Rundgang Ein Fest für die ganze Familie

WOLFGANG RUPP 21.09.2013
Wer gestern Nachmittag über den Volksfestplatz geschlendert ist, hat eines sehr rasch festgestellt. Dieses Fest zieht Omas und Enkel, Eltern mit ihren Kindern, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters an.

Auch wenn jedes Jahr um die 300.000 Besucher kommen, hat und soll dieses Fest seinen gemütlichen und familiären Charakter nicht verlieren. Ein wichtiger Beitrag dazu ist, "dass wir Abwechslung und Qualität bieten", machte Oberbürgermeister Rudolf Michl gestern Mittag bei der offiziellen Eröffnung unter dem Eingangstor mit dem grünen - und noch nicht schwarzen - Eilooder obenauf deutlich. Er bezog diese Abwechslung nicht nur auf die Fahrgeschäfte, sondern auch auf das kulinarische Angebot. Und natürlich kam er bei dieser Gelegenheit nicht umhin, sich in die "fleischlose Diskussion" einzumischen und deutlich zu machen, dass doch bitteschön jeder das zu sich nehmen möge und soll, was ihm schmecke. Und wie sehen das die Schausteller: Natürlich genauso, nicht nur in Bezug auf Fisch und Fleisch, Süßes oder Saures. Sie machen sich auch Sorgen um die zunehmende "Ballermannisierung", wie Lorenz Kalb die sich immer stärker abzeichnende Entwicklung von Volksfesten bezeichnete. "Doch das wollen wir ganz und gar nicht", sagte der Schausteller. "Wir sehen solche Feste als Orte der Begegnung von Menschen aller Altersklassen."

Diese Begegnung kommt in diesem Jahr ganz besonders zum Tragen, gestalten doch die Schulen den historischen Umzug. "Luuschd" (aufs Fest) war auch schon gestern zu spüren und "Lait" waren auch schon viel unterwegs, nur von "Laad" wollte niemand etwas wissen. So waren schon die ersten Stunden ein gutes Omen für ein Fest, das von vielen Menschen organisiert und gestaltet wird, bei dem sich viel hinter den Kulissen abspielt, bei dem viel organisiert und noch mehr gearbeitet wird.

Drehen wir die Uhr zurück: Wenige Stunden vor der Eröffnung sitzen Klaus (43) und Johann (45) allein an einem Tisch im noch menschenleeren Engel-Zelt. Sie genießen das Frühstück und die Ruhe vor dem Sturm. Die beiden Österreicher sind "eigentlich schon immer ein Team", und zum ersten Mal beim Crailsheimer Volksfest als Kellner im Einsatz. Und sie sind so richtig gespannt, was hier auf sie zukommen wird. Vergleiche haben sie genügend, sind sie doch im Jahr bei mindestens zehn Festen im Einsatz. Und die dauern nicht nur vier, sondern teils bis zu zehn Tage.

Eine Premiere haben auch die Kleintierzüchter. Sie sind erstmals nicht in der Reithalle, sondern in einem Zelt im Bereich der Gewerbeausstellung. Und das gefällt dem ersten Vorsitzenden Gerhard Kobold gar nicht. Dem Verein entsteht ein erheblich größerer zeitlicher und finanzieller Aufwand. Dass die Reithalle wegen nicht ausreichender Fluchtmöglichkeiten und aus Gründen des Brandschutzes nicht mehr benutzt werden kann, ist für Kobold "nicht nachvollziehbar". Umziehen musste auch die Sportfliegergruppe Crailsheim, die sich jetzt im Jugendbüro präsentiert. Ansonsten ist eigentlich alles beim Alten geblieben und trotzdem stand den Menschen gestern Nachmittag die Freude ins Gesicht geschrieben: Endlich beginnt wieder unser Volksfest.