Kolumne Eine Stadt in der Stadt

Andreas Harthan 16.09.2017

Was sich da Jahr für Jahr in den Wochen vor dem Fränkischen Volksfest auf Crailsheims größtem Platz abspielt, ist immer wieder aufs Neue faszinierend. Zuerst lagern in viele Teile zerlegte Bierzelte auf dem Platz. Eines Morgens stehen die Zelte plötzlich. Und dann geht es Schlag auf Schlag: Immer mehr Buden und Fahrgeschäfte werden aufgebaut, Tag für Tag ein bisschen mehr wird aus dem Parkplatz ein Festplatz.

Am östlichen Rand Crailsheims entsteht eine Stadt in der Stadt. Und wenn dann in der Woche vor dem Volksfest das Riesenrad in den Himmel wächst, dann weiß jeder Crailsheimer, dass sie endlich bald beginnt, die fünfte Jahreszeit. Dann vibriert er förmlich, der Volksfestplatz, dann ist er vier Tage lang der Nabel ihrer Welt.

Der Autor dieser Zeilen hat das Privileg, am Rand des Volksfestplatzes wohnen zu dürfen. Das Riesenrad ist keinen Steinwurf entfernt, die Geräusche und Gerüche des Rummels hüllen ihn vier Tage lang ein, benebeln, ja berauschen ihn geradezu. Es ist eine besondere Zeit, es sind Tage intensiven (Er-)Lebens. Und schon jetzt schwingt ein kleines bisschen Traurigkeit mit, denn diese vier Tage vergehen wie im Flug.