Seit vergangenen Sonntag dürfen die Bewohner der Ellwanger Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) die Unterkunft nicht mehr verlassen. Das teilt das Landratsamt mit. Der Grund für die Ausgangssperre: Nachdem am vergangenen Donnerstag der erste Corona-Fall in dem Flüchtlingswohnheim gemeldet worden war, haben sich in kurzer Zeit sechs weitere Bewohner infiziert.

Zu den Hintergründen schreibt das Landratsamt in einer Pressemitteilung: „Am vergangenen Donnerstag hatte das Regierungspräsidium Stuttgart darüber informiert, dass ein 32-jähriger Bewohner der LEA aus Ghana positiv auf SARS-Cov-2 getestet und innerhalb der Erstaufnahmestelle in einem isolierten Quarantäne-Bereich untergebracht wurde. Inzwischen sind sechs weitere LEA-Bewohner an Covid-19 erkrankt und isoliert.´“

Bei den Infizierten handelt es sich neben dem zuerst an COVID-19 erkrankten 32-jährigen Mann aus Ghana um zwei weitere Männer aus Ghana (32 und 26 Jahre), einen 19-jährigen Mann aus Syrien, zwei Männer aus dem Irak (29 und 25 Jahre) sowie einen 26-jährigen Mann, dessen Herkunft derzeit noch geklärt wird.

Auf Empfehlung des Landratsamts Ostalbkreis und im Einvernehmen mit dem Innenministerium Baden-Württemberg sowie dem Regierungspräsidium Stuttgart hat die Stadt Ellwangen deshalb auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes am Sonntag eine Ausgangs- und Kontaktsperre für die Bewohnerinnen und Bewohner der LEA angeordnet. Die Ausgangssperre ist zunächst bis zum 19. April befristet.

Tests auch für LEA-Mitarbeiter 

Bei der Abwägung, welche Maßnahmen zur Eindämmung der Erkrankungen in der LEA erforderlich und angemessen sind, haben Stadt, Landkreis und Land laut Pressemitteilung folgende Gesichtspunkte berücksichtigt: „Innerhalb kurzer Zeit wurden außer dem Ersterkrankten in der LEA sechs weitere Personen positiv getestet. Die Kontaktpersonen ersten Grades können nicht mehr gesichert ermittelt und Infektionsketten damit nicht lückenlos nachverfolgt werden.“

Neben der Verfügung der Ausgangssperre hat der Ostalbkreis veranlasst, dass ab Montag, 6. April, auf dem LEA-Gelände in Ellwangen Abstrichstellen eingerichtet wurden. Innerhalb der nächsten Tage sollen alle rund 200 Mitarbeiter der LEA sowie alle 587 Bewohnerinnen und Bewohner mittels eines Abstrichs getestet werden, um eine Masseninfektion auszuschließen. 17 Bewohnerinnen und Bewohner wurden bereits getestet.

Die Kreisärzteschaften Aalen/Ellwangen und Schwäbisch Gmünd haben sich bereit erklärt, aus ihren Reihen neun Ärzte für diese Tätigkeit zu stellen. Die Einhaltung der Ausgangs- und Kontaktsperre wird von Einsatzkräften der Polizei überwacht.

Wie das Regierungspräsidium Stuttgart mitteilt, können derzeit keine weiteren Flüchtlinge nach Ellwangen verbracht werden. Auch eine Verlegung aus der LEA Ellwangen in eine vorläufige Unterbringung in den Landkreisen erfolgt vorerst nicht.

Geislingen an der Steige

Info


Von den aktuell 587 Bewohnerinnen und Bewohner der LEA in Ellwangen sind 66 Personen weibliche Alleinreisende, 299 männliche Alleinreisende und 222 Menschen im Familienverbund. Ein Großteil der in der früheren Kaserne untergebrachten Flüchtlinge kommt aus Nigeria, Irak, Syrien und der Türkei.