Vortrag Diplom-Biologe Ulrich Rost referiert über "Kleinod Viechberg-Auchthalde"

Fichtenberg / JÖRG BRUCKLACHER 18.09.2012
"Kleinod Viechberg-Auchthalde" lautete der Titel des Vortrags, den Ulrich Rost kürzlich im Fichtenberger Privatmuseum "Hirschgaß 5" hielt. Das Gebiet ist ein Rückzuggebiet für viele Pflanzen und Tiere.

Es war ein wunderschöner Sommerabend - und trotzdem fanden am vergangenen Samstag zahlreiche Besucher den Weg in das Museum "Hirschgaß5" in Fichtenberg. Die Erwartungen waren groß, lautete doch das Thema "Kleinod Viechberg-Auchthalde".

Der Referent Dipl.-Biologe Ulrich Rost begann mit der Klarstellung, dass der heutige Ortsname Fichtenberg 1872 den deftigen und passenden Namen Viechberg abgelöst hat, der die Nutzung des Berges als Viehweide ausgedrückt hatte.

Streiflichtartig wurde die landwirtschaftliche Nutzung der Hangflächen durch die Jahrhunderte aufgezeigt. Überkommen sind aus früherer Zeit unter anderem die "Anwander", Böschungen, die heute noch die kleinteilige Parzellierung zeigen. Auch ist verschiedentlich noch ausgewilderter Hopfen, Reste aus ehemaligem Anbau, in den Hecken zu finden.

Heute wird der wenig fruchtbare, trockene Südhang nur noch extensiv genutzt. Das macht ihn zu einem Biotop, in dem Pflanzen und Tiere, die in intensiv bewirtschafteten Flächen oder in von Wohnsiedlungen bebauten Bereichen keine Bleibe mehr haben, ein Rückzugsgebiet finden. Deshalb wurde der Viechberg ein Landschaftsschutzgebiet, das in dieser durch die frühere Nutzung herausgebildeten Form erhalten bleiben sollte.

Im Mittelpunkt des Vortrages stand eine Bestandsaufnahme der in diesem Gebiet vorkommenden Pflanzen und Tiere, die dort im Schutz von Pflegemaßnahmen erhalten geblieben sind.

Es sind die auf Magerwiesen ohne Düngung vorkommenden Gräser wie Glatthafer, Trespe und Zittergras und die vielen Blütenpflanzen, die nur an solchen Standorten eine Überlebenschance haben. Genannt und im Bild gezeigt wurden über 40 Pflanzen, die früher an vielen Orten zu finden waren, heute aber durch intensive Landwirtschaft und "Unkrautbekämpfung" fast nur noch auf solchen besonderen Flächen zu finden sind.

Als typische Beispiele wurden Steinklee, Wiesenlabkraut, Kleiner Sauerampfer, Wegwarte, Johanniskraut und viele andere herausgegriffen. Auch recht seltene Pflanzen wie Hauhechel und Eibisch sind zu finden, dazu als echtes Kleinod eine Orchidee, die überhaupt nur noch an einer Handvoll anderer Stellen im Land zu finden ist.

Dass es an diesem trockenen Südhang auch einige feuchte Bereiche durch Quellhorizonte gibt, an denen die hierfür typischen Zeigerpflanzen vorkommen, war für viele Zuhörer eine Überraschung.

Die Magerwiesen bieten aber auch vielen Insekten und Vögeln einen optimalen Lebensraum. Seltene Käfer, Ameisen und Schmetterlinge wie der Hauhechelbläuling können nur hier überleben. Auch der Neuntöter, der seine erbeuteten Insekten zur Vorratshaltung auf Dornen spießt, brütet hier.

Der Vortrag hat eindrücklich gezeigt, dass der Viechberg ein wahres Kleinod darstellt, und man kann nur hoffen, dass die geplante Bebauung am Fuße des Berges nicht zur Ausführung kommt. Allein durch die winterliche Abwärme aus den Heizungen und die entstehende Unruhe würde das erhebliche negative Auswirkungen mit sich bringen, machte Ulrich Rost deutlich.