Crailsheim / Ralf Snurawa  Uhr
Etwa 270 Zuhörer finden den Weg in den Crailsheimer Ratssaal, um dort beim Silvesterkonzert den Stimmen des Vokalquintetts „Ensemble Nobiles“ zu lauschen.

Von der Romantik über den Tango der 1920er-Jahre bis zu jazzigen Harmonien reichte die musikalische Palette, die die fünf Sänger des Quintetts „Ensemble Nobiles“ aus Leipzig am Silvesterabend ausbreiteten. Der umfangreiche erste Konzertteil war dabei Liedern aus der Zeit der Romantik gewidmet.

Dabei konnte man zwischen sehr gefühlvollen und eher humorvollen Liedern unterscheiden. Etwas festlich eröffneten die fünf Sänger mit Felix Mendelssohns „Morgengruß des thüringischen Sängerbundes“, gefolgt von wunderbar zart zurückhaltenden Klängen zu Robert Schumanns „Der träumende See“. Die stockenden Momente wurden dabei von den Musikern besonders hervorgehoben.

Schön auf- und abwogend wurde später Max Regers „Das Lieben bringt große Freud‘“ präsentiert. Fast heimlich und sehnsüchtig seufzend wirkte Friedrich Silchers „Lebewohl“. Sehr feinsinnig, mit wundervollem Pianissimo gestalteten die Sänger Jean Sibelius‘ „Sydämeni laulu“ für sein verstorbenes Kind. Ähnlich sanft verklingend wurde Edvard Griegs „Den sildige Rose“ vorgetragen und noch entrückter Antonín Dvoráks „Ztracená ovecka“ mit der hilfreich scheinenden Sonne am Schluss.

Moritz Hauptmanns „Wunderbar ist mir geschehn“ erklang sanft sehnend nach dem „Liebchen“, wobei sich die Sänger aber auch den Sinn für leichte Übertreibungen wahrten. Mit viel Witz auch in der Darbietung trafen in Wenzel Veits „Der Käfer und die Blume“ die Protagonisten aufeinander.

Nicht minder gewitzt klang Robert Volkmanns „Ich halte ihr die Augen zu“, nicht zuletzt durch den Einsatz sächsischen Dialekts. Der wurde auch vor dem Vortrag von Silchers „Loreley“ von Lukas Lomtscher in der Elbbastei-Ausgabe der Loreley zelebriert.

Natürlich boten zu Volksliedern gewordene Werke auch die Möglichkeit zum Mitsingen. Das Vokalquintett bot dies dem Publikum mit drei Strophen aus Silchers „Das zerbrochene Ringlein“ (In einem kühlen Grunde). Mit Hingabe wurde eingestimmt.

Jazzige Harmonien bestimmten dann den zweiten Konzertteil. In einer wunderbar entkitschten Version wurde mit Georg David Weiss‘ „What A Wonderful World“ eröffnet, jenem Song, den Louis „Satchmo“ Armstrong 1967 so bekannt gemacht hatte. Andere Jazzsongs waren Arthur Johnstons „Pennies from Heaven“. Tenor Christian Pohlers nutzte ihn, um leicht zu improvisieren und etwas freier mit dem musikalischen Material umzugehen.

Das fehlte den anderen Darbietungen davor leider etwas, besonders Irving Berlins „Blue Skies“. Der Song brachte zwar auch wieder hervorragend warm intonierte Jazzharmonien; ihm fehlte es jedoch an der nötigen Offenheit.

Wurde es lustiger vom Inhalt her, gingen die perfekt harmonierenden Sänger die Stücke dann auch schon mit mehr Sinn fürs freiere Gestalten an. Dazu gehörten besonders die beiden Holländer-Chansons. „Das Nachtgespenst“, das kaum kontrastreicher vor Kurt Weills leicht verträumt wiedergegebenem „Es regnet“ hätte erklingen können, sorgte so für Lacher im Publikum.

Nicht anders verhielt es sich mit dem „Tangogeiger“ mit seiner fast sprachlosen Fassungslosigkeit darüber, dass die Tanzpartnerin dauernd zum Tango­geiger hinblickt und nicht zum Tanzpartner. Etwas befreiter erschien auch die leicht moderne Version des Volkslieds „Die Gedanken sind frei“, die als Zugabe erklang. Das ungewöhnliche Verhalten des Publikums habe, so Ensembleleiter Paul Heller, die Möglichkeit zur Zugabe geboten: „Eigentlich ist es bei Silvesterkonzerten der Fall, dass das Publikum schnell den Saal verlässt, weil alle noch etwas vorhaben.“ Die Crailsheimer Zuhörer wollten sich aber im alten Jahr noch etwas vom Gesang verzaubern lassen.

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