Roßfeld Ein Waschtag wie sellichsmol

Waschtag wie zu Großmutters Zeiten: Inge Kaiser erklärt die mit einer Handkurbel betriebene Waschmaschine - damals eine kleine Revolution für alle Hausfrauen. Fotos: Christine Hofmann
Waschtag wie zu Großmutters Zeiten: Inge Kaiser erklärt die mit einer Handkurbel betriebene Waschmaschine - damals eine kleine Revolution für alle Hausfrauen. Fotos: Christine Hofmann
HOF 16.09.2013
Dass es beim Waschtag, den die Heimatstube mit dem Roßfelder Kindergarten Sterntaler als Sonderprojekt bei der Sichelhenket veranstalteten, zu regnen begann, störte niemanden. Nass war es ohnehin.

Beherzt fährt Lilli die Bürste über den Stoff, den sie zuvor mit reichlich Schmierseife eingeseift hat. Anschließend rubbelt sie das Tuch kräftig auf dem Waschbrett, bevor sie es mit dem Stampfer bearbeitet. "Da muss man feste drücken, sonst wird"s nicht richtig sauber", weiß die Siebenjährige.

Nachdem sie das Tuch einige Zeit gewalkt hat, muss sie die Seifenreste in der Waschwanne wieder auswaschen. Ute Köder vom Kindergarten Sterntaler hilft Lilli beim Auswringen. "Das machen wir gemeinsam. Dann geht es leichter", meint die Erzieherin. Stolz hängt Lilli das frisch gewaschene Tuch an die Wäscheleine. Sofort holt sie sich ein neues Wäschestück aus dem Korb. "Das hat Spaß gemacht, ich wasche gleich noch einmal", sagt sie.

So sehr den Kindern das Waschen in Handarbeit auch gefällt, so sehr loben die anwesenden Mütter die Erfindung der Waschmaschine. "Zum Glück müssen wir heute nicht mehr so waschen", meint eine Mutter. Hedwig Dietz aus Maulach hat als junge Frau noch per Hand gewaschen.

"Ich habe nicht gerade die besten Erinnerungen an die Waschtage", berichtet die 84-Jährige, "bei uns wurde oft an Feiertagen gewaschen, weil da alle Zeit hatten mitzuhelfen. Viele Leute wanderten feiertags auf den Burgberg - und wir mussten waschen!" Echte Arbeitserleichterung brachte den Hausfrauen von damals die handbetriebene Waschmaschine, die ebenfalls zum Inventar der Heimatstube gehört. Daniel (5) dreht kräftig an der Kurbel, innen dreht sich die Trommel mit der Wäsche in der Seifenlauge. Doch ganz ohne Handarbeit geht es auch mit dieser Maschine nicht. Nachdem das Wasser abgelassen und der Schleudergang eingelegt wurde - da muss Daniel richtig kräftig kurbeln - folgt wieder der Spül- und Auswringgang an der Wanne. Doch gemeinsam mit Papa Alexander Lechner schafft es der Fünfjährige, das große Leinenhemd zum Trockenen aufzuhängen. Waschtag wie es die Großmütter sellichsmol machten - für die Kinder in Roßfeld war das ein Erlebnis.