Erwartungsfrohe Gesichter sieht Volker Bierwagen, wenn er mit seinem Linienbus auf den ZOB-Parkplatz einbiegt. Spätestens wenn er seine Lautsprecheranlage anstellt und „Jingle Bells Rock“ von seinem elektrischen Weihnachtsmann gesungen die Haltestelle beschallt, hüpfen die Kinder aufgeregt herum. Schon mit dieser Kleinigkeit zaubert er ihnen jedes Mal ein fröhliches Lächeln ins Gesicht. „Das mache ich jetzt schon seit drei Jahren so in der Vorweihnachtszeit“, erzählt Bierwagen. „Ich könnte auch hupen, aber mit der Musik wissen die Schulkinder auf fröhlichere Art, jetzt kommt der Bus, bereit machen zum Einsteigen.“

Und manchmal hat Bierwagen dann auch noch eine rote Zipfelmütze auf, dann sieht der 63-Jährige mit seinem langen ergrauten Vollbart wirklich fast wie der richtige Weihnachtsmann aus. „Mit dem Weihnachtslied will ich meinen Fahrgästen einfach nur ein bisschen Freude schenken und ein gutes Gefühl geben“, ­lautet seine Intention, „das Le-
ben ist oftmals traurig genug“. Bisher hat er (fast) nur positives Feedback auf seine lustige ­Aktion bekommen, „nur einmal wurde ich angesprochen, ob die Beschallung nicht etwas leiser möglich wäre“.

Auch die Busfahrerkollegen finden die Aktion super. Seine positive Art überträgt sich zumindest für einen kurzen Augenblick auf seine Fahrgäste. Und die honorieren dies auch, „ich habe in den letzten Tagen so viele Plätzchen geschenkt bekommen, dass ich bis Heiligabend bestimmt ein paar Kilogramm zunehmen werde“, freut sich Bierwagen über diese kleinen Anerkennungen. Die Arbeit mit Menschen bereitet ihm sichtlich Freude. Viele Eltern der Schulkinder kennt er aus seiner Zeit als Nachttaxifahrer an Wochenenden.

Seit rund drei Jahrzehnten lebt Bierwagen nun schon in der Region. Seine lebensfrohe Art hat er aus Nordrhein-Westfalen mitgebracht, in Herne hat er seine Kindheit verbracht. Die Liebe hat ihn schließlich nach Hohenlohe verschlagen und er hat sich dort schnell eingelebt. „Auch wenn die Menschen anfangs nicht ganz so offen sind wie im Ruhrpott, ich kann gut reden und dann werden sie auch schnell lockerer.“

Bonbons für die Kinder

Aber nicht nur in der Weihnachtszeit schenkt Bierwagen Freude, er kennt praktisch alle seine Fahrgäste der Linie von Ellrichshausen über Bronnholzheim und Gröningen nach Crailsheim und hat für jeden mindestens ein freundliches Hallo übrig. Für die kleinsten Mitfahrer gibt es immer wieder ein Bonbon oder ein Stück Schokolade als Geschenk und älteren Menschen hilft er auch mal beim Einsteigen. „So viel Zeit muss einfach sein“, betont Bierwagen.

Über Feiertage fährt der Bus

Die Weihnachtstage will er im engsten Kreise der Familie verbringen – oder vielleicht doch im Bus, denn auch über die Feiertage ist der Linienbus unterwegs, und die Schichtpläne werden erst kurzfristig erstellt. Was ihm gar nicht gefällt, ist, dass die Menschen immer egoistischer werden. „Früher war es ganz normal, dass man den blinkenden Bus herausgelassen hat, aber heutzutage hält fast gar kein Pkw mehr an, wenn man aus der Bushaltestelle herausfahren will.“

Und da sein Bus mit der ­Jingle-Bells-Musik, die übrigens nur noch bis zum 24. Dezember zu hören ist, so viel positives Feedback auch von Erwachsenen bekommen hat, will er mindestens noch fünf Jahre weitermachen als „der Busfahrer mit der Weihnachtsmusik“. Und dann hat er noch eine Idee, die er im Sommer umsetzen will: „Wenn es mal richtig heiß wird, könnte ich meinen Bus ja mit dem Song ‚Bacardi Feeling’ ankündigen …“