Crailsheim Ein bunter Blumenstrauß Engagement

Ein Gruppenbild wie dieses ist eine Besonderheit, denn im Alltag des Seniorenparks treffen sich die Ehrenamtlichen nur selten, weil jeder seine Aufgabe und seinen Bereich hat, der zu ihm passt.
Ein Gruppenbild wie dieses ist eine Besonderheit, denn im Alltag des Seniorenparks treffen sich die Ehrenamtlichen nur selten, weil jeder seine Aufgabe und seinen Bereich hat, der zu ihm passt. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 10.11.2018
Zweimal im Jahr lädt der Seniorenpark Kreuzberg alle Helfer zu einem gemütlichen Beisammen sein ein. Am Mittwoch traf man sich zum letzten Mal in diesem Jahr.

Der Hintergrund für diese Treffen ist Danke­sagen, Information, Austausch und – ganz wichtig – das Voneinanderwissen“, erklärt Einrichtungsleiter Andre Krauß, warum die ehrenamtlichen Helfer regelmäßig eingeladen werden. An diesem Mittwoch sind von den 28 Helfern mehr als die Hälfte gekommen. „Die Teilnehmer begegnen sich im Alltag fast nie, kennen sich teilweise untereinander gar nicht“, erklärt Krauß.

Keiner kommt aus Langeweile

Um das Kennenlernen zu stützen und die verschiedenen Motive für das Engagement herauszufinden, startete Irene Hörner, die Ansprechpartnerin für die Ehrenamtler, mit einem kleinen Spiel, das jeden aufforderte, ein wenig über sich preiszugeben. Interessant war dabei zu sehen, aus wie vielen unterschiedlichen Gründen die freiwilligen Helfer in den Seniorenpark kommen.

Was sie alle gemeinsam haben: Keiner von ihnen kommt aus Langeweile. „Ich habe kein Geld, das ich spenden kann, aber ich kann mich mit meiner Zeit für andere einbringen“, erzählt Karin Brück, die seit zwei Jahren einmal die Woche kommt, um sich mit den Bewohnern zu beschäftigen. Den Kontakt hat sie damals über das Internet gesucht. „Ich habe „Ehrenamt Crailsheim“ als Suchbegriff eingegeben, und so bin ich hierhergekommen“, sagt sie.

Auch die 14-jährige Marie Ullrich hilft seit zwei Jahren an einem festen Tag in der Woche, geht mit Bewohnern spazieren oder liest ihnen vor. „Ich habe einen Ausgleich zur Schule gesucht“, erklärt sie ihr Engagement, zu dem Irene Hörner sagt: „Marie ist wirklich ein außergewöhnlicher Fall. Es ist nicht selbstverständlich, in ihrem Alter so beständig bei so einer Aufgabe zu bleiben.“ Diese Anerkennung, die Marie in diesem Moment von den Anwesenden durch einen kleinen Applaus bekommt, bekommen die Ehrenamtlichen in dieser Form selten.

Doch je mehr Geschichten erzählt werden, umso deutlicher wird, dass auch Anerkennung für die Helfer kein Antrieb ist. „Ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben“, oder „mir ging es schlecht, und jetzt geht es mir gut und das will ich weitergeben“ oder auch „ich habe hier eine Aufgabe gesehen“ sind Sätze, die so oder so ähnlich immer wieder fallen. Viele haben den Weg zum Ehrenamt über die Kirche gefunden oder aber auch durch ein Familienmitglied, das im Seniorenpark betreut wird oder wurde.

Viele hatten früher einen Hund

So auch die beiden Musiker der Runde, Helge Ferchow und Bernhard Lotz, die mit ihren Instrumenten beziehungsweise als DJ für musikalische Unterhaltung sorgen, bei Festen, in kleinen Gruppen oder beim allseits beliebten Tanzcafé. Ebenfalls über Familienangehörige kam Ulrich Mehler zum Seniorenpark, wo er vier bis fünfmal im Jahr mit seinem Hund vorbeischaut. „Viele Bewohner hatten früher einen Hund und freuen sich, wenn ich vorbeikomme und sie ihn streicheln und füttern dürfen. Er ist sehr verfressen, der weiß schon, wenn ich den Kofferraum aufmache, wo es hingeht“, erzählt er schmunzelnd.

Egal ob als Besucher zum Geburtstag, als Gesellschaft am Nachmittag, als Leiter eines Gesprächskreises, Mitglied des Chors oder Helfer bei der Bewegungstherapie: Jeder Ehrenamtliche an diesem Abend erzählt von einem Bereich im Seniorenpark, den er für sich gefunden hat, wo er sich einbringen kann und der zu ihm passt. Dabei ist zu spüren, wie der Kontakt die Helfer prägt, etwa wenn Bewohner sie teilhaben lassen an ihren Lebensgeschichten, an ihren Erfahrungen und Erlebnissen und sie als Gesprächspartner, Leiter einer Gesprächsrunde für Demenzkranke oder Märchenerzähler in ihren Lebensalltag mit aufnehmen. „Das ist so ein großer Blumenstrauß mit vielen Facetten. Das ist einfach toll“, freut sich Andre Krauß.

Ausprobieren, was man kann

Mit großen Augen und Ohren sitzt an diesem Abend mit Edith Kamptmann auch ein neues Gesicht in der Runde. Sie probiert gerade aus, wo sie als ehrenamtliche Helferin ihren Platz finden kann. Sie sagt angesichts der vielen gehörten Möglichkeiten: „Ich lasse mich überraschen, was ich alles kann und wo man mich brauchen kann.“

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