Crailsheim Kleines grünes Paradies inmitten der Stadt

Crailsheim / Birgit Trinkle 03.08.2018
Gerhard Frank und Cornelia Schuster-Frank genießen ihren verborgenen Innenstadt-Garten. Eine heute verschlossene Tür erinnert an an das erste Freiluftcafé der Stadt.

Es war einmal ein verborgener Garten, die Mauern darum waren sehr hoch: So fangen Märchen an. Wer vom Lammgarten Richtung Volksfestplatz geht, sieht auf Höhe des Ehrenfriedhofs eine Mauer, die zu solchen Träumereien einlädt. Was liegt hinter dieser Mauer? Die Türen, die das HT heute öffnet, führen nicht nur in eine Gartenlandschaft, sondern auch in eine Vergangenheit, die älteren Crailsheimern noch sehr gut in Erinnerung sein dürfte.

Daran, dass es hier lebensgefährlich war, erinnert sich garantiert niemand. Aber hinter der kleinen Mauer liegt die große Stadtmauer, einst die Nordgrenze Crailsheims, und des Nachts waren zwischen Stadtmauer und Zwinger samt Wassergraben die Hunde frei – zusätzlicher Schutz für die Stadt, die diesen Schutz ja auch immer wieder dringend benötigte. Wer nun davon ausgeht, hier vor einer der wenigen erhaltenen Reste der Stadtmauer zu stehen, muss wissen, dass Crailsheim das mit der Verteidigung nicht immer so genau nahm: Immer wieder verkam und zerfiel die Mauer während längerer Friedenszeiten, um dann eilends wieder ertüchtigt zu werden. Als die Stadtgräben 1754 verkauft und zugeschüttet wurden, um Gärten Platz zu machen, sah sie ganz anders aus als noch hundert Jahre davor oder auch hundert Jahre später, und natürlich hat Crailsheims Zerstörung im Zweiten Weltkrieg selbst an diesem Teil der Befestigung Spuren hinterlassen. Auch die Gärten haben sich immer wieder verändert. Lange Zeit dienten sie schlicht der Grundversorgung.

Gerhard Frank und Cornelia Schuster-Frank, beide in der Tradition ihrer Familien stehend, sind ihrer Stadt verbunden und  bewahren und bewirtschaften bis heute einen dieser Gärten, der für sie ein kleines, grünes Paradies inmitten der Stadt ist. Paradies bedeutet nicht teures Mobiliar; kein kostspieliger Gartendesigner hat sich hier verwirklicht, und die einzige Kunst ist die Erinnerung an Gerhard Franks Beitrag zu einem der ersten Crailsheimer Kulturwochenenden: Der „Jungbrunnen“ wurde damals mit sich erneuernden Figuren bestückt. Materielle Schätze gibt es also nicht in diesem Garten. In jeder anderen Hinsicht ist Unbezahlbares zu finden. Oder wie sollte man es sonst nennen, wenn in den dunklen Tagen des Vorfrühlings ein Märzenbecher um den anderen aus dem Boden lugt und von kommenden Sonnentagen erzählt. Wenn dann die Osterglocken blühen, oder selbst an extrem heißen Tagen die Temperatur beim Betreten des Gartens, zumindest gefühlt, um ein paar Grad sinkt, weil sich kein Asphalt aufheizt, sondern Moos und Gras Hitze aufnehmen und weil die alten Bäume Schatten spenden, wie nichts sonst es vermag.

Die erwachsenen Söhne der Familie gönnen sich hier noch immer ab und an ein Lagerfeuer; ihre Hasen dürfen ungestört alt werden. Und die Eheleute sind einfach nur dankbar und froh an diesem verborgenen Garten.

Café an der Mauer

Viele Crailsheimer können das gut verstehen. Auch sie haben sich hier schon sehr, sehr wohlgefühlt. Als in den 1960er-Jahren unter Oberbürgermeister Hellmut Zundel mit dem Lammgarten eine öffentliche Grünanlage eingeweiht wurde, war bald darauf in diesem Garten das erste Freiluftcafé der Stadt zu finden. Von 1965 bis 1970 hat das Café Frank dort viele Hundert Kännchen Kaffee verkauft und überhaupt alles, was sonst so genossen werden kann abseits aller Hektik, im Schatten alter Bäume. Bis heute erinnert die Metalltür in der Stadtmauer, die heute in einen Abstellraum führt und als Durchgang nicht länger genutzt wird, an diese Zeit. An all die schönen Stunden. Und sie weckt den immer wieder geäußerten Wunsch, das alte Gartencafé möge eine Renaissance erfahren. Dann wäre die Tür in der Stadtmauer keine verschlossene mehr und der Garten nicht länger verborgen.

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