Rat Die Sache mit dem A und dem B

Jagstheimer aller Generationen lauschten der Diskussion im Rat.
Jagstheimer aller Generationen lauschten der Diskussion im Rat. © Foto: Harthan
Crailsheim / SEBASTIAN UNBEHAUEN 24.03.2015
Der Gemeinderat hat wieder über die neue Halle für Jagstheim debattiert. Es bleibt dabei: Eine Mehrheit will den Bau - falls die Förderung stimmt. Eine erste entsprechende Zusage gibt es jetzt .

Drei Geldtöpfe sollen angezapft werden: das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR), die Sportstättenförderung und der Ausgleichstock. Bis zur Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag freilich gab es noch keinen Bescheid. Gestern nun verkündete der Landtagsabgeordnete und Stadtrat Helmut W. Rüeck (CDU), dass knapp 700.000 Euro ELR-Mittel zugesagt sind.

Angesichts der noch ausstehenden Bescheide befindet sich das Projekt gleichwohl in der Schwebe, denn die Mehrheit im Rat hängt wohl am Geld aus Stuttgart. Was klar ist: Billig wird das Ganze so oder so nicht. Hatte man zu Beginn der Diskussion im Jahr 2009 mit einer Ein-Feld-Sporthalle gerechnet und die Kosten dafür ganz grob auf 2,1 Millionen Euro geschätzt, ist man mittlerweile bei mehr als 3,6 Millionen Euro angekommen - für eine Mehrzweckhalle.

Im Gemeinderat sorgt das durchaus für Unbehagen, die meisten Stadträte aber halten's wie der SPD-Fraktionschef Gernot Mitsch: "Wer A gesagt hat, muss auch B sagen." Dennoch habe er Verständnis für jeden, der nicht zustimme. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Neidlein sagte, er sei "nach wie vor von der Notwendigkeit überzeugt". Für die Zukunft aber merkte er angesichts steigender Baukosten an: "Es kann kostengünstiger sein, eine Maßnahme schnell anzugehen und dafür auf den einen oder anderen Zuschuss zu verzichten."

Die Grünen - damals noch als UGL - standen von Beginn an in Opposition zu den Neubau-Plänen. "Wir bleiben dabei: zuerst Kreuzberg!", sagte Fraktionschef Wilfried Kraft auch jetzt. Und er schoss scharf gegen die Verwaltung. Er habe den städtischen Antrag auf Sportstättenförderung für die Jagstheimer Halle gelesen, berichtete er. Darin heiße es, die Astrid-Lindgren-Schule auf dem Kreuzberg verfüge nicht über eine eigene Halle, die Schüler könnten jene in Jagstheim nutzen. Sportstättenförderung gibt es nämlich nur, wenn eine schulische Nutzung gegeben ist - in Jagstheim aber gibt es keine Schule.

Was Kraft sauer aufstieß: Die Verwaltung habe eine Halle auf dem Kreuzberg bisher stets mit der Begründung abgelehnt, dass es im Osten der Stadt schon heute eine Überversorgung mit Sporthallen gebe. "Jetzt werden Schüler vom Kreuzberg zur Begründung für eine Halle in Jagstheim herangezogen. Da kann eigentlich keine Förderung fließen, es sei denn, wir leben in einer Bananenrepublik", so Kraft.

Die Förderung war auch noch anderweitig Thema. Mancher Stadtrat, etwa Uwe Berger (CDU) verwies auf 2009, als eine Halle "zum Schnäppchenpreis" mit zahllosen Zuschussmöglichkeiten in Aussicht gestellt worden sei. Holl schob den schwarzen Peter zurück: Die CDU habe sich seinerzeit beim Ministerium um Melap-Mittel kümmern wollen. Günter Herz (SPD) sprach ironisch von "Prognosen von CDU-Fachmännern", was Rüeck als Legende zurückwies. Peter Gansky (BLC) sieht das so: "Die Halle war so konzipiert, dass man zustimmen musste. Wir wurden angefixt." Auch die neuen Zahlen seien geschönt.

Horst Philipp: "Wir haben nie von einer reinen Sporthalle gesprochen"

Jagstheims Ortsvorsteher Horst Philipp hat da natürlich eine ganz andere Sicht der Dinge. "Wir haben nie von einer reinen Sporthalle gesprochen", stellte er klar. "Wir haben nicht vor, aus Jux und Tollerei eine Halle zu bauen, wir brauchen einen Ersatzbau." Man sei bestrebt, wirklich kostenbewusst und sinnvoll zu bauen. Man sei bereit, viel Eigenleistung einzubringen. Der Jagstheimer Förderverein habe bereits 120.000 Euro zusammen.

Dieses Engagement wurde allgemein gewürdigt. Neidlein verwies außerdem auf das Vermögen, das alle Stadtteile bei den Eingemeindungen mitgebracht hätten: "Dieses Vermögen gilt es zu erhalten!" Und Sebastian Klunker (AWV) sagte: "Die Halle in Jagstheim wird genutzt, schulisch und von 14 Vereinen. Das ist kein Spaßbau!" Der aktuelle Zustand sei nicht tragbar.

Klunker übrigens sprach in Freud'scher Manier von einer "Stadthalle für Jagstheim" - was wiederum Wolfgang Ansels (SPD) Kritik an den Plänen ziemlich genau auf den Punkt brachte: "Die Proportionen stimmen hinten und vorne nicht." 3,6 Millionen Euro für einen Ortsteil mit 1600 Einwohnern seien angesichts eines "Berges von Aufgaben" nicht vermittelbar.

Letztlich beschloss der Rat mit sieben Gegenstimmen und bei sieben Enthaltungen aus den Reihen der SPD-Fraktion, die Planungen weiterzuführen. Kraft hatte einen Planungsstopp beantragt. Ebenfalls eine Mehrheit gab es für Vorschläge des Ortschaftsrats Jagstheim, der etwa eine geneigte Dachkonstruktion statt eines Flachdachs will - nicht, weil das mehr kostet, wie Ortsvorsteher Philipp betonte, sondern weil die Unterhaltung eines solchen Daches aus Sicht der Jagstheimer auf Dauer günstiger ist.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel