Konzert Dramatische Momente

Der Chor der Johanneskirche gestaltete die geistliche Abendmusik unter der Leitung von Christoph Broer.
Der Chor der Johanneskirche gestaltete die geistliche Abendmusik unter der Leitung von Christoph Broer. © Foto: Ralf Snurawa
Crailsheim / Ralf Snurawa 23.11.2016
Chor der Crailsheimer Johanneskirche unter der Leitung von Christoph Broer überzeugt einmal mehr mit Auftritt am Ewigkeitssonntag.

Zwei Motetten standen am Sonntagabend im Mittelpunkt des Konzertes mit dem Chor der Crailsheimer Johanneskirche: Josef Rheinbergers „Warum toben die Heiden“ und Johann Sebastian Bachs „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“. Letztere verlangt den Ausführenden nicht nur stimmlich, sondern auch im Zusammenwirken einiges ab, denn Bach hat das Werk für zwei vierstimmige Chöre gesetzt. Konzentriertes Aufeinanderhören war also angesagt. Und für Kantor Christoph Broer bedeutete es, mit seinem Dirigat wichtige Impulse zu geben: mal besänftigend, mal anspornend zu wirken.

Das gelang hinsichtlich der Vielstimmigkeit sehr gut. Die einzelnen Stimmen waren deutlich herauszuhören. Das war angesichts der stark verzahnten Stimmen und der Dichte des Klangs nicht immer leicht umzusetzen.

Mit Zuversicht erklang dabei der erste Teil der Motette mit seinen tonsymbolisch stark melismatisch ausgestalteten „Geist“-Figuren. Und fast wie eine Erlösung wirkte danach die Fuge „Der aber die Herzen forschet“, genauso wie der beschließende Choral „Du heilige Brunst, süßer Trost“.

Vor dieser spätbarocken Motette hatte Christoph Broer den Chor der Johanneskirche, auf der Orgel von Stefanie Pfender und auf dem Violoncello von Hanns-Herrmann Lohrer begleitet, zwei frühbarocke geistliche Chorsätze singen lassen. Nach dem einleitenden Ausruf gelang es Broer sehr schön in Andreas Hammerschmidts fünfstimmigem „Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen“ das leicht Panische zu „der Herr hat mich vergessen“ zu unterstreichen. Mit Nachdruck wurde den zu stark ineinandergreifenden Stimmverläufen ein „so will ich dein doch nicht vergessen“ gegenübergestellt.

Heinrich Schütz‘ ebenfalls fünfstimmiges „Unser keiner lebet ihm selber“ wirkte danach zupackend und energisch im Ton mit leicht herausfahrenden und hervorgehobenen Figurationen. Am Ende türmten sich die Stimmen zu „so sind wir des Herren“ klar heraushörbar. Zwischen der Bach- und der Rheinberger-Motette erklangen Orgelstücke und Bachs Chorsatz zu „Wachet auf, ruft uns die Stimme“.

Das Choralvorspiel zu diesem Chorwerk spielte Christoph Broer mit weich federnden Umspielungen der durch Registrierung klar herausgestellten Choralstimme. Dem Bachschen Chorsatz folgte der Intermezzo-Satz aus Rheinbergers vierter Orgelsonate, zunächst sehr gesanglich gespielt, dann aufgewühlt-bewegt. Rheinbergers packend intoniertes „Warum toben die Heiden“ erklang danach umso kraftvoller. In sich führt die Motette zu einer Beruhigung, die am Ende in ein „Selig allem, die auf ihn vertrau‘n“ mündet. Das wusste der Chor in der Johanneskirche gekonnt vorzutragen.

Mehr fordernd als bittend

Den Schlussteil des Chorkonzertes bildeten zwei Orgelwerke und eine weitere Rheinberger-Motette dazwischen. Das „Abendlied“ erwies sich in Broers Interpretation aber nicht als bittendes, denn mehr forderndes „Bleib bei uns“. Dramatische Momente waren dem mit Hendrik Andriessens „Thema mit Variationen“ vorausgegangen, ein in die Zukunft gerichtetes Werk beendete das Konzert: Olivier Messiaens „Apparition de l‘Eglise Eternelle“ (Erscheinung der ewigen Kirche) pulsierte spannungsvoll durch Farbklänge und verklang versöhnlich.

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