die Basilika, im Hintergrund die Schönenbergkirche und das Schloss ob Ellwangen. Foto: Franz Rathgeb
Ellwangen / FRANZ RATHGEB 25.01.2012
2011 wurden viele Jubiläen in und um Ellwangen gefeiert. Zwei Jahrestage, die nicht vergessen werden sollten: die Verleihung des Prädikats "Unsere gute Stadt" und die Bildung der Garnison Ellwangen.

Wann immer Ellwangen als die "gute Stadt" bezeichnet wird, geschieht dies vor einem historischen Hintergrund. Auf königlichen Erlass vom 26. Januar 1811. König Friedrich I. von Württemberg verlieh in einem vor 200 Jahren unterzeichneten Erlass den Städten Ellwangen, Heilbronn, Ludwigsburg, Reutlingen, Stuttgart, Tübingen und Ulm das Recht, "soweit ihrer im Namen des Königs Erwähnung geschähe", das Prädikat "Unsere gute Stadt" zu führen. Ellwangen wurde diese Ehre zuteil, nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts das einstige Herzogtum Württemberg durch starke Gebietszuwächse (hervorgerufen durch die Mediatisierung und die Säkularisation) - hierzu zählte die einstige Fürstpropstei Ellwangen - zum Königreich herangewachsen war. Friedrich I. teilte sein Königreich in vier Kreise (entsprechend den heutigen Regierungspräsidien) ein, Ellwangen war Sitz der Kreisregierung des Jagstkreises. Mit dem Prädikat "Unsere gute Stadt" war auch eine Auszeichnung verbunden: Am 25. September 1819 unterzeichneten der König und die Landstände die Verfassungsurkunde. Damit war die absolute Monarchie beendet, Württemberg wurde von der Kammer der Landesherrn und der Kammer der Abgeordneten regiert. Das Inkrafttreten der Verfassung verhalf den sieben "guten Städten" zu einem in der Verfassungsurkunde dokumentierten Privileg: Die damals 63 Oberämter (darunter Ellwangen, Aalen und Neresheim) durften je einen vom Volk gewählten "Volksvertreter" in die Kammer der Abgeordneten entsenden. Sieben zusätzliche Volksvertreter kamen aus eben den sieben "guten Städten". Dies bedeutet, dass das Oberamt (entsprach dem heutigen Landratsamt) Ellwangen mit insgesamt zwei Personen in der Abgeordnetenkammer vertreten war.

Das zweite, die Stadt Ellwangen betreffende Jubiläum ist das der Garnisonsstadt. Der Ursprung der einstigen Mühlbergkaserne und heutigen Reinhardt-Kaserne findet sich zwar vor dem Ersten Weltkrieg. Die Geschichte der Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland aber beginnt Mitte der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts: Im September 1955 übergab die damalige amerikanische Besatzungsmacht die Mühlberg-Kaserne der Deutschen Bundesregierung. Knapp ein Jahr später, am 23. Juli 1956, bezog die Stammeinheit des Grenadierbataillons 24 die Kaserne. Ellwangen wurde im Südwesten Deutschlands beziehungsweise in Baden-Württemberg die erste Garnisonsstadt. Die Kaserne wurde grundlegend saniert und in den folgenden zwei Jahrzehnten ständig erweitert.

Neben der Mühlberg-Kaserne entstand am Hungerberg die Hungerberg-Kaserne. Beide Kasernen wurden am 25. Oktober 1968 zur Reinhardt-Kaserne vereint. Das Aus der Reinhardt-Kaserne im Zuge der jüngsten Heeresreform kam ausgerechnet 55 Jahre nach der Gründung der Garnison Ellwangen. Traditionen zählen offenbar nicht im entfernten Verteidigungsministerium in Berlin.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel