Alltagskultur Eine Kloschüssel zum Reinbeißen

Crailsheim / Ralf Snurawa 14.12.2017

Als am Ende der Vernissage Axel Nagel auf dem Theremin und Edmund Elsässer auf dem E-Piano Alexander Courages Titelmelodie zur Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ in elektronische Klänge hüllten, ergab sich die abschließende Frage: Wie ist es eigentlich mit Badezimmern und Toiletten auf solch einem Raumschiff bestellt?

Es sollte fast die einzige Frage bleiben, die am Sonntagvormittag offen blieb. Beinahe alles war auf die Toilette und die Badewanne konzentriert. Roland Schmitt, Sammler und Künstler, stellte am Ende seines einführenden Vortrags fest: „Wer hat schon einmal in eine Kloschüssel hineingebissen? Hier können Sie‘s tun!“ Das galt natürlich dem Gebäck in entsprechender Form, das zu Getränken zur Ausstellungseröffnung gereicht wurde.

Friederike Lindner, Leiterin des Crailsheimer Stadtmuseums, hätte sich keinen besseren Termin für eine derartige Ausstellung aussuchen können. Sie wies bei der Begrüßung der kleinen Schar von Interessierten in der Spitalkapelle darauf hin: Früher wurde die Puppenstube, die damals nur zum Ansehen und noch nicht zum Spielen gedacht war, nur zur Weihnachtszeit vom Dachboden geholt.

Und vor 100 Jahren sorgte ein Ready made von Marcel Duchamp bei der großen Schau der Society of Independant Artists im New Yorker Grand Central Palace für eine Kontroverse über den Kunstbegriff: das „Fountain“ genannte handelsübliche Urinal, das Duchamp mit „R. Mutt“ signiert und auf einem Sockel liegend präsentiert hatte.

Genau dieses Urinal inspirierte Roland Schmitt zunächst zu eigenen Ready mades. Am Anfang habe eine 1000 Polaroidbilder umfassende Fotoserie von Toiletten gestanden: „Zehn Jahre brauchte ich dafür. Und ich sammelte alles, was ich an Material über das Klo und die Stadtentwässerung finden konnte.“

Schmitts Leidenschaft ging weiter. Er suchte nach Büchern und anderen Publikationen. Dazu gehörte etwa das 1921 herausgegebene Buch „Ka-Pi-Fu“ von Franz Maria Feldhaus, dessen Titel eine Abkürzung für „Kacken, Pissen, Furzen“ sei. Mit dem Zeitalter des Internets begann für Schmitt das umfangreiche Sammeln. Die Miniaturtoilette wurde um die Puppenbadestube ergänzt. Die hat es ab etwa 1900 gegeben.

Die frühesten Exponate dieser Ausstellung gehen auf das Jahr 1910 zurück, zumeist aus Blech geformt wie die Badestube von Märklin. So richtig produziert wurden diese Badestuben aber erst ab 1950. Seitdem gehörte das Badezimmer zur Grundausstattung einer Wohnung.

Aus „Volkseigenen Betrieben“ der DDR sind einige Exemplare ebenso zu sehen wie von der „Crailsheimer Holz- und Spielwarenfabrik“. Deren Firmengründer Richard Dietrich kam 1950 aus dem Erzgebirge nach Crailsheim. Das ausgestellte Puppenbad stammt aus dem Jahr 1970 – genauso wie die beiden Lego-Badezimmer im Obergeschoss des Badhauses.

Mickey Mouse und Donald Duck treffen in Badewannen aufeinander, ebenso wie Loriots „Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner“. Ein Telefon oder ein Aschenbecher in Toilettenform finden sich genauso wie der ­Senf-, Salz- und Pfefferbehälter. Und für die Fans der Klobrille hatte Roland Schmitt noch ein spezielles Exemplar am Ende seiner Ein­führungsrede zum Aufsetzen parat.

Info Die sehenswerte  Sonderausstellung „Klein, blitzblank, kurios“ im Stadtmuseum im Spital Crailsheim ist noch bis zum 11. Februar mitwochs von 9 bis 19 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonn- wie feiertags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 21. Januar, hält Roland Schmitt unter dem Titel „Klogeflüster“ um 11 Uhr einen weiteren Vortrag. www.museum-crailsheim.de

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