Aktion Ein Ring fürs Storchenbein

Storchenbetreuer Horst Vaas aus Ellwangen beringte die drei Jungvögel im Nest auf dem Crailsheimer Rathausdach.
Storchenbetreuer Horst Vaas aus Ellwangen beringte die drei Jungvögel im Nest auf dem Crailsheimer Rathausdach. © Foto: Malin Wunderlich
Crailsheim / Malin Wunderlich 15.06.2018
Am Donnerstag sind die drei Jungstörche, die in Crailsheim auf dem Rathausdach leben, beringt worden. Mit einer Feuerwehrleiter ging es zu ihnen nach oben.

Da geht es aber weit hoch“, ruft ein aufgeregtes Kind, den Blick auf das Storchennest gerichtet. Und es sind noch andere Neugierige zum Crailsheimer Marktplatz gekommen, um sich das Spektakel anzusehen, das dort in wenigen Minuten beginnt. Drei junge Störche liegen im Horst hoch oben auf dem Rathausdach und sollen heute mit Ringen ausgestattet werden.

Helmut Vaas ist Storchenbetreuer und seit 2014 für das Beringen verantwortlich. Dafür musste er extra einen Beringerlehrgang machen. Ohne entsprechende Genehmigung darf nämlich niemand an das Nest der geschützten Vögel ran. Auch für den Zeitraum, wann die Prozedur stattfindet, gibt es Vorschriften. Nur im Alter zwischen vier und sechs Wochen dürfen die Tiere beringt werden. Die sogenannte Akinese funktioniert nämlich nicht mehr, wenn die Störche älter sind. Akinese ist der Reflex der Tiere, sich bei drohender Gefahr tot zu stellen.

Harte Konkurrenz im Nest

So verhindern sie, von Greifvögeln angegriffen zu werden, die sind nur an lebender Beute inte­ressiert. Der Vorteil für Vaas ist, dass die Tiere durch den Reflex während der Beringung ruhig bleiben. So kann er entspannt seiner Arbeit nachgehen.

Auch die Eltern machen normalerweise keine Probleme. Sie suchen das Weite und kommen erst zurück zum Nest, wenn Vaas fertig ist.

Der Sinn des Beringens ist es, die Störche zuordnen zu können, später, wenn sie ausgeflogen sind. Der Ring enthält Informationen darüber, wie alt der Storch ist, wo er herkommt und von wem er beringt wurde.

„Erst waren es zwei, dann drei, dann vier und dann wieder zwei“, erzählt Vaas über Jungstörche in Ellwangen, die er beringen sollte. Der Grund dafür: Die Eltern wussten, sie würden nicht alle Küken ernähren können, und haben daraufhin zwei ihrer Küken gefressen. Aber auch ohne kannibalische Eltern braucht es Durchsetzungsvermögen, um als junger Storch zu überleben. Sonst bekommt man nicht genug Nahrung und stirbt an Unterernährung. „Störche sind pure Egoisten“, sagt Vaas. „Einzig, wenn es richtig heiß draußen ist und die jungen Störche zusätzlich zur Fütterung Wasser brauchen, wird jedes Küken einzeln getränkt. Ansonsten profitiert eben derjenige, der am lautesten ist, das ist ein ganz natürlicher Prozess.“

Jede Menge Wissen über die schönen Tiere ist nötig, um die Beringung ordnungsgemäß durchzuführen. Vaas muss beispielsweise erkennen, wann die Küken schlüpfen. Ein sicheres Anzeichen dafür ist, wenn der Storch im Nest frisst. Normalerweise macht er das draußen, direkt nach dem Fangen seiner Beute. Hat er Nachwuchs zu versorgen, nimmt er die Beute mit ins Nest und frisst anschließend das, was die Jungen übrig lassen.

Nahrungsbedarf steigt täglich

Frisch geschlüpfte Störche brauchen zu Beginn ihres Lebens noch recht wenig Nahrung, der Bedarf steigt aber rapide an. Die Tiere nehmen pro Tag die Hälfte ihres Körpergewichts zu und brauchen dementsprechend viel Energie. Die Störche auf dem Rathausdach sind übrigens alle wohlgenährt. Der Kleinste wiegt 2,9 Kilogramm, der größte 3,5. Damit haben die Rathaus-Störche laut Helmut Vaas gute Chancen, durchzukommen.

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