Nach seinem Vortrag über die bisherige Planungsgeschichte der Crailsheimer Stadthalle am heimatgeschichtlichen Abend anlässlich des Stadtfeiertages war Ex-Baubürgermeister Herbert Holl zuversichtlich, dass die geschichtliche Betrachtung des Themas abgeschlossen sei und man sich nun der Zukunft zuwenden könne. Nicht wenige der Zuhörer im Rathaussaal haben da zumindest gedanklich zustimmend genickt. Die Stadträte unter ihnen wussten auch schon, dass die von Holl beschworene Zukunft am 11. März beginnt. An diesem Montag befasst sich der Bau- und Sozialausschuss des Gemeinderates mit den für das Sanierungsgebiet „Östliche Innenstadt“ vorgelegten Masterplänen. Im Mittelpunkt der vier von Architekturbüros vorgelegten Pläne steht der Bau einer Stadt- und einer Sporthalle auf dem Volksfestplatz. Ein paar Tage nach der Ausschusssitzung entscheidet der Gemeinderat, welcher der Pläne weiterentwickelt wird.

Nur Standort ist beschlossen

Welche Beschlüsse des Gemeinderates in Sachen Stadthalle gibt’s überhaupt? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Nach Auskunft der Stadtverwaltung ist „lediglich der Standort beschlossen“. Laut Rathaus ist der Bau der Stadthalle in der mittelfristigen Finanzplanung als „Investitionsschwerpunkt“ abgebildet. In den Jahren 2021, 2022 und 2023 sind insgesamt 9,7 Millionen Euro ausgewiesen. Damit, schreibt die Pressestelle, hat der Gemeinderat „ein klares politisches Signal“ gesetzt. Die in der Finanzplanung ausgewiesenen Beträge seien als „vorläufiger Handlungsrahmen“ zu verstehen, lässt das Rathaus weiter verlauten. Mit rund zehn Millionen Euro kann keine Stadthalle gebaut werden, das weiß man natürlich auch im Rathaus. Deshalb wird ausdrücklich auf das Städtebauförderungsprogramm (Volksfestplatz) verwiesen, das als „Kofinanzierungsinstrument“ die Grundlage für den Hallenbau sei.

Mehrere Etappen

Die bis zum Spatenstich erforderlichen Schritte lassen sich laut Pressemitteilung in kurz-, mittel- und langfristige Etappen unterteilen. Wenn der Gemeinderat sich am 14. März für einen der vier Masterpläne ausspricht, könne dessen Überarbeitung bis zum Herbst vorliegen und auf dieser Grundlage das Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Begleitend müssen, so die Verwaltung, Architektenverträge in einem europaweiten Verfahren vergeben und das Raumprogramm entwickelt werden. Zudem seien Bau- und Betriebskosten zu ermitteln. Zum Aufgabenbündel gehöre auch die Erstellung eines Betreiberkonzeptes. All diese Schritte fasst die Verwaltung so zusammen: „Die notwendigen Schritte und der aufgezeigte Ablauf verdeutlichen, dass die Realisierung der ersehnten Stadthalle nicht im Handumdrehen gelingt. Aber die Stadtverwaltung macht sich auf, dieses Projekt erfolgreich auf den Weg zu bringen.“ Der Erfolg kann sich nach Ansicht von Holl jedoch erst einstellen, „wenn inhaltlich alles klar und vor allem die Finanzierung gesichert ist“. Genau die scheint der Schwachpunkt des Projekts zu sein. Laut Holl wurde „nie umfänglich dargestellt, was man sich eigentlich leisten kann“.

Vielleicht auch deshalb verwies er in seinem Vortrag auf unterschiedliche Planungsstände in den vergangenen Jahrzehnten. 2001 hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, für 18,8 Millionen Mark eine Halle auf dem ZOB zu bauen. Das wurde durch einen Bürgerentscheid verhindert. 1992 deckelte der Gemeinderat die Kosten für eine Stadthalle auf 32,1 Millionen Mark, nachdem zuvor das Büro, das in einem Architektenwettbewerb den Sieg davontrug, die Kosten für seine Zwei-Hallen-Lösung auf 47,6 Millionen Mark beziffert hatte.

1993 scheiterte ein Bürgerentscheid, dessen Ziel es war, die Kosten auf unter 20 Millionen Mark zu drücken. Das Ansinnen wurde zwar mehrheitlich befürwortet, erreichte aber nicht das damals nötige Quorum der Stimmen. So erging es übrigens auch einem Antrag der Grünen. Ihr Ansinnen, einen Bürgerentscheid zur Stadthalle durchzuführen, fand eine Mehrheit im Gemeinderat, aber auch nicht die erforderliche Anzahl der Stimmen.

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