Der Fischbachsee ist kein offizieller Badesee und war es auch nie.“ Mit dieser Aussage verblüffte Bürgermeister Raimund Müller aus der Gemeinde Jagstzell, auf deren Gemarkung der See zur Hälfte liegt, in der jüngsten Sitzung des Wasserverbandes Obere Jagst. Das gut neun Hektar große Gewässer wird jedoch von vielen Bürgern aus Jagstzell und Ellwangen seit fast fünf Jahrzehnten als Badesee genutzt.
„Der See ist als Speicherbecken eine technische Anlage und das Betreten ist verboten“, konstatierte Müller. „Es fehlt jegliche Badesee-Infrastruktur, es gibt nicht einmal einen Mülleimer“, sagte der Rathaus-Chef. Aufgekommen ist das Thema Fischbachsee durch die Neubewertung der Flächen mit sonstiger Gewässernutzung durch den Wasserverband Obere Jagst und die Befürchtung, dass es hier zu unkontrollierbaren Auswüchsen in Corona-Zeiten kommt.
Allerdings steht der See gleichzeitig auf der offiziellen EU-Badegewässerliste und auch die Stadt Ellwangen führt ihn als Badesee in der Broschüre zur Seenplatte. Wie das Gewässer auf die EU-Liste gelangte, weiß niemand mehr. „Beim Fischbach erfolgte nie ein Antrag zum Gemeingebrauch“, bestätigte der Ellwanger Oberbürgermeister Michael Dambacher. Konsequenterweise müsse man den See eigentlich von der Liste nehmen, so Dambacher. Dadurch wäre dann allerdings auch Baden offiziell verboten.
Hier war Raimund Müller anderer Ansicht: „Das Baden ist bereits jetzt nicht erlaubt. Am Betriebsgebäude steht ein Hinweis, dass das Betreten des Betriebsgeländes und der Anlage verboten ist. Dazu zählt auch der See.“ Die Gewässerqualität wird derzeit allerdings regelmäßig per Proben überwacht, die Kosten dafür werden von der EU übernommen. Auch das würde dann entfallen. Der Kirchberger Bürgermeister Stefan Ohr warnte davor, jetzt in einem Schnellschuss weitere Verbotsschilder aufzustellen. „Das wäre gerade in Corona-Zeiten das falsche Signal an die Bevölkerung.“ Zumal auch die Frage zu klären sei, wie und durch wen ein Verbot umzusetzen sei. Der See werde schließlich seit Bestehen als Badesee genutzt.
Nun sollen die Gemeinden Ellwangen und Jagstzell gemeinsam klären, wie mit dem See und der Nutzung künftig verfahren werden soll. Bis dahin gilt nun: Wer dort trotzdem badet, handelt auf eigenes Risiko.
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