Dinkelsbühl Ein Wechselbad der Gefühle

Am Ende des Stückes "Kleine Eheverbrechen" gleicht die Wohnung von Gilles und Lisa einem Schlachtfeld. Foto: Theater
Am Ende des Stückes "Kleine Eheverbrechen" gleicht die Wohnung von Gilles und Lisa einem Schlachtfeld. Foto: Theater
Dinkelsbühl / SONJA JASER 21.09.2012

Beim Landestheater Dinkelsbühl stehen "Kleine Eheverbrechen" des französischen Erfolgsautors Eric-Emmanuel Schmitt auf dem Programm. Auf der Bühne im Spitalhof transportieren die Akteure dabei voller Verve die Geschichte um eine eingefahrene, dann aber aufbrechende Beziehung.

Irgendwann wird die sinnig mit nackten Metallgerüsten angedeutete Wohnung von Gilles und Lisa einem Schlachtfeld gleichen. Da hat er die Bücher aus dem opulent gefüllten Regal gefegt, um eines ihrer dunklen Geheimnisse zu lüften. Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden Eheleute, ziemlich jung zwar noch, aber doch schon fünfzehn Jahre verheiratet, bereits durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen, das sie mit großer Intensität aneinander ausleben.

Sehr schnell hat sich dabei die Ausgangskonstellation relativiert, die in der gemeinsamen Rückkehr aus dem Krankenhaus nach Gilles" Unfall besteht, von dem er eine umfassende Amnesie davongetragen hat. Man tastet sich hinein, er in ein ihm gänzlich unbekannt erscheinendes Umfeld, sie behutsam an ihn heran.

Aber schon in dieser Szenerie voller gegenseitiger Behutsamkeit ist Zündstoff enthalten. Zu verhalten ist Lisa, zu bohrend der Kriminalautor Gilles, als dass man an einen reibungslosen Neuanfang in dieser schwierigen Situation glauben mag. Da hilft auch nicht, dass Lisa alles sehr genau mit genau seinen Worten erklären kann, weil er immer und jederzeit zu allem eine Theorie hatte. Da nützt es ebenso wenig, dass Gilles Lisa glaubhaft machen kann, dass er sich zu ihr sehr hingezogen fühlt, selbst wenn er sie nicht zu kennen glaubt.

Wer bin ich eigentlich - und wer bist du und was willst du und was ist es, was dich quält? So könnte man die Abfolge von Fragen zusammenfassen, die Gilles aufwirft. An die Antworten, die Lisa ihm gibt, mag er nicht glauben, könnte sie doch in dieser Situation die Beziehung nach ihren Wünschen umschreiben - und tut es offenkundig auch. Was zutage tritt, ist eine gemeinsame Geschichte voller tiefer Zuneigung und Anziehungskraft, aber auch voller totgeschwiegener und verdrängter Unstimmigkeiten.

Allmählich stellt sich heraus, dass nichts ist, wie es angeblich ist oder zu sein scheint. Sonja Tièschky überzeugt dabei in der Inszenierung von Boris Wagner, der für das Erfolgsstück die Bühne sehr offen-fragil eingerichtet hat, als attraktive Ehefrau Lisa, die mit ihren eigenen Dämonen ebenso kämpft wie um eine von ihr kaum noch ertragene Beziehung. Thomas Lucht als Gilles ist das souverän auftretende Pendant eines Mannes, der zwar durch seine Beschäftigung und seine ausgeprägten Interessen mehr bei sich zu sein scheint und im Dialog geistreich glänzt, der aber im Bemühen um die Belebung des Verhältnisses zu Lisa auch an seine Grenzen stößt. "Alle Paare sind Mörder" war die Botschaft seines Erzählbands "Kleine Eheverbrechen", während für Lisa die Liebe ein Schicksal ist, dem man nicht entgehen kann. Nach ganz viel Spannung aller Art, verbunden auch mit erheiternden Einsprengseln, stellt sich schließlich die Frage, ob es gelingen wird, das Abenteuer Liebe gut zu gestalten.Info: Weitere Aufführungen sind von heute bis Sonntag, 23. September jeweils um 20 Uhr. Karten gibts unter Telefon 0 98 51 / 90 26 00, weitere Informationen auch auf www.landestheater-dinkelsbuehl.de.