Unterhaltung Echte Menschen, echte Tänzer, echte Kunststücke, echte Tiere

Crailsheim / Ute Schäfer 21.10.2016
Kindern ein besonderes Erlebnis schenken, das können Erwachsene am Wochenende in Crailsheim tun – denn der Zirkus ist in der Stadt.

Auf eine Nummer ist Monty Frank vom Zirkus Montana besonders stolz. „Unsere Feuernummer. Die ist spektakulär. So was hat man in Deutschland noch nicht gesehen.“ Denn in die Manege auf dem Volksfestplatz kommen die Feuerkünstler mit einem großen Tusch von der Zirkuskapelle, jonglieren mit brennenden Gegenständen, spucken Feuer und so weiter. „Und am Schluss brennt die ganze Manege. Das können Sie mir ruhig glauben. Ich mache nie Witze.“

Die Wurzeln des Circus Montana reichen bis ins Jahr 1826 zurück, teilt der Zirkus in seinem Programmheft mit, doch die Familie war wohl schon im Mittelalter als Gaukler und Seilläufer unterwegs. Sie ist eine bekannte und traditionsreiche Zirkusfamilie in Deutschland. Aus ihr ging unter anderem die bekannten Reitertruppe „Frankordi“ hervor, die weltweit Erfolge feierte und vielfach ausgezeichnet wurde, heißt es im Programmheft weiter.

Der Circus Montana selbst wurde allerdings erst vor 40 Jahren in Emmendingen gegründet, und zwar von Ilka und Gerhard Frank, die ihren Zirkus bei der Flucht aus der DDR zurückgelassen hatten. In Emmendingen starteten sie dann neu, die Gründerin Ilka Frank hilft noch immer kräftig mit. Ihr Platz ist hinter der Kasse. Doch mittlerweile haben ihre Kinder den Zirkus übernommen. Auch deren Kinder stehen mittlerweile in der Manege, es ist dies die neunte Generation. Auch die 23-jährige Michelle Frank gehört dazu. Beim Zirkus Montana ist sie die Frau mit den flinken Füßen, will heißen, sie macht Antipodenjonglage, jongliert und wirbelt also Gegenstände mit den Füßen herum: „Als Mädchen hab ich das mal ausprobiert und es hat mir gleich gefallen. Dann hab ich mit dem Training begonnen.“ Zwei Jahre lang hat es gedauert, bis die Nummer saß. An ihren ersten Zirkusauftritt kann sie sich noch gut erinnern. „Das war an meinem 13. Geburtstag. Was war ich aufgeregt!“ Das Lampenfieber habe sich mittlerweile zwar gelegt, doch ein Leben ohne Zirkus und ohne die Auftritte könne sie sich nicht vorstellen. Doch wer bei einem Familienzirkus dabei ist, darf nicht nur auftreten. Er muss auch überall mithelfen. „Beim Aufbauen machen wir Frauen nicht so mit“, sagt Michelle. „Da gehen wir eher herum und machen Werbung.“ Beim Abbauen allerdings, da helfen alle zusammen. Dann ist das riesige Zelt samt Nebenzelten für die Tiere innerhalb weniger Stunden abgebaut. Und das ist auch gut so, sagt Michelle Frank: „Wenn wir zwei Wochen an einem Platz sind“, sagt sie, „dann kribbelt es bei mir. Dann möchte ich wieder weiter.“

Der Familienzirkus ist mit 30 Familienmitgliedern und Tieren unterwegs, ein klassischer Zirkus also, „wie früher“, sagt Michelles Tante Sandra Frank, die die Tourneen managt. „Viele Erwachsene erinnern sich noch daran, wie aufgeregt sie waren, wenn der Zirkus in die Stadt kam. Auch die Kinder heute genießen eine Zirkusvorstellung.“ Aber leider würden sich viele Erwachsene nicht mehr die Zeit für einen Zirkusbesuch mit ihren Kindern, Nichten oder Enkeln nehmen. „Dabei ist das schade. Der Zirkus ist etwas Echtes. Es gibt echte Menschen dort, die echte Kunststücke machen. Es gibt echte Tänzer, echte Tiere und echte Musik. Im Zirkus kommt nichts aus der Retorte. Deshalb ist es ein ganz besonderes Erlebnis für alle Sinne. Und ganz weit weg von den Handys oder Computerbildschirmen“, sagt Sandra Frank.

Erlebnisse wie zum Beispiel die Haustierparade oder die Clown- oder Akrobatiknummern könne man nur im Zirkus erleben. „Meine Cousinen Charline und Shannon haben eine tolle Nummer am Schlaufenseil“, sagt Michelle Frank, die sich auf Crailsheim gefreut hat. „Ich mag es gern, in einer neuen Stadt zu sein“, sagt sie. „Wir waren zwar vor mehr als 15 Jahren einmal hier. Aber ich kann mich nicht erinnern.“

Info Ab Freitag heißt es auf dem Volksfestplatz „Manege frei“, die Aufführung beginnt am Nachmittag um 17 Uhr. Am Samstag tritt der Zirkus um 15 und um 18 Uhr auf, am Sonntag und Montag um 15 Uhr. Für die Vorstellungen am Freitag und am Montag gibt es Sonderpreise. Vorverkauf ab Freitag täglich von 11 bis 12 Uhr und 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn an den Zirkuskassen.

Zahlen und Fakten

Das Hauptzelt, das sogenannte Chapiteau, hat vier Masten und ist mit 100 Ankern auf dem Platz befestigt. Die Kuppeln sind zehn Meter hoch. Der Zirkus braucht pro Woche 16 Kubikmeter Sägespäne und für die Tiere 100 Kilogramm Heu, 300 Kilogramm Stroh, Kraftfutter, Obst und Gemüse pro Tag. 30 Menschen arbeiten im Circus Montana, der mit 20 Zirkuswagen und fünf Zugmaschinen reist.

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