Crailsheim Die repräsentativste Tür der Stadt

Crailsheim / Christine Hofmann 27.07.2018
Das Rathausportal über der Freitreppe wird nur zu besonderen Anlässen und bei Stadtführungen geöffnet.

An dieser Tür ist sicher jeder schon einmal vorbeigelaufen – Crailsheimer sowieso, aber auch Besucher der Stadt: am Rathausportal des Hauptbaus. Zu übersehen ist die dreiflügelige Tür nicht mit ihrer stattlichen Höhe und Breite und vor allem mit der großen Freitreppe davor. Es ist die repräsentativste Tür, die Crailsheim zu bieten hat.

Allerdings ist das große Portal an den meisten Tagen des Jahres verschlossen. „Geöffnet wird diese Tür eigentlich nur am Volksfest und bei besonderen Empfängen“, berichtet Folker Förtsch. „Und außerdem bei einigen Stadtführungen“, fügt der Stadtarchivar an, zückt einen Schlüssel, der im Vergleich zur Größe der Tür verschwindend klein wirkt, und sperrt auf.

Durch das Rathausportal gelangt man in einen Raum, in dem die Stelen der Aktion „1945 – Untergang einer Stadt“ – zur Kriegszerstörung Crailsheims aufgebaut sind, die als Kooperationsprojekt zwischen der Stadt Crailsheim, dem HOHENLOHER TAGBLATT und der Voith AG  im Jahre 2005 realisiert wurde. „Die Tafeln mit Fotos, die den Zustand vor dem Zweiten Weltkrieg, eine Ansicht der Zerstörung und ein Bild des Wiederaufbaus zeigen, waren zuvor im Stadtgebiet verteilt aufgestellt“, berichtet Förtsch. Schließlich wurden die Tafeln im Baubetriebshof zwischengelagert.

Mit der Sanierung des Rathaus-Hauptbaus wurde im Erdgeschoss des Rathausturms ein neuer Raum geschaffen, der sich gut für die Dokumentation der Kriegsereignisse eignet. Bei Stadtführungen werden Einheimische und Gäste durch das Portal in den Ausstellungsraum geführt. Er ist aber auch jederzeit von der anderen Seite her, durch das Bürgerbüro, zugänglich.

Das alte Crailsheimer Rathaus bestand nur aus dem heutigen Hauptbau. Im Erdgeschoss des Turmes, der heuer seinen 300. Geburtstag feiert und mit seinen 57,5 Metern das höchste Gebäude der Stadt ist, war bis 2013 die Stadtwaage untergebracht. Darüber schloss sich das Treppenhaus an, das zur Wohnung des Türmers führte. Der Türmer hatte von dort oben den besten Überblick und schlug Alarm, wenn sich Feinde näherten oder er ein Feuer ausmachte.

Beim Luftangriff auf Crailsheim am 23. Februar 1945 fiel eine der ersten Bomben in den Rathausturm: Die Turmspitze wurde abgerissen und das Turminnere völlig zerstört. Bei der zweiten Eroberung der Stadt durch die Amerikaner wurde am 20. April 1945 auch der Hauptbau in Schutt und Asche gelegt.

Der Rathausturm wurde in den Nachkriegsjahren zunächst nur provisorisch ohne Spitze wiedererrichtet. Erst Ende der 1970er-Jahre bekam er seinen typischen Helm. „Erst mit der letzten Sanierung 2010 wurde das Rathausportal mit dem Treppenaufgang nach historischen Aufnahmen rekonstruiert“, berichtet der Stadtarchivar. „Vorher war der Eingang ebenerdig und hatte ein Gitter an der Tür. Das war wenig repräsentativ.“

Info

In der langen Nacht der Türme am Samstag, 13. Oktober, wird der Rathausturm ebenfalls zu besichtigen sein. Auch dort gibt es die Möglichkeit, durch das Portal zu schreiten: Die Tür wird zu diesem Anlass geöffnet.

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