Stiftung Ein Geschenk in Gelb und Blau

Kunstglaser Christoph Kunz vor dem neuen Kirchenfenster, das die Crailsheimer Gemeindeglieder Dr. Gerhard Frey und seine Frau gestiftet haben und das morgen offiziell übergeben wird.
Kunstglaser Christoph Kunz vor dem neuen Kirchenfenster, das die Crailsheimer Gemeindeglieder Dr. Gerhard Frey und seine Frau gestiftet haben und das morgen offiziell übergeben wird. © Foto: Ute Schäfer
Crailsheim / Ute Schäfer 17.03.2018

Wer Kunst für eine Kirche schafft, besitzt eine gute Chance, dass das Kunstwerk dort lange Jahre bleiben kann. Wie in der Johanneskirche. Dort gibt es Kunstwerke, die uralt sind. Der Altar zum Beispiel hat gut 500 Jahre auf dem Buckel. Teile der Kirche sind noch älter. Jetzt kommt ein neues Kunstwerk dazu – ein buntes Kirchenfenster an der Südseite, rechts vom Altar in der Ritterkapelle. Es ist eingepasst in das gotische Maßwerk.

Doch zum Ortstermin in der vergangenen Woche ist da gar nichts zu sehen. Das Fenster ist ein großes Loch, denn das alte Glas ist immerhin schon entfernt. Das neue Fenster, beziehungsweise die einzelnen Scheiben lehnen an einer Kirchenbank davor. Kunstglaser Christoph Kunz und Mitarbeiter Vesaf Idrici haben sie aus Stuttgart mitgebracht. Dort sind sie bei der Firma V. Saile GmbH entstanden und gebrannt worden.

Die Firma ist in der Johanneskirche keine unbekannte. Valentin Saile, Christoph Kunz’ Großvater, baute die bunten Glasscheiben im Altarraum ein – nicht weit entfernt von der Seitenkapelle, in der der Enkel gerade steht. „Es ist immer schön, in einer Kirche zu arbeiten, in der schon die Vorfahren gearbeitet haben“, sagt er und weiß auch, wie hoch die Verantwortung ist, die alle Beteiligten haben, wenn es um die Kirchenfenster geht: „Das Licht eines Kirchenraums ist etwas sehr Sensibles“, so Kunz, „es beeinflusst die Stimmung des Raums.“ Selbst wenn sich das bunte Glasfenster – wie im Fall des neuen Fensters der Johanneskirche – etwas zurückgesetzt in einer Seitenkapelle befindet.

Blau und gelb ist das neue Fenster, gegenständlich ausgeführt, und dies ist das Besondere am Glasfenster, meint Christoph Kunz: Man erkennt Form und Farbe nur, wenn Licht durchfällt. „Ohne Licht sieht man gar nichts.“

Das Kirchenfenster hat ein Thema, es heißt „Gesetz und Gnade“, berichtet der Pfarrer der Johanneskirche, Uwe Langsam. Damit thematisiert es auch die Geschichte vom verlorenen Sohn. Das Fenster zeigt im linken Flügel einen Engel und im rechten einen Menschen, der in das Licht kommen will, das von den zwei sich umarmenden Menschen in der Mitte ausgeht. Der Kirchengemeinderat hatte dem Entwurf einstimmig und begeistert zugestimmt, berichtet Langsam.

Der Entwurf stammt von der Glaskünstlerin Ada Isensee. Sie hat die bunten Glasscheiben bearbeitet und bemalt. „Mit Schwarzlot“, sagt Christoph Kunz, „das ist eine traditionelle Technik der Glasmalerei, die es schon im Mittelalter gab.“ Damit hat Isensee zum Beispiel die Konturen der Gesichter ausgeführt. Die Farbe selbst kommt vom Glas, das gefärbt ist, nicht bemalt. Glasmaler Kunz: „Richtig leuchten kann Glas nur, wenn es durchgefärbt ist.“

Das neue Fenster ist eine Stiftung von Dr. Gerhard Frey und Brigitte Seibold-Frey, die beide der Johannes-Kirchengemeinde angehören. Sie wollen mit dem Fenster an Wilhelm und Frida Hofmann erinnern, „die lange und segensreich in Crailsheim gewirkt haben.“ So heißt es in der Einladung zur morgigen Einweihung des Kirchenfensters.

Info Wer vorab einen Blick aufs Fenster werfen will, hat Pech. Es ist bis zum Tag der Übergabe verhängt. Der Gottesdienst beginnt morgen um 9.30 Uhr.