Crailsheim Gruft: schauriges Spektakel

Crailsheim / Helga Steiger 07.09.2018
Nur wenige Crailsheimer dürften durch die Tür der Bibraschen Gruft auf dem Ehrenfriedhof gegangen sein. Etwas Mut braucht man schon, um den winzigen Raum zu betreten.

Durch ein breites, zweiflügeliges schmiedeeisernes Tor gelangt man auf den Crailsheimer Ehrenfriedhof. Der anschließende Weg führt direkt auf die Ende des 16. Jahrhunderts gebaute Gottesackerkapelle zu. Weniger prominent ist ein kleines Tor auf der Ostseite, gegenüber dem Volksfestplatz. Wer hindurchgeht und dem schmalen geraden Weg folgt, der inzwischen fast schon zugewachsen ist, gelangt direkt zu einem kleinen Gebäude an der westlichen Friedhofsmauer. Dort hat sich der letzte markgräfliche Oberamtmann in Crailsheim, Lebrecht Gottfried von Bibra, für sich und seine Familie eine Gruft erbauen lassen.

Das aus Steinquadern errichtete kleine Gebäude hat einen sechseckigen Grundriss. Die Ecken sind durch Pilaster betont, die ein hohes profiliertes Gesims tragen. In den seitlichen Mauern sitzt im oberen Drittel jeweils ein kleines vergittertes Fenster. In der Front ist ein rundbogiges Portal eingefügt. Im Bogenfeld findet sich auf einer ovalen Tafel das Wappen der Familie von Bibra: ein steigender Biber mit geschupptem Schwanz.

Familie Bibra spielte große Rolle

Die Familie von Bibra spielte im fränkischen Raum seit dem Mittelalter durch weit gestreute Besitzungen und durch prominente weltliche und geistliche Vertreter eine wichtige Rolle. Ein bekanntes Mitglied der Familie war der um 1500 lebende Würzburger Bischof Lorenz von Bibra, der sich von Tilman Riemenschneider ein Grabmal fertigen ließ.

Sein rund 250 Jahre jüngerer Verwandter Lebrecht Gottfried von Bibra aus der Irmelshausener Linie war Oberamtmann in Schwabach, bevor er für den Markgraf im Jahr 1758 die Verwaltung des Crailsheimer Amtes übernahm. Er stieg zum Geheimen Rat und Oberhofmeister in Ansbach auf – und genoss die meiste Zeit die Annehmlichkeiten des Hoflebens.

Dennoch ließ er bereits zu Lebzeiten seine Grabstätte in Crailsheim errichten und legte sogar fest, wie die Bestattung gefeiert werden sollte: Nachts um drei sollten sich Fackelträger und Trommler auf dem Friedhof versammeln, um den adligen Herrn in spektakulärer Weise zur letzten Ruhe zu geleiten. Von Bibra starb am 24. November 1782 in Ansbach. Sein letzter Wunsch wurde erst einige Zeit später erfüllt. Im Jahr 1789 wurde sein Leichnam mit einem mehrspannigen fürstlichen Pferdewagen nach Crailsheim überführt. Die nächtliche Bestattung mag ein schauriges Spektakel gewesen sein.

Ein wenig gruselig ist die Gruft bis heute. In ihr stehen noch die Särge des Amtmanns und seiner Frau sowie der kleine Sarg einer früh verstorbenen Tochter. Doch ist die Gruft nicht frei zugänglich, die beiden Holztüren sind mit einem Vorhängeschloss gesichert. Der Schlüssel zur Gruft wird im Stadtarchiv verwahrt. Und Lisa Bührer vom Crailsheimer Stadtarchiv erläutert: „In die Gruft kann man nur bei Stadtführungen schauen.“

Der Anblick der alten Särge in dem kleinen Raum ist für heute lebende Menschen, für die eine Erdbestattung die normale Form einer Bestattung darstellt, sicherlich ungewohnt. So braucht man für die Besichtigung der Gruft gute Nerven – aus einem der Särge hängt zudem noch ein zerfleddertes Tuch.

Am Tag des Offenen Denkmals, Sonntag, 9. September, kann die Gruft bei den Führungen um 12 und 15 Uhr besichtigt werden.

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