Schimmel im Kindergarten: An einem Montagvormittag hat die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius und Dreifaltigkeit umgehend auf diese Nachricht reagiert und 44 Kinder ins benachbarte Roncallihaus gebracht. Das war am 11. März. Kirchengemeinde und Stadtverwaltung sprachen von einer kurzfristigen Lösung, einem Notbehelf. Die Suche nach einer Zwischenlösung laufe auf Hochtouren, hieß es wenige Tage später; über Neubau oder Sanierung auf dem Sauerbrunnen müsse noch entschieden werden.

Zehn Wochen später verlangen vor allem die Eltern eine verbindliche Auskunft darüber, wie es weitergeht. Der Kommunalverband für Jugend und Soziales KVJS, der als Aufsichtsbehörde die Betriebserlaubnis für ein Provisorium erteilen muss, hatte die vorübergehende Nutzung des Roncallihauses zunächst bis zum 17. Mai genehmigt.

Große Unsicherheit

Christine Heilig und Stefanie Dörflinger, die für den Elternbeirat sprechen, sagen, dass die Eltern spätestens zu diesem Zeitpunkt nervös wurden: Wo sollten die Kinder untergebracht und wie ein Umzug organisiert werden, würden Fahrgemeinschaften notwendig sein? Am 16. Mai, also einen Tag vor Ablauf der ursprünglich gesetzten Frist, wurden sie durch das Roncallihaus geführt und darüber informiert, dass der KVJS die zum Verlassen des Gemeindezentrums gesetzte Frist auf den 31. Mai verlängert habe.

„Wir haben lange davor immer wieder gefragt, wie es denn weitergeht, und immer wieder nur gehört, es werde an verschiedenen Lösungen gearbeitet“, sagt Stefanie Dörflinger. Beide Frauen machen deutlich, dass es nicht um Vorwürfe gegen Träger oder Stadtverwaltung geht. Nur darum, dass eine „zukunftsorientierte Lösung für die Kinder gefunden wird, keine Notlösung“. Seit geraumer Zeit seien Baumängel und Platzmangel im Sauerbrunnen-Kindergarten Thema.

Dank an die Erzieherinnen

Beide betonen auch, dass sich die Erzieherinnen über das übliche Maß hinaus engagierten und trotz einer unbesetzten Stelle den auf zwei Stockwerken verteilten Behelfs-Kindergarten nach Kräften managten – etwa das vor allem für die Kleinen nur in Begleitung mögliche Treppensteigen, oder die Toilettengänge bei nicht auf Kinder ausgerichteten sanitären Anlagen. Der persönliche Besitz der Kinder – von Matschkleidern über Schlafsäcke bis hin zu den Hausschuhen – ist von Schimmelsporen befreit und längst wieder im Besitz der Kleinen, das kindgerechte Mobiliar ist desinfiziert und Spielzeug wurde neu gekauft, dennoch zeigt sich jeden Tag, dass das Roncallihaus für eine solche Einrichtung nicht taugt. Genauso wenig übrigens wie das eine oder andere Privathaus, das der Kirchengemeinde wohl angeboten wurde.

Blick aufs Neubaugebiet

Die Eltern hatten Heilig zufolge zunehmend das Gefühl, dass sich nichts bewegt. Zuletzt habe die Stadtverwaltung die Nutzung des verlassenen Kindergartens in Altenmünster in Aussicht gestellt – der rosafarbene Altbau dort könne bezogen werden.

Obersontheim/Bühlertann

In diesem Zusammenhang interessant ist, dass auch zwei Gruppen des Kindergartens Parkstraße während der Bauphase in Altenmünster untergebracht werden sollen. Und die Sauerbrunnen-Eltern wollen natürlich wissen, warum der Kindergarten in Altenmünster aufgegeben wurde und welche Mängel behoben werden müssten.

Wichtig für sie ist aber auch, was wann auf dem Sauerbrunnen geplant ist – wo derzeit im Neubaugebiet 120 Wohneinheiten vor allem für junge Familien entstehen: „Der Neubau eines Kindergartens darf nicht aus den Augen verloren werden“, sagt Christine Heilig: „Der Sauerbrunnen braucht einen Kindergarten.“

Nach wie vor gilt, was Pfarrer Konarkowski dem HT bereits im März gesagt hat: Die Kindergartenpädagogik ist auf den Marchtaler Plan ausgerichtet. Dem müsse der neue Standort in jedem Fall gerecht werden, vor allem müsse dem Kindergarten auf absehbare Zeit ein Zuhause geboten werden. Konarkowski wollte sich vor einem am Mittwoch anstehenden Gespräch mit der Stadtverwaltung nicht zum Thema äußern.

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Die Bereitstellung von Kindergartenplätzen ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Die Stadtverwaltung hat auf einen fraktionsübergreifenden Antrag reagiert und informiert über den Stand der Planungen für den Sauerbrunnen-Kindergarten. Zunächst auf ein halbes Jahr werde das seit Ende April 2019 leerstehende Kindergartengebäude in der Kirchstraße 8 in Altenmünster angeboten – ob sich diese Lösung umsetzen lasse, werde derzeit durch den KVJS geprüft; ein Ergebnis liege noch nicht vor.

Die Optionen der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde würden, wie vom Gemeinderat gefordert, vorbehaltlos geprüft. Das schließe ein, dass „sämtliche baulichen wie finanziellen Lösungsansätze zu untersuchen und beiderseits ergebnisoffen zu verhandeln sind.“