Crailsheim Einmal Boßeln von Ingersheim bis nach Crailsheim

Crailsheim / Oliver Färber 06.08.2018
Beim Sommerfest des Eintracht Ingersheim tritt am Samstag der Gesangverein gegen ein Team des örtlichen Sportvereins in einer eher in Norddeutschland bekannten Sportart an.

Lustig und kameradschaftlich geht es zu, wenn es in Ingersheim ans Boßeln geht. Nach und nach kommen am Samstagnachmittag die Interessierten hinter der Matthäuskirche unter schattenspendenden Zeltdächern zusammen. Seit über zehn Jahren stoßen Mitglieder des Sängerbunds Eintracht Ingersheim als Auftakt ihres Sommerfests auf ein Team des SV Ingersheim – und messen sich in dem eher in Norddeutschland bekannten Kugelspiel.

Immer mehr Mitspieler kommen, lassen sich auf einer Liste eintragen. Bierernst geht es dabei wirklich nicht zu: Das wird schon bei der Mannschaftsaufstellung von Dieter Loch klar, der das Protokoll führt. „Dann schieben wir den noch zum Gesangverein, und dann hat jedes Team neun Spieler“, entscheidet er kurzum – und erhält keine Widersprüche. Ein Mann treibt zum Spielstart an: „Fangen wir an, bevor noch mehr kommen und mitspielen wollen“, sagt er und lacht.

Zum Boßeln braucht man – ganz wichtig – zwei Gummikugeln, je eine pro Team. In Ingersheim sind sie blau und gelb. Dazu kommt – bei der Hitze nicht weniger wichtig – ein Bollerwagen mit Getränken. Diesmal sind sie, bei Temperaturen über 30 Grad, alkoholfrei. Zwei Jungs ziehen den Wagen hinter der spielenden Gruppe her.

Dann fliegt die erste Boßel die Untere Gasse hinunter, rollt – und verlässt die Straße. Über diesen Punkt hinaus muss nun der erste Spieler des gegnerischen Teams seine Boßel bringen. Schafft er es nicht, muss der nächste Spieler des eigenen Teams das vom selben Startpunkt aus versuchen. Nur wenn das erste Ziel des Gegners von der Entfernung her überschritten worden ist, darf wiede­rum das andere Team die Kugel vor der ihrer Kontrahenten platzieren.

Und so geht es weiter und weiter. Die Untere Gasse hinunter und den Ingersheimer Weg entlang. „Radfahrer!“, warnt ein Mann und die Gruppe verlässt die Fahrbahn. Auch einigen Autos müssen sie ausweichen, doch das tut dem Spielspaß keinen Abbruch.

Im Gegenteil: Geparkte Wagen können durchaus ein Vorteil sein. Nämlich beim Werfen. „Ziel mal auf das eine Auto dort“, gibt Loch seinem Mannschaftskameraden einen Tipp. „Das hast jetzt du gesagt“, frotzelt der zurück – nimmt ihn aber beim Wort. Die Kugel, die nur auf dem Boden entlanggerollt werden darf, trifft zwar den Wagen nicht, schlägt aber die richtige Richtung ein. Die Strecke fordert auch erfahrene Boßel-­Spieler heraus. Schließlich windet sie sich um so manche Kurve. „Achtung, die Straße fällt nach rechts ab“, warnt ein Mann vor dem nächsten Wurf. Auch das muss einkalkuliert werden.

Für jeden Wurf macht Loch einen Strich in sein Protokoll. „Die Strecke führt über anderthalb Kilometer bis nach Crailsheim und wieder zurück. Wer am Ende am meisten Striche, sprich Versuche, gebraucht hat, hat verloren“, erklärt er. Der Gesangverein hat übrigens diesen Wettkampf mit ins Hohenlohische gebracht. „Von einem Ausflug. Seitdem spielen wir das immer beim Sommerfest“, berichtet Loch. Ganze Familien sind dabei. Deshalb ist das Spiel auch so beliebt: Es stärkt das Mitei­nander. Und das ist den Teilnehmern wichtiger, als wer am Ende der Sieger ist – getreu dem olympischen Gedanken.

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