Menschen Ein Baum, drei Engel und die Pyramide

Hermann Heller, früherer Schulleiter der Realschule am Karlsberg, hat seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile am Bodensee.
Hermann Heller, früherer Schulleiter der Realschule am Karlsberg, hat seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile am Bodensee. © Foto: privat
Crailsheim / ass 23.06.2018

Hermann Heller liest täglich das Hohenloher Tagblatt, und langweilig wird ihm nicht. Das Klavierspielen hat er wieder angefangen, Tennis und Radfahren am Bodensee halten ihn beschäftigt und durch den Sport hat er neue Freunde gefunden. Vor sechs Jahren hat er das Bodenseeschifferpatent fürs Motorbootfahren gemacht. Im Lions Club Lindau hält er Vorträge, etwa zu Norwegen – einer seiner Söhne lebt mit Familie in Oslo –, und er tauscht auch schon mal Mathenachhilfe gegen Einweisung in den Umgang mit PC und Handy. Im Sommer ist er oft im Strandbad Friedrichshafen: „Dort, wo andere Urlaub machen, fühl ich mich zu Hause.“ Wie kommt aber ein Herzblut-Crailsheimer an den Bodensee?

Nachdem 2007 seine Frau gestorben war, hat Heller irgendwann erkannt, dass er die Einsamkeit im Haus im Bauhausweg nicht wollte. Nach einem gescheiterten Experiment mit einer Agentur, die ihm das Geld aus der Tasche ziehen wollte, versuchte er 2008 sein Glück im Internet und landete tatsächlich einen Volltreffer. Das wird bei jedem Wort deutlich, wenn er vom ersten Telefonat erzählt und vom ersten Treffen. Es hat einfach gepasst – und weil die Dame am schönen Bodensee daheim war, verlagerte sich auch sein Lebensmittelpunkt. 2010 hat sein ehemaliger Schüler und Kollege, Diakon Werner Branke, die beiden in Rechenberg getraut.

Bis heute ist Heller Crailsheim verbunden. Durch gute Erinnerungen und durch Freunde. Er ist Mitglied der Stadtkapelle, Ehrenmitglied im TSV und zu Hans Halbritter und den „Bäuchlingen“ gibt’s eine besondere Beziehung. Seinen 80. Geburtstag hat er im vergangenen Herbst ganz selbstverständlich auf dem Volksfest gefeiert und auch drei Gräber auf dem Friedhof ziehen ihn immer wieder zurück in die Stadt, die ihm lange Zeit Heimat war.

Fast 81 Jahre sind vergangen, seit er in Dothen bei Eisenberg in Thüringen zur Welt kam. Als er 14 Jahre alt war und der Vater schwer krank, floh die Mutter mit ihren beiden Jungs über die Friedrichstraße und den Bahnhof Zoo nach Westberlin und landete nach vielen Umwegen im württembergischen Lorch. Auf einer der Zwischenstationen beschloss sie, dass Jung-Hermann „nicht he­rumlungern“, sondern nach Kräften lernen sollte. Und so kam er ins Evangelische Aufbaugymnasium in Michelbach/Bilz, ein Internat, in dem er auch lebte und lernte, als die Familie längst in Lorch war. In Weingarten wurde der junge Mann dann zum Lehrer ausgebildet.

„Lebenslang freier Eintritt“

Gerade mal ein Jahr war er im Beruf, als er in Goldbach bei Crailsheim die kleine Zwei-Klassen-Schule leiten durfte oder besser: musste. Unvergessen sind nicht nur die Unterrichtsstunden im Freibad, sondern auch die Putz- und Maleraktionen dort. Dem jungen Lehrer wurde das damals mit „lebenslang freiem Eintritt ins Freibad“ gedankt.

Die junge Dame, die bei der Kreissparkasse Crailsheim arbeitete, und die ihm immer so gut gefallen hatte, wurde 1964 seine Frau. 1966 trat er einen Tag nach der Geburt seines ersten Sohnes in Tettnang die einjährige Ausbildung zum Realschullehrer an. Elf Jahre war er später Konrektor und Rektor der Haupt- und Realschule in Blaufelden, ebenfalls elf Jahre dann, bis 2002, Schulleiter der Realschule Crailsheim, die erst später, in Abgrenzung zur „Realschule zur Flügelau“, ihren Beinamen „am Karlsberg“ erhielt.

Karlsberg-Linde gepflanzt

In seiner Zeit wurde auch die Karlsberg-Linde im Schulhof gepflanzt. Die „Mathe-Sport-Körper“ entstanden aus einem kleinen Wettbewerb heraus in den Lehrlingswerkstätten der Firma Voith und Strunk – heute Bosch. Es sind Pyramiden und Quader zum Herumturnen, die ein Alleinstellungsmerkmal und überhaupt ziemlich cool sind. Doch das ist nicht alles: Die RaK ist die einzige Schule in Baden-Württemberg mit drei Schutzengeln, ist Heller überzeugt. Dass es ihm und Kunstlehrer Franz-Walter Schmidt gelang, drei Engel aus einer Ausstellung von Professor Adam Lude Döring zu sichern und zu finanzieren, darauf ist er heute noch stolz. Auch als Vorsitzender des von ihm zum 125-jährigen Bestehen der RaK initiierten Freundeskreises engagierte er sich, und zwar in solchem Maße, dass er Ehrenvorsitzender wurde.

Die Crailsheimer Abendrealschule war lange Zeit ein Anhängsel der Mergentheimer Institution. Als sie selbstständig wurde, war Hermann Heller ihr erster Schulleiter, eine Position, die er auch als Ruheständler einnahm, als er mit seiner Frau bereits nach Friedrichshafen gezogen war. Alle 14 Tage unterrichtete er all diejenigen, die sich neben Beruf und Familie einen mittleren Schulabschluss erarbeiten wollten – bei einem Fahrtweg von zweieinhalb Stunden keine Selbstverständlichkeit. Aber: „Ich komm immer gern nach Crailsheim zurück.“

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