Ich hätte den ganzen Tag heulen können“, beschreibt Tina Estner, Inhaberin des Tanz- und Fitnessstudios Movin ihre Gefühlslage, nachdem die Landesverordnung zur vorübergehenden Schließung ihres Studios wegen dem Coronavirus am Montag vor einer Woche beschlossen war. „Ich kenne die meisten schon seit vielen Jahren und deren Gesundheit liegt mir sehr am Herzen. Das ist gerade sehr emotional für mich, alle so lange nicht mehr sehen zu dürfen.“

Vor allem um die älteren Menschen, die alleinstehend sind, gilt es sich jetzt zu kümmern. In den vergangenen Tagen hat sie viele angerufen und ihre Hilfe beispielsweise bei Einkäufen angeboten. Gerade jetzt, wo man nicht mehr raus sollte, sei es ganz wichtig, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten.

Erhöhte Hygienestandards

„Mein Bauchgefühl hat mir schon länger gesagt, dass es schlimm werden könnte“, hat sich Ehemann Marcus Glöckner auf die erhöhten Hygienestandards im Studio frühzeitig eingestellt und Desinfektionsmittel sowie Einweghandschuhe für die Studiogäste ausgelegt. „Wir wollten so lange wie möglich offen lassen. Aber es kamen immer weniger Leute und es war absehbar, dass die Schließungen für alle Studios kommen werden.“

So war man auch vorbereitet für den Tag X, wie man die Zeit (vorerst bis zum 19. April) für die Nachwuchstänzerinnen und -tänzer des Movin sinnvoll überbrücken kann. „Außergewöhnliche Zeiten benötigen außergewöhnliche Lösungen“, betont Glöckner. Deshalb nahm er Kontakt schon in der Woche vor der Schließung zu dem berühmten Tänzer und Choreograph Detlef Soost auf, einem Premiumpartner des Studios. Innerhalb weniger Tage entstand ein Projekt, den Tanzschülern über ein Choreografien-Portal online zuhause das Lernen verschiedener Tänze zu ermöglichen. „Aber wir sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen, sodass nicht nur unsere Tanzschüler davon profitieren, sondern alle Crailsheimer Kinder, Jugendliche und Erwachsene Zugriff zu diesem Portal, das eigentlich nur für die Coaches gedacht war, zu bekommen“, denkt Glöckner in dieser schwierigen Zeit an das Gemeinwohl.

Tänze selber einstudieren

So lange das Fitnessstudio also geschlossen bleiben muss, haben alle die Möglichkeit, zuhause schrittweise Tänze einzustudieren. Für jedes Alter beziehungsweise Leistungsniveau gibt es spezielle Videos, „da kann wirklich jeder mitmachen. Man hat die Möglichkeit, immer wieder zu stoppen und die Übungen nochmal anzuschauen.“ Lediglich eine Anmeldung ist für Nichtmitglieder  erforderlich. „Wir füttern das Portal ‚tanzen.deesworld.de‘ beinahe täglich mit neuen Videos – auch mit Fitness-Workouts. Mit dem Material, das jetzt schon drin steht, könnte man vier Wochen lang jeden Tag tanzen“, erklärt Glöckner.

Tina Estner dreht eigene Clips

Die Lernvideos sind aber nicht nur von Detlef Soost. Tina Estner und ihre Tanzlehrerinnen sind gerade fleißig dabei, eigene Clips zu drehen. „Das war am Anfang schon ein bisschen  komisch, ja beinahe gruselig, in dem leeren Studio alleine vor einer Kamera zu stehen und die Übungen vorzumachen. Aber so bleibe ich zumindest digital in Kontakt.“

Teilweise werden die Mobilitäts- und Kräftigungsübungen mit Tina Estner unter dem Motto „Movin fit at home – wir lassen dich nicht allein“  sogar im Livestream gezeigt. Dieses Angebot ist allerdings nur für Mitglieder. An der Kamera steht Ehemann Marcus, der die möglichst authentischen Workouts später schneidet. Das Feedback, das Tina Estner und Marcus Glöckner auf ihr kostenloses Angebot erhalten haben, ist durchweg positiv. Manche schicken sogar  Videos davon, wie sie zuhause üben.

Krise ist existenzgefährdend

Wie für viele andere Kleinbetriebe sind die Folgen des Coronavirus existenzgefährdend für das Movin. „Die Ausfallzeit wird kostenlos an die bestehenden Verträge angehängt. Ich hoffe, dass es nach dem 19. April mit einer gesteuerten Regelung weiter gehen kann.“ Besonders schwierig sei die Situation für die Angestellten, sollte die Auszeit noch länger dauern. Schon jetzt ist Kurzarbeit angesagt. Zudem laufen die Fixkosten wie Miete ja ständig weiter. „Es gibt aber auch schöne Momente wie die vielen tolle Rückmeldungen per E-Mail. Ein Probekunde hat sich sogar bei uns gemeldet, der trotz der schwierigen Situation einen Neuvertrag abschließen will.“

Über 200 Leute machen mit

Bereits über 200 Leute haben sich inzwischen auf dem Portal angemeldet und üben nun regelmäßig Zuhause. „Wenn jemand Fragen hat, kann  er mir gerne eine E-Mail schreiben“, freut sich Tina Estner über die beeindruckende Resonanz nach wenigen Tagen.

„Langeweile und keine Bewegung sind sicherlich die schlechtesten Begleiter.“ Gerade in der schulfreien Zeit, freuen sich viele Kinder und Jugendliche über eine solche Aktion – und natürlich auch die Eltern.

Hilfsaktion vom „Clever fit“ in Crailsheim


Gemeinsam sind wir stark – stärker als Corona“- unter diesem Motto läuft die Hilfsaktion von „Clever fit“ in Crailsheim-Roßfeld. Mitarbeiter des Fitnessstudios bieten Unterstützung im Alltag für Hilfsbedürftige an.Zudem werden kostenlose Videos auf Facebook beziehungsweise  Youtube gestellt, für das Fitnesstrainining in den heimischen vier Wänden. rama