Crailsheim / Andreas Harthan Brennende Kirchen: Was in Paris passiert ist, kann jederzeit auch anderswo geschehen. Letztendlich, so der Crailsheimer Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck, bleibt nur die Hoffnung.

Was wäre wenn. Dieser Gedanke ging am Montagabend sicherlich vielen Crailsheimern durch den Kopf. Zumindest denen, die im Fernsehen die apokalyptisch anmutenden Bilder von der brennenden Kathedrale Notre Dame in Paris gesehen haben. Was wäre wenn. Dieser Gedanke begleitet Feuerwehrleute ständig, auch im Alltag. Was wäre beispielsweise, wenn im Dachstuhl der Crailsheimer Johanneskirche ein Brand ausbrechen würde. „Dann wären unsere Einwirkungsmöglichkeiten sehr begrenzt“, antwortet Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck. Ein Brand in einer derartigen Höhe sei für jede Wehr ein Albtraum, ergänzt der erfahrene Feuerwehrmann. Letztendlich bleibe nur die Hoffnung, dass nichts passiert, dass Paris für lange Zeit ein Einzelfall bleibt.

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Technik stößt an ihre Grenzen

Natürlich gibt’s in Crailsheim eine Drehleiter, eine neue sogar, die bis auf 30 Meter Höhe ausfahren kann. Aber was vermag sie angesichts eines Flammeninfernos wie dem am Montag in Paris auszurichten? Nicht viel. Selbstverständlich werden in so einer Situation, sollte sie in Crailsheim auftreten, die Drehleitern aus Schrozberg und Schwäbisch Hall angefordert, erläutert Klingenbeck. Und ja, man könne auch noch die aus Ellwangen, Dinkelsbühl und Feuchtwangen kommen lassen. „Aber wo stellen Sie die dann im Umfeld der Johanneskirche hin? Sie haben dort gar nicht den Platz, um diese Fahrzeuge sinnvoll einzusetzen“.

Vorsorge ist extrem wichtig

Damit benennt der Stadtbrandmeister eine Situation, die in europäischen Städten, egal, ob groß oder klein, ob sie Paris oder Crailsheim heißen, dieselbe ist: Die Kirchen stehen mitten in der Stadt und ihre Umgebungen sind dicht bebaut. Deshalb, so der oberste Crailsheimer Feuerwehrmann, müsse im Fall einer brennenden Kirche mit allen Mitteln verhindert werden, dass die Flammen auf benachbarte Gebäude übergreifen. Einem großflächigen Brand im Dachstuhl einer Kirche könne keine Feuerwehr der Welt viel entgegensetzen. Umso wichtiger sei die Vorsorge. Indem man regelmäßig nach der Elektrik in den Kirchen schaut, die es ja zumindest in den Glockenstühlen der Türme gibt.

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Dekanin sorgt sich an Silvester

Wie hat Dekanin Friederike Wagner auf die Bilder aus Paris reagiert? „Sie tun weh“, sagt sie, und erzählt von ihrer Sorge in Silvesternächten, dass Feuerwerkskörper Dach oder Turm in Brand setzen. Was dann passiert, mag sich Pfarrer Uwe Langsam, der dem HT-Redakteur den Dachstuhl der Johanneskirche zeigt, erst gar nicht vorstellen. Das imposante, über mehrere Stockwerke reichende Tragwerk besteht komplett aus Holz, es ist Jahrhunderte alt – und brennt wie Zunder, wenn es  Feuer gefangen hat.

Auch die Johanneskirche hat schon gebrannt, zumindest ihr Turm; 1643 war das. Dass die Kirche bei der fast totalen Zerstörung Crailsheims 1945 nur leicht beschädigt wurde, bezeichnen viele Crailsheimer bis heute als ein Wunder. Verständlich wenn man bedenkt, dass andere stadtbildprägende Gebäude wie Rathaus oder Schloss in Schutt und Asche versunken sind.

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