Kommentar Die Stadt ist in der Pflicht

Andreas Harthan
Andreas Harthan © Foto: Daniela Knipper
Crailsheim / Andreas Harthan 13.11.2017

Der Stadt hätte nichts Besseres passieren können: Trotz eines zwölfköpfigen Kandidatenfeldes haben sich die Crailsheimer gestern im ersten Wahlgang für einen neuen Oberbürgermeister entschieden. Sie haben mit knapp 57 Prozent für einen gebürtigen Crailsheimer gestimmt, für Dr. Christoph Grimmer. Eine so eindeutige Entscheidung für den 32-Jährigen, der bislang Mitarbeiter der FDP-Hoffnungsträgerin Katja Suding in Hamburg war, ist eine zumindest kleine Sensation.

Wenn man  sich dann noch den großen Abstand zum Zweitplatzierten, dem CDU-Kandidaten  Ulrich Seel (12 Prozent), anschaut, wird deutlich, dass die Mehrheit der Wähler in Grimmer einen Hoffnungsträger sieht, der die Stadt nach vorne bringen kann. Der neue Oberbürgermeister selbst hat die Erwartungen noch gesteigert, indem er in einer Anzeige kurz vor dem Wahltag geschrieben hat, dass er sich mit Mittelmaß nicht zufrieden gibt – „und Crailsheim sich nicht länger unter Wert verkaufen darf“. Zudem spricht er von der „Mission“, seine Heimatstadt in eine gute Zukunft zu führen.

Grimmer selbst hat die Latte hochgelegt. Viele Crailsheimer, das zeigt dieses Wahlergebnis, trauen ihm zu, dass er in den kommenden acht Jahren bislang unmöglich Erscheinendes möglich macht. Der bisherige Lebenslauf des Akademikers nährt die Hoffnung, dass  – wie einst Hellmut Zundel – ein parteiloser Oberbürgermeister das Zeug dazu hat, die Stadt da, wo es nötig ist, neu zu erfinden. Dass Grimmer wie Zundel klare Kante kann, hat er im Wahlkampf bewiesen, etwa mit seinem Ansinnen, den Gemeinderat zu verschlanken.

Ein Lob gebührt den Wählerinnen und Wählern. Sie haben eine klare Entscheidung getroffen. Und damit auch diejenigen Bewerber in die Schranken gewiesen, die glaubten, einfach schnell mal so Oberbürgermeister werden zu können. Ohne jede Voraussetzungen dafür, dieses Amt auch nur einen Tag ausüben zu können.