Horlachen Die Kinder und der Krieg

PB 31.05.2014
2014 steht im Heimatmuseum in Gschwend-Horlachen eine Ausstellungsreihe zum Ersten Weltkrieg im Mittelpunkt. Am 1. Juni gehts um die Kinder und Jugendlichen "an der Heimatfront".

Der Erste Weltkrieg fand zwar an den Fronten in Frankreich, Belgien und Russland statt, aber die Propaganda hatte schnell erkannt, dass auch die "Heimatfront" einbezogen werden musste. So wurden Kinder, Jugendliche, Frauen und ältere Leute als "Soldaten der Heimatfront" bezeichnet, die zum Krieg beitragen sollten.

Kinder und Jugendliche wurden vor allem zu verschiedenen Sammlungen für Altmetall, Heilkräuter, oder "Laubheu" herangezogen. Dafür durfte dann auch mal die Schule ausfallen. Auch soldatische Tugenden wurden gepflegt. Dabei hatte die Jugendwehr eine große Bedeutung. An Kaisers und des Königs Geburtstagen wurden heldische Lieder gesungen beziehungsweise Gedichte aufgesagt. Die Zeitungen verbreiteten Kriegs- und Durchhaltepropaganda. Die Verleihung des Eisernen Kreuzes stand hoch im Kurs.

Die Wirkung solcher Einflussnahme zeigt sich auch im Tagebuch eines Mädchens aus dieser Zeit, das in einer Gschwender Familie erhalten blieb. Valeria Bühler aus Schlechtbach wird dieses Tagebuch am Sonntag, 1. Juni, um 15 Uhr 30 im Museum vorstellen und daraus vorlesen. Interessant ist, wie sich die Haltung zum Krieg mit der Zeit verändert. Die anfängliche Begeisterung wich sehr bald dem Schmerz über die Kriegsfolgen.

Nicht nur das Kriegsgeschehen vor 100 Jahren spielt im Museum eine Rolle. Im Eingangsbereich soll bald ein typischer alter Dorfladen entstehen. Ein schöner Schubladenschrank vom Hellershof, eine Neigungswaage aus Mittelbronn wie ein Speiseölbehälter und viele alte Verpackungen aus dem Museumsbestand sind schon aufgebaut. Eine typische Registrierkasse aus den 1920er-Jahren aus Honkling wurde gespendet und wird vom Handwerkerteam demnächst restauriert.

In den ehemaligen Gemeinden Altersberg, Frickenhofen und Gschwend gab es einst zirka zehn solcher "Tante-Emma-Läden". Schön wäre es, wenn noch alte Bilder oder Erinnerungsstücke aus diesen Läden dazukämen. Die Läden dienten damals der wohnortnahen Versorgung und der nachbarschaftlichen Kommunikation. In den anderen Räumen des Museums sind Ausstellungen zum Dorfhandwerk und zum bäuerlichen Leben im 19. Jahrhundert. zu sehen, die im letzten Jahr neu gestaltet wurden. Info Das Heimatmuseum in Gschwend-Horlachen ist am Sonntag von 14 bis17 Uhr geöffnet. Das Museumscafé wird von den Eltern der Kirchenkirnberger Kindergartenkinder betreut.