Crailsheim Eine Falle für den Wolf oberhalb von Goldbach

Revierförster Karl Kolb (links) und Forstdirektor a.D. Franz Köberle stehen am Rand der ehemaligen Wolfsgrube oberhalb der Wolfsschlucht, die sich bis nach Goldbach hinunter erstreckt.
Revierförster Karl Kolb (links) und Forstdirektor a.D. Franz Köberle stehen am Rand der ehemaligen Wolfsgrube oberhalb der Wolfsschlucht, die sich bis nach Goldbach hinunter erstreckt. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 13.02.2019
Am Rand der Wolfsschlucht oberhalb von Goldbach zeugen Reste einer Wolfsgrube von frühen Versuchen, das Raubtier zu bekämpfen. Vielleicht gibt’s bald ein Hinweisschild?

Wölfe gab es im Altkreis Crailsheim noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, so hat es der ehemalige Leiter des staatlichen Forstamts Crailsheim, Christoph Langer, in einem Bericht festgehalten. 1830 wurde demnach bei Obersteinach der letzte Wolf erlegt.

Noch heute erinnern Gewannnamen, die Wolfsnamen tragen, an das größte Raubtier aus der Familie der Hunde. Am Rande der Wolfsschlucht oberhalb des Ortsteils Goldbach gibt es sogar noch Reste einer Wolfsgrube, in der früher Wölfe gefangen wurden. „Wer den Standort der Grube nicht kennt, wird sie wohl nicht finden“, sagt Karl Kolb. Der Revierförster ist mit dem ehemaligen Forstamtsleiter Franz Köberle vom Wanderparkplatz Rudolfsberg aus unterwegs zu der historischen Stätte.

An der Hangkante

Nach einem kurzen Fußweg biegen die beiden rechts ab auf einen Wanderweg, der als Jagststeig ausgewiesen ist. Er führt an der Hangkante der Wolfsschlucht entlang, die die hügelige Waldlandschaft tief einschneidet und sich fast bis nach Goldbach hinunterzieht. Ein rotes Band an einem Ast markiert den Standort der Grube. „Da geht es ganz schön tief hinunter“, sagt Kolb und blickt in die Schlucht hinab.

Die Hangkante fällt hier steil ab. Viel steiler als anderswo. Menschen haben an dieser Stelle vor Jahrhunderten eine gewaltige Grube ausgehoben. Die Wände der Grube hatten sie vermutlich stabilisiert. Die Grube war mit Ästen und Blättern unauffällig abgedeckt.

„Wichtig war ein Köder, der den Wolf angelockt hat“, erklärt Franz Köberle. Als Köder wurden lebende Tiere – ein Lamm, eine Ziege oder Geflügel – oder Schlachtabfälle in die Grube gelegt. „Sobald der Wolf die Abdeckung betrat, um an den Köder zu kommen, stürzte er in die Grube. Er war gefangen.“ Meist wurde er, so ist in Christopher Langs Schrift nachzulesen, in der Grube erschlagen.

Hinweisschild soll Waldbesucher informieren

Die hintere Grubenwand der Falle ist heute nicht mehr erhalten, auch liegen einige Bäumchen und Äste am Grubengrund. „Ausheben wird man die Grube freilich nicht mehr“, überlegt Revierförster Kolb. „Man könnte sie aber wieder freiräumen und etwas ausschneiden. Es ist schließlich ein Zeitzeugnis, das sich hier im Wald erhalten hat. Auf der freien Fläche wäre die Grube schon lange verschwunden.“

Franz Köberle wünscht sich, dass ein Hinweisschild am Grubenrand Waldbesucher über die Geschichte der Wolfsgrube informiert. „Vielleicht ist es möglich, so etwas über das Flurneuordnungsverfahren umzusetzen“, überlegt der Stadtrat.

Den meisten Menschen sei die Wolfsschlucht vor allem von der ehemaligen Goldbacher Wirtschaft bekannt, in der jahrzehntelang die Brennholz- und Flächenlosversteigerung durchgeführt wurde, so Karl Kolb. „Momentan wird ja ein richtiger Hype um den Wolf gemacht. Hier können wir sehen: Es war alles schon da.“

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